8. Symposium - Vitamine und Zusatzstoffe
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8. Symposium
"Vitamine und Zusatzstoffe in der Ernährung von Mensch und Tier"
26. 9. - 27. 9. 2001
Abstracts
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Tagungsbericht
Das 8. Symposium "Vitamine und Zusatzstoffe in der Ernährung von Mensch und Tier" wurde vom Institut für Ernährungswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena gemeinsam mit dem Institut für Tierernährung Braunschweig der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft zum achten Mal durchgeführt.
Dieses
international beachtete Symposium - der diesjährige Besucherrekord von 190
Teilnehmern aus 13 Ländern (Brasilien, Deutschland, Frankreich, Jugoslawien,
Lettland, Niederlande, Österreich, Polen, Russland, Schweiz, Slowakei, Spanien,
USA) sowie die 103 ausgewählten und präsentierten wissenschaftlichen Beiträge
belegen dieses Interesse - fand erstmals 1983 in Leipzig und danach zunächst
in 4jährigem sowie seit 1991 in 2jährigem Rhythmus statt (Tabelle).
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Nr. |
Jahr |
Ort |
Beiträge* |
Beiträge
zu Themen |
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insgesamt |
Allgemein |
Mensch |
Tier |
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1 |
1983 |
Leipzig |
31 |
9 |
11 |
11 |
|
2 |
1987 |
Reinhardsbrunn |
60 |
9 |
3 |
48 |
|
3 |
1991 |
Stadtroda |
84 |
5 |
6 |
73 |
|
4 |
1993 |
Jena |
78 |
15 |
11 |
52 |
|
5 |
1995 |
Jena |
103 |
16 |
30 |
57 |
|
6 |
1997 |
Jena |
87 |
16 |
26 |
45 |
|
7 |
1999 |
Jena |
108 |
18 |
45 |
45 |
|
8 |
2001 |
Jena |
109 |
5 |
49 |
55 |
* gemeldete
Das
8. Symposium diente wiederum vorrangig dem Meinungsaustausch zu Forschungsergebnissen
in der Human- und Tierernährung sowie der Diskussion zwischen Vertretern
der Ernährungs- und Agrarwissenschaft sowie Human- und Veterinärmedizin.
Einer sehr nützlichen Tradition folgend konnten auch Nachwuchswissenschaftler
eigene Ergebnisse vor sachkundigen Zuhörern präsentieren. Von den
insgesamt 103 präsentierten Beiträgen standen etwa die Hälfte
direkt oder indirekt im Zusammenhang mit Aspekten der menschlichen Ernährung.
In
den Plenarvorträgen, Kurzvorträgen und Postern wurden vorwiegend neueste
Erkenntnisse zur Wirksamkeit von Vitaminen, speziellen Inhaltsstoffen aus Obst
und Gemüse, probiotischen Kulturen und Substanzen zur Nahrungsergänzung (z.B.
konjugierte Linolsäuren, Carnitin) mitgeteilt und diskutiert. Im Vordergrund
standen dabei Ernährungsaspekte, die der Gesunderhaltung der Menschen aller
Altersklassen dienen, die Besonderheiten für Leistungssportler berücksichtigen
und die für eine Prophylaxe oder Therapieunterstützung verschiedener
Krankheiten von Bedeutung sind. Es wurden kritische Betrachtungen zu den neuen
Referenzwerten mit Sicht auf die empfohlene Vitaminzufuhr für den Menschen
dargelegt.
Breiten
Raum nahmen auch Lebensmittelqualität und -sicherheit ein, die durch eine
kontrollierte Versorgung der Nutztiere mit Vitaminen und anderen Futterzusätzen,
wie z.B. Enzyme und probiotische Kulturen, garantiert werden müssen. In diesem
Zusammenhang wurde auch hochaktuell über Antibiotika-Resistenzgene in der
Umwelt, über ihr Vorkommen und den
Transfer in die Nahrungskette referiert und diskutiert.
Das
nächste Symposium ist bereits in Vorbereitung und wird vom 24.-25.09.2003 in
Jena stattfinden.
Nachfolgend
werden einige allgemein interessierende Aspekte aus der Vielfalt der Beiträge
zusammengestellt.
In
den Plenarvorträgen wurden neben den
neuen gemeinsamen Referenzwerten der deutschsprachigen Gesellschaften für Ernährung
(Deutschland, Österreich, Schweiz = DACH) zur Vitaminzufuhr des Menschen
aktuelle Themen kritisch diskutiert, die im Mittelpunkt des Interesses der
Verbraucher stehen. Das betraf vor allem Nutzen und Risiken einer Anreicherung
der Nahrung mit Vitaminen und Zusatzstoffen einschließlich Probiotika bei
Mensch und Tier. Dabei wurde der Lebens- und Futtermittelsicherheit großes
Gewicht beigemessen.
So
wurde herausgestellt, daß sich die neuen Referenzwerte für die Vitaminzufuhr
in nutritive sowie präventive Aspekte zur Risikoreduktion degenerativer
Erkrankungen gliedern. Beispielsweise beziehen sich präventive Aspekte auf eine
erhöhte Vitamin-D-Zufuhr bei Senioren zur Osteoporoseprophylaxe und die
Empfehlung von Folsäuresupplementen für junge Frauen zur Prävention von
Neuralrohrdefekten Neugeborener. Angesichts der Homozysteinproblematik und
aufgrund neuer biokinetischer Daten wurden die Empfehlungen zur Folat- und zur
Ascorbinsäurezufuhr um je 30 % erhöht.
Eine
Ableitung des Vitamin-Bedarfs für Nutztiere nach der
faktoriellen Methode ist infolge fehlender experimenteller Daten gegenwärtig
nicht möglich. Dosis-Wirkungs-Studien und Leistungsversuche unter Berücksichtigung
physiologischer Parameter dienten bisher der Ableitung von Empfehlungen
zur Vitaminversorgung. Bei Angaben zur Vitaminversorgung landwirtschaftlicher
Nutztiere muß in verschiedene Niveaus (Minimal-, Optimalbedarf, opt.
Empfehlung, "Sondereffekte") unterschieden werden. Die Empfehlungen von
Vitamin-Herstellern oder -vertreibern zur Vitaminversorgung liegen meist
deutlich über den Vorschlägen von wissenschaftlichen Gesellschaften. Vitamin-Überdosierungen,
die "Sondereffekte" ermöglichen sollen, können in extremen Fällen zu Schäden
bei Nutztieren führen.
Zum Nutzen von Probiotika in der menschlichen Ernährung wurde betont, daß die verwendeten Kulturen bestimmte Kriterien erfüllen müssen: sie wurden aus Wirtsspezies isoliert, sie haben einen nachgewiesenen Nutzeffekt, sie sind nicht pathogen, sie überleben den Transit in den Darm und sie bleiben in Lebensmitteln über längere Lagerzeit vital. Nicht alle eingesetzten probiotischen Keime siedeln sich im Darm eines jeden Menschen an, vermehren sich und üben ihre beabsichtigte Funktion aus, was zu teilweise widersprüchlichen Ergebnissen bei Interventionsstudien führt. Es wurde auch auf differierende Effekte zwischen Joghurt und Rohwurst mit L. acidophilus, B. longum und L. paracasei auf den Lipidstoffwechsel hingewiesen, wobei die Einflußfaktoren sowohl auf der Seite der Kulturen als auch auf der Seite der Träger-Lebensmittel zu suchen waren. Die Effekte probiotischer Kulturen in der Prävention von Atherosklerose und Krebs sind überwiegend gering und beschränken sich weitgehend auf Laborstudien. Allerdings induzierte Faeceswasser von gesunden Probanden, die probiotischen Joghurt (L. acidophilus) verzehrten, weniger DNA-Strangbrüche bei Zellkulturen.
In
der Tierernährung
werden Probiotika besonders als Futterzusatzstoffe für
Ferkel, Kälber und Broiler eingesetzt. In den meisten Untersuchungen werden wie
in der Humanernährung lediglich Trends positiver Effekte auf die
Lebendmassezunahme und den Futteraufwand festgestellt, die nur selten
signifikant sind. Dagegen kann bei Ferkeln und Kälbern die Durchfallhäufigkeit
meist statistisch gesichert gesenkt werden. Derzeit sind in der EU 18
Probiotikapräparate zugelassen. Sie wirken vermutlich primär über die
Beeinflussung der pathogenen und apathogenen Darmflora, aber auch andere
Reaktionen des Wirtsorganismus scheinen am Effekt beteiligt zu sein.
Die
Supplementation der Nahrung mit Vitaminen und Zusatzstoffen wurde
unter dem Aspekt der Lebensmittelsicherheit diskutiert. Es wurde
resümiert, daß Lebensmittel in Deutschland zunehmend angereichert werden, daß
aber auch Bemühungen wachsen, aufkommende Probleme im Vorfeld unter
Vorsorgegesichtspunkten in den Griff zu bekommen. Der gesundheitliche
Verbraucherschutz folgt dabei nicht mehr einfach dem Verbotsprinzip, sondern stützt
sich mehr und mehr auf wissenschaftliche Prinzipien. Die Aufstellung einer
Positivliste für ernährungsphysiologisch relevante Zusatzstoffe und die
Ableitung von transparenten Grenzwerten sind erste Schritte in diese Richtung.
Auch
der Beitrag zur Futtermittelsicherheit stellte eine kritische
Bestandsaufnahme aus der Sicht von Tierernährung und Tiermedizin dar. Trotz
einer insgesamt hervorragenden Qualität von Lebensmitteln tierischer Herkunft
ist die gegenwärtige öffentliche Diskussion geprägt von Zweifeln an der
Sicherheit von Lebens- und Futtermitteln. Vor diesem Hintergrund wurden die
verschiedenen Facetten des Begriffs "Futterqualität" in Erinnerung gerufen.
Um diese zu charakterisieren, sind zusätzlich die Effekte auf die Gesundheit
der Tiere, die Auswirkungen auf die Umwelt und die Lebensmittelqualität
einzubinden. Zur Aufdeckung von Schwachstellen für die Futtermittelsicherheit
sollte verstärkt der Weg des Futters von seiner Gewinnung bis zum Angebot an
das Tier verfolgt und geprüft werden. Auf diesem Weg gibt es eine Vielzahl von
Einflüssen, welche die Sicherheit der Lebensmittel tangieren können. Auch
wenn derzeit der Verbraucher "natürliche" Futtermittel und Fütterungsbedingungen
favorisiert, ist der Hinweis erlaubt, daß gerade moderne Fütterungstechniken
zur Sicherheit von Futtermitteln und damit von Lebensmitteln beitragen können,
wie es beispielsweise der Einsatz effizienter Konservierungsmittel
verdeutlicht.
Die
Antibiotika-Resistenzgene in der Umwelt und in der Nahrungskette
stellten ein hochaktuelles Thema dar. Es wurde darauf verwiesen, daß die
Verwendung von Antibiotika in den letzten Jahren eine rasche Ausbildung von
Antibiotika-Resistenzen unter der Bakterienpopulationen bewirkte. Die
zunehmende Nutzung molekularer Werkzeuge, wie DNS-Sonden und PCR, erlauben es,
die Verbreitung bakterieller Antibiotika-Resistenzgene in den verschiedensten
Matrices zu analysieren. Im Rahmen des EU-BIOTECH-Projektes "RESERVOIR”
wurde u.a. das Vorkommen von Resistenzgenen gegen Gentamycin, einem
klinisch wichtigen Antibiotikum, besonders in Faeces von Geflügel, Rindern und
Schweinen sowie in Abwässern von Kläranlagen nachgewiesen.
Die
Kurzvorträge und Poster
bezogen sich überwiegend auf die oben genannten Schwerpunkte, beinhalteten aber
auch angrenzende Aspekte von Vitaminen, Zusatzstoffen und sekundären
Pflanzenstoffen in Hinblick auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Mensch
und Tier.
Zusatz
bzw. Gehalt und Funktionsweise von Vitaminen und antioxidantiven
Stoffen in der Nahrung nahmen einen breiten Raum ein.
Zur
Vitaminversorgung von Säuglingen und Kleinkindern
wurde aus 2163 Drei-Tage-Wiege-Ernährungsprotokollen im
Zeitraum 1998-1999 geschlossen, daß sich die Aufnahme besonders an den Vitaminen
B2, Niacin und C in einigen Altersgruppen veränderte. Die
steigende Anzahl gestillter Säuglinge und Veränderungen im Verzehr üblicher
Lebensmittel spiegelten sich in der Vitaminzufuhr der Säuglinge wider.
Frauen
schieden im Verlauf der Schwangerschaft mit dem Urin nur geringe
Mengen Retinol (< 35 nmol/g Kreatinin) und retinolbindendes
Protein (< 70 nmol/g Kreatinin) aus, so daß es nicht nötig erscheint, diese
Verluste während der Schwangerschaft zu berücksichtigen.
Hohe
Vitamin-E-Dosen können
eine Verbesserung des antioxidativen Status des Gehirns bewirken.
So konnten die experimentellen Hirninfarkte mit 1 bzw. 100 mg Vitamin E je kg Körpergewicht
um 66 % bzw. 81% verkleinert werden. Diese Ergebnisse unterstützen die
Hypothese, daß die Bildung von Sauerstoffradikalen einen wesentlichen
Faktor bei der Pathogenese des Hirninfarktes darstellt und hohe prophylaktische
Vitamin E-Gaben an Patienten mit einem erhöhten Infarktrisiko die Folgen eines
Schlaganfalles mildern könnten.
Andererseits
können extrem hohe Vitamin-E-Dosierungen auch negative Wirkungen
haben, wie an Ratten, die 100 bis 10.000 mg DL-a-Tocopherylacetat
je kg Futter (ca. 10-1000 mg/kg Körpergewicht) erhielten, gezeigt wurde. Die
Untersuchungen demonstrierten, daß die gleichzeitige Aufnahme sehr hoher
Vitamin-E-Dosen und mehrfach ungesättigter Fettsäuren (Fischöl) zu einer
Destabilisierung der Erythrozytenmembran führt. Diese Destabilisierung wurde
als Folge einer verminderten Kapazität des enzymatischen antioxidativen
Schutzsystems in den Erythrozyten gewertet, die vermutlich zu erhöhten
Konzentrationen reaktiver Sauerstoffspezies führt.
Die
Effekte sehr hoher Zusätze an Vitaminen, Spurenelementen und
Antioxidantien zum Futter für Nutztiere werden oft überschätzt.
In Versuchen mit Legehennen konnte bewiesen werden, daß eine Reduzierung
oder Eliminierung verschiedener Futterzusatzstoffe im Legehennenfutter
(Bestandteile des vitaminisierten Mineralfutters) keine nachteiligen Folgen auf
die Leistungen und die Gesundheit der Tiere ausübten.
für die Erzeugung eines nährstoffreichen, wohlschmeckenden und ernährungsphysiologisch
wertvollen Eies reichen die von der GfE empfohlenen Futterzusätze
aus. Kosten in Höhe von 2-3 DM/t Legehennenfutter könnten
dadurch gespart werden.
Untersuchungen
mit Milchkühen zur Absorbierbarkeit von
intraruminal appliziertem Vitamin A und E (1.000.000 I.E. Vit. A
und 10.000 I.E. Vit. E je Tag) ergaben, daß die verabreichten Vitamine im
Pansen zu 28 % (Vit. A) bzw. 87 % (Vit. E) abgebaut werden und sich der Vitamingehalt
im Blut nicht erhöhte.
Über
den Empfehlungen liegende Vitamin- und Ca-Gaben an Legehennen
sind meist nicht mit Leistungsverbesserung verbunden. In einem 10-wöchigen
Versuch waren bei 37 g bzw. 60 g Ca und 0 bis 3.150 IE Vitamin-D3
je kg Futter die Leistungsparameter und Eischalenstabilität in allen
Dosierungen fast gleich. Bei 3,7 % Ca und abnehmender Vitamin-D3-Supplementation
bestand lediglich ein Trend zu niedrigerer Leistung.
Dabei
ist entsprechend anderer Studien an Broilern zu berücksichtigen,
daß Cholecalciferol (Vit. D3) gegenüber 25-Hydroxycholecalciferol
(25-OH-D3) eine höhere metabolische Wirksamkeit für Wachstum und
Knochenausbildung besitzt.
Werden
sportlich sehr aktive Schüler (PAL 2,0) in der Gemeinschaftsgastronomie
versorgt, kann einer Unterschreitung der Zufuhrempfehlungen bei einzelnen
Vitaminen des B-Komplexes (z.B. Folsäure) sowie bei ausgewählten
Mineralstoffen (z.B. Calcium, Magnesium) durch
kohlenhydratreiche, proteinoptimierte und fettreduzierte Sportlerkost
vorgebeugt werden.
Neben
Effekten von fettlöslichen Vitaminen auf Osteopathien
wurden in weiteren Beiträgen Absorbierbarkeit und spezielle
Funktionen wasserlöslicher Vitamine besprochen.
Die Absorbierbarkeit (präzäkale Verdaulichkeit, Modell Schwein)
betrug bei Thiamin 73-96 % und bei Vitamin B6
16-91 %, wobei für Produkte tierischen Ursprungs um 18 % höhere Werte
ermittelt wurden. Hierfür ist hauptsächlich der hohe Anteil an β-glykosidisch
gebundenem Vitamin B6 in pflanzlichen Produkten verantwortlich.
Durch
eine Co-Ergänzung konnte keine nennenswerte Erhöhung der Vitamin B12-Konzentration
im Serum von Milchkühen erzielt werden. Eine Anreicherung der Ration mit Co
(0,27 mg Co/kg T) bewirkte jedoch im Vergleich zur Kontrollgruppe (0,13 mg Co/kg
T) eine Erhöhung der Co-Konzentration und damit auch der Vitamin B12-Konzentration
im Lebergewebe.
Obwohl
die fetale Leber und die Placenta äußerst empfindlich auf einen
Riboflavinmangel reagieren, scheint bei Ratten bereits ab dem 20. Trächtigkeitstag
unabhängig von der Riboflavinzufuhr ein wirksamer regulatorischer Mechanismus die
Vitamin B2-Konzentration im Gehirn relativ konstant zu
halten.
Weiterhin
wurde an Ratten gezeigt, daß auch bei ausreichender Thiaminversorgung durch
eine chronische Ethanolzufuhr in Abhängigkeit der Dosis die
Thiamin-Phosphorylierung und Dephosphorylierung gestört wird. Die dadurch im
Gehirn verminderte Konzentration Thiamindiphosphat steht im Zusammenhang mit den
unter chronischer Alkoholzufuhr beobachteten neuronalen Funktions- und Stoffwechselstörungen.
Die
Sinnhaftigkeit vitaminisierter Säfte und die Konzentration bzw. Bioverfügbarkeit
von antioxidativen Substanzen in verschiedenen Getränken war
Gegenstand weiterer Vorträge und Poster.
Fruchtsafthaltige
Getränke bieten sich als wohlschmeckende Basis für Zusätze mit
funktionellen Eigenschaften an. Dabei sind sensorische Parameter für
eine Akzeptanz der Produkte ausschlaggebend. Multivariate Methoden wie
Hauptkomponentenanalyse und Internal Preference Mapping haben sich als gute
Techniken erwiesen, um Verbraucherpräferenzen zu beschreiben und mögliche
Marktnischen für Produktentwicklungen zu finden.
Anthocyane
gehören zur Gruppe der Polyphenol-Flavonoide und haben aufgrund
ihrer antioxidativen Kapazität verschiedene gesundheitsbeeinflussende Effekte. Schwarze
Karotten enthalten Cyanidin als Hauptanthocyan, deren Extrakt gegenüber
der Reinsubstanz in vitro sowohl Vorteile als auch Nachteile aufwies. Der
Extrakt hemmte sowohl die Proliferation von humanen Colon-Tumor-Zellen (HT29
clone 19A-cells) und wirkte zytotoxisch, Cyanidin dagegen nicht. Cyanidin schützt
gegen H2O2-induzierte DNA-Schäden, dagegen steigerte der
Extrakt genetische Schäden. Mögliche Ursache hierfür könnten unbekannte
Verbindungen des komplexen Extraktes sein. Die Anthocyane aus
rotem Traubensaft und schwarzem Johannisbeersaft sind nur in
geringem Umfang absorbierbar und/oder werden schnell metabolisiert, wie
aus geringen Anthocyan-Konzentrationen sowohl im Plasma als auch im Urin
geschlossen wurde.
Dem
Rotwein werden kardioprotektive Wirkungen
zugeschrieben, die insbesondere auf die antioxidativen Eigenschaften
der enthaltenen phenolischen Verbindungen zurückgeführt werden.
Es konnten mehr als
30 phenolische Verbindungen in den untersuchten Rotweinproben quantifiziert
werden. Der Gesamtpolyphenolgehalt (ohne Anthocyane) korrelierte positiv mit der
antioxidativen Kapazität. Anthocyane und Sulfit beeinflußten die
antioxidativen Eigenschaften der Rotweine dagegen nicht.
Bei
der Weinherstellung wird zunehmend auf Erhalt der Polyphenole
während der Traubenverarbeitung bzw. Weinbereitung geachtet. Bei Einsatz von Schönungsmitteln
treten unterschiedlich hohe Verluste an antioxidativ wirksamen phenolischen
Verbindungen ein, die nach Schönungen mit Tannin-K und Tannin-S (neue Präparate
aus Trauben-Kernen und ‑Schalen) am geringsten sind. Da
jedoch das Hauptanthocyan im Rotwein von diesen beiden Tanninen stark adsorbiert
wird, ist deren Einsatz nur für Weißweinschönungen zu empfehlen.
Verschiedene
Tee-Extrakte unterscheiden sich in Gesamtphenolgehalt,
antioxidativer Aktivität und Catechingehalten. Grüntee von
China, Darjeeling Grüntee und Darjeeling Schwarztee hatten vergleichbare
Gesamtphenolgehate und antioxidative Aktivität. Die Fermentation bewirkte eine
Abnahme im Gehalt an Catechinen.
Zu hoher Teekonsum kann bei Frauen allerdings die Eisenversorgung beeinträchtigen. Der tägliche Konsum von einem Liter grünen oder schwarzen Tee führte bei Mischköstlerinnen zu signifikant niedrigeren Ferritin-Werten.
Das
im grünen Tee am
reichlichsten vorkommende Flavanoid mit sehr hoher antioxidativer Kapazität ist
Epigallocatechingallat (EGCG). Es kann mit speziellen
Verfahren in
einer Reinheit von 93 - 95 % isoliert werden. In Humanstudien wurden EGCG-Dosen bis zu 1600 mg gut
toleriert.
Ein
wesentlicher Aspekt, der zu einer Qualitätsminderung von Fleisch
führt, sind oxidationsbedingte Veränderungen der in
Membran-Phospholipiden gebundenen mehrfach ungesättigten Fettsäuren und des
Myoglobins. Durch Supplementierung von Antioxidantien (z.B. a-Tocopherol)
kann eine oxidative Stabilisierung des Schlachtkörpers erzielt werden. Zur Überprüfung
der antioxidativen Wirksamkeit bei der Lagerung stellt die Bildung von
Malondialdehyd (MDA) im Rindfleisch einen empfindlichen und selektiven Indikator
zur Beurteilung des Oxidationsstatus dar.
Bei
Schweinen bewirkte eine mäßige Supplementation mit 200 mg a-Tocopherol
je kg Futter für die Dauer von 60 Tagen vor dem Schlachten eine Verdoppelung
der a-Tocopherol-Konzentration
im Muskel sowie eine signifikante Verminderung der Fe-induzierten Lipidoxidation.
In
anderen Versuchen zeigte sich ein synergistischer Effekt bei
kombinierter Supplementierung mit 200 mg/kg dl-a-Tocopherylacetat
plus 200 mg/kg Ascorbinsäure beim wachsenden Schwein,
in dem bei gleichzeitiger Zulage beider Vitamine auch die Konzentration beider
Vitamine in Leber, Milz und M. longissimus dorsi höher war als bei
Supplementierung mit nur jeweils einem Vitamin.
Der
kombinierte Zusatz von Vitamin-E und Se (40 mg/kg als a-Tocopherylacetat
+ 0,3 mg/kg als Na-Selenit) zu Vitamin-E- und Se-armen Rationen (Vitamin E 14
mg/kg, Se 17 µg/kg) für Schweine erhöhte die oxidative Stabilität
(TBARS) und den Oxy-Myoglobin-Gehalt des Muskelfleisches sowie den Gehalt an
PUFA in Muskellipiden mehr als jeweils ein Zusatz allein.
Die antioxidative
Stabilität des Blutplasmas von Kälbern gemessen am
Redoxstabilität-Index (RSI) korreliert eng mit dem Se-Gehalt im M.
long. dorsi. (r = 0,6).
Gewürze
dienen nicht nur der Schmackhaftigkeit von Wurstkonserven, auch
deren Haltbarkeit nach Anbruch und langer Kühllagerung kann durch
sie verbessert werden. Sowohl Majoran als auch Pfeffer und Kümmel schützten
das Fett vor Oxidation. Die stärkste Wirkung hatte
Majoran, der die Induktionszeit im Vergleich zum Kochgut ohne Gewürzzusatz
versiebenfachte. Welche Inhaltsstoffe diese Wirkung bedingen, ist noch zu klären.
Bei
der Analytik von phenolischen
Verbindungen, Carotinoiden und Tocopherolen ergeben sich
oft erhebliche Probleme. Es wurden neue Entwicklungen bei der Bestimmung dieser
sekundären Inhaltsstoffe in
Lebensmitteln mittels HPLC präsentiert.
Bei
der Ermittlung der antioxidativen Aktivität von Lebensmitteln mittels LDL-Oxidations-Test
(ex-vivo Methode) kann es zu Problemen kommen. Durch eine zusätzliche
EDTA-Zugabe wird die Probenstabilität bis zum Beginn der Oxidation zuverlässig
erreicht, so daß die modifizierte Methode ausreichend zuverlässig ist.
Der
geburtsnah ermittelte antioxidative Status ist ein wichtiger
prognostischer Faktor für die Krankheitsanfälligkeit des neugeborenen
Menschen. Die Ursachen dafür können einerseits in einem erhöhten
Antioxidantienverbrauch durch die katalytische Wirkung von prooxidativem Fe2+
liegen, das beim Abbau des fetalen Hämoglobins freigesetzt wird. Es bleibt zu
prüfen, ob eine Verbesserung der Antioxidantienversorgung die Ausbildung von
sauerstoffradikalinduzierten Erkrankungen verhindern kann.
Von
den Fettsäuren wurden die konjugierten
Linolsäuren (CLA) als physiologisch höchst aktive Substanzen
betrachtet, die u.a. stark in den Fettsäuren- und Eicosanoidstoffwechsel
eingreifen. Die CLA-Isomeren cis-9,trans-11 und trans-10,cis-12
werden konzentrations- und zeitabhängig in die Lipide von isolierten
Hepatozyten (HepG2-Zellen) eingebaut. Die Inkubation der HepG2-Zellen mit dem trans-10,cis-12-Isomer
führte zu einer deutlichen Hemmung der Desaturation gesättigter Fettsäuren,
der Linolsäure und der a-Linolensäure
sowie zu einer Stimulierung der Synthese von 6-Keto-PGF1a
und PGF2a
(Biotransformationsprodukt aus Prostacyclin, Indikatoren der
Prostaglandinsynthese in der Niere).
Die
Milch von Wiederkäuern ist eine natürliche CLA-Quelle. Der CLA-Gehalt im
Milchfett kann durch eine geeignete Fütterung oder durch Zugabe von
pansenstabilen CLA-Salzen erhöht werden.
Die
Gruppe der ergogenen Substanzen für Sportler wächst
rasant. Besonders beliebt ist das nicht auf der Dopingliste stehende Kreatin
(α-Methyl-Guanidinessigsäure).
Im
Kraft-Ausdauertraining wurde bei täglicher Einnahme von 18 g
Kreatinmonohydrat für 1 Woche eine Leistungssteigerung von 34,9 % erzielt. Mit
6 g Kreatin/Tag konnte das Leistungsniveau stabilisiert werden. Da die
Supplementierung die Kreatin-Homöostase in Gehirn, Herz, Hoden und
anderen Organen beeinflußt, sollte die minimale individuelle Tagesdosis
ermittelt werden, um noch nicht erforschte Risiken zu minimieren.
Unter
den Zusatzstoffen wurde neben NSP-spaltenden Enzymen die
Wirkungsweise von Phytasen pflanzlichen (Nahrung) und mikrobiellen
(Dickdarm) Ursprungs beleuchtet. Die Kenntnis dieser Vorgänge ist sowohl für
die Optimierung der Phytat-Phosphor-Verdaulichkeit bei Nutztieren als auch zur
Ableitung ernährungsphysiologischer Konsequenzen für den Menschen wichtig. Die
P-Verdaulichkeit beim Schwein erhöhte sich durch
Phytasezusatz im Mittel von 33 % auf 57 % signifikant, wobei die
Proteinverdaulichkeit jedoch nahezu unverändert blieb. Bei Broilern
waren Phytasezusätze zu Mais-Soja-Mischungen weniger effektiv, dagegen erhöhte
bei Legehennen der Zusatz von mikrobieller Phytase zu
Mais-Soja-Rationen (nicht aber zu Weizen-Soja-Rationen) die Legeleistung und
Futterverwertung signifikant. Die Abhängigkeit der Phytase-Wirkung
von der pflanzlichen Basis des Futters wurde auch bei Broilern bestätigt. Außerdem
wird die Aktivität pflanzlicher Phytase durch Hitzebehandlung und Extrudieren
stark vermindert.
Zum
L-Carnitin wurden neue Befunde zur Reproduktionsleistung
von Zuchtsauen mitgeteilt. Die Zulage von 125 mg L-Carnitin pro
Tier und Tag während der Trächtigkeit und 250 mg L-Carnitin pro Tier und Tag während
der Laktation verringerte sich die Anzahl totgeborener und lebensschwacher
Ferkel. Die Ferkel waren bereits zum Geburtszeitpunkt signifikant schwerer und
zeigten während der Säugezeit höhere Lebendmassezunahmen als die Ferkel der
Kontrollsauen.
Relativ
neu ist der Einsatz spezieller Proteine als Leistungsförderer. Der Austausch
von Fischmehl gegen 5 % Plasmaprotein
(AppeteinTM) im
Futter von Ferkeln
während der ersten 2 Wochen nach dem Absetzen verbesserte die Zunahmen
um 9 %, die Futteraufnahme um 6 % und die Futterverwertung
um 3 % im Verlauf eines insgesamt 6wöchigen Fütterungsversuchs. Diese
Effekte wurden durch den nutritiven Einsatz von Fumarsäure (2 % im Futter)
nicht erreicht. Die Kombination von Fumarsäure und Plasmaprotein verbesserte
die Leistungsparameter weniger stark als Plasmaprotein allein.
Der
Nutzen von Pre- und Probiotika wurde in mehreren Vorträgen und
Postern verdeutlicht.
Probiotika
werden in Deutschland seit etwa 25 Jahren zur Unterstützung der Mikroflora im
Verdauungstrakt von landwirtschaftlichen Nutztieren eingesetzt. So verbesserten
Kombinationen von probiotischen Kulturen (Enterococcus
faecium, Lactobacillus acidophilus und
lebende Saccharomyces cerevisiae) mit Fruktooligosacchariden
und Antikörpern die Gesundheit und Leistung von Ferkeln
und Kälbern.
Das
Probiotikum Toyocerin, ein bakterielles Fermentationsprodukt,
das als aktiven Bestandteil lebensfähige Keime von Bacillus cereus toyoi in
versporter Form enthält, bewirkt bei der Aufzucht von Kälbern
unter guten Haltungsbedingungen lediglich in den ersten Lebenswochen positive
Effekte auf Futteraufnahme und Lebendmasseentwicklung.
Der
Zusatz von E. faecium zum Futter für Puten veränderte
die mikrobielle Zusammensetzung der Dünndarmdigesta und förderte die
Ansiedlung besonders von Laktobazillen. Es wurde geschlußfolgert, daß das
Probiotikum im Dünndarm zwar lebensfähig ist, seine Aktivität aber bereits im
Kropf und Magen entfaltet.
In
der Kälberaufzucht gelangen neben Milchsäurebakterien
und Bacillus-Sporen auch Hefezellen zum Einsatz. Während
Futteraufnahme und Zunahme nahezu unbeeinflußt blieben, konnte die Durchfallhäufigkeit
der Kälber durch Hefezellen um
ca. 30 % gesenkt werden.
Hefekulturen können bei älteren Wiederkäuern
die Pansenfermentation optimieren. Hohe Dosen von Saccharomyces
cerevisiae erhöhten die molaren Anteile an Acetat. Die
Anteile an Propionat und Butyrat im Pansensaft sowie die Nährstoffverdaulichkeit
blieben dagegen unbeeinflußt.
Desweiteren
wurden verschiedene Pflanzen bzw. deren Inhaltsstoffe auf hormonelle, immunologische und qualitätsverbessernde Wirkungen
untersucht.
So
reduzierte eine Soja-reiche Ernährung aufgrund der enthaltenen Phytoöstrogene,
besonders des Isoflavons "Genistein",
das Risiko für hormonabhängige Krebsarten,
kardiovaskuläre Erkrankungen und postmenopausalen Knochenverlust
(Osteoporose). In Untersuchungen zeigte die Genstimulation durch Genistein eine
hohe Übereinstimmung mit der von 17b-Östradiol
und Raloxifen.
Verschiedene
Kräutermischungen und ätherische Öle könnten künftig
auch in der Tierernährung als aroma- und appetitanregende Stoffe Einsatz
finden. In ersten Untersuchungen ließen sich Futteraufnahme und Futteraufwand
von Broilern senken.
Sekundäre
Inhaltsstoffe können immunmodulierende
Eigenschaften haben. So wurde in Studien mit Ferkeln durch b-1,3-Glukan
die Aktivität des angeborenen Immunsystem gesteigert. Die aktivsten
Eigenschaften besitzen b-Glukane,
welche neben den b-1,3-Ketten
zusätzlich, über b-1,6-Verzweigungen
verbundene b-1,3-Seitenketten
aufweisen.
Es
wurde darauf verwiesen, daß gemäß der Festlegungen der EU-Kommission die Prüfung
der Sicherheit von neu entwickelten Zusatzsstoffen höchste
Priorität haben muß.
Symposiumsband:
Vitamine
und Zusatzstoffe in der Ernährung von Mensch und Tier : 8. Symposium 26. und
27. September 2001 Jena/Thüringen. Hrsg.: Rainer Schubert;
Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL). - Braunschweig : FAL, 2001;
ISBN 3-933 140-51-X
Bestellung:
Friedrich-Schiller-Universität, Biologisch-Pharmazeutische Fakultät, Institut
für Ernährungswissenschaften, LS Ernährungsphysiologie, Dornburger Straße
24, D-07743 Jena, Germany, Tel.: 03641 949610, Fax: 03641 949612, e-Mail: b6jage@uni-jena.de
Preis:
DM 50,00
nächstes Symposium: 24.-25.09.2003 in Jena
verantwortlich: PD Dr. R. Schubert
Siehe auch 7. Symposium 1997,
9. Symposium 2003
homepage Institut für
Ernährungswissenschaften: http://www.uni-jena.de/biologie/ieu/ew/
Anzahl der Leser seit 25. Oktober 1999: