7. Symposium - Vitamine und Zusatzstoffe

 

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7. Symposium

Vitamine und Zusatzstoffe in der Ernährung von Mensch und Tier

22. und 23. 9. 1999 Jena/Thüringen

Kurzbericht

Veranstalter:

in Zusammenarbeit mit


Das 7. Symposium "Vitamine und Zusatzstoffe in der Ernährung von Mensch und Tier" wurde von den Lehrstühlen Ernährungsphysiologie und Humanernäh­rung des Institutes für Ernährungswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie dem Institut für Tierernährung der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft Braunschweig-Völkenrode in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für angewandte Vitaminforschung zum siebenten Mal durchgeführt. Dieses sowohl von Fachwissenschaftlern als auch von Vertretern der Praxis sehr geschätzte Symposium - der diesjährige Besucherrekord und die 108 gemeldeten bzw. 105 präsentierten wissenschaftlichen Beiträge belegen eindrucksvoll dieses Interesse - fand erstmals 1983 in Leipzig und danach zunächst in 4jährigem sowie seit 1991 in 2jährigem Rhythmus. 

Das 7. Symposium diente vor allem dem Austausch von Forschungsergebnissen zwischen Human- und Tierernährung sowie der Diskussion zwischen den Fachgebieten Medizin, Veterinärmedizin, Ernährungswissenschaft und Agrarwissenschaft. Es war wiederum ein Podium zwischen Wissenschaft, Produzenten und Anwendern, wobei vielen Diplomanden und Nachwuchswissenschaftlern die Chance geboten wurde, eigene Ergebnisse vor sachkundigen Zuhörern zu präsentieren (beispielsweise wurden auf dem diesjährigen Symposium 17 Beiträge von Doktoranden der beiden genannten organisierenden Institute vorgestellt).

Von den insgesamt 108 gemeldeten Beiträgen standen rund die Hälfte direkt oder indirekt im Zusammenhang mit Aspekten der menschlichen Ernährung oder deren Stoffwechselbeziehungen. Das zentrale Interesse galt in diesem Jahr verschiedenen Fragen der Bioverfügbarkeit fett- und wasserlöslicher Vitamine, die für die Beurteilung der Stoffwechselwirkung relevant sind. Breiten Raum nahmen die sekundären Pflanzeninhaltsstoffe von Nicht-Vitamin-Charakter aus Obst und Gemüse ein, die gegenwärtig im Zusammenhang mit der antioxidativen Aktivität von Nahrungsinhaltsstoffen und biologischen Systemen intensiv diskutiert werden. Gegenstand der regen Diskussion waren auch die konjugierten Linolsäuren und die sogenannten Leistungsförderer nutritiven Ursprungs.

Auch die diesjährige Veranstaltung fand eine überaus positive Resonanz bei den insgesamt 193 Tagungsteilneh­mern aus Deutschland (169 Teilnehmer) sowie 13 weiteren Ländern (24 Teilnehmer: Frankreich, Jugoslawien, Lettland, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Russland, Schweden, Schweiz, Slovakei, Tschechien, USA).

Von den insgesamt 105 präsentierten Beiträgen wurden 9 Plenarvorträge in gemeinsamer Sitzung, 36 Kurzvorträge in den Sektionen "Vitamine" (17 Beiträge) und "Zusatzstoffe" (19 Beiträge) sowie 60 Poster (28 in Sektion "Vitamine", 32 in Sektion "Zusatzstoffe") in den Sektionen sowie zu den Rundgängen vorgestellt und diskutiert.

Als thematische Schwerpunkte des Symposiums waren in diesem Jahr hervorzuheben: Analytik, Biochemie und Wirkungsweise von Vitaminen, sekundären Pflanzenstoffen und Zusatzstoffen, Einflußfaktoren auf den Vitamingehalt und die Qualität von Nahrungsmitteln, Auswirkungen des Versorgungsgrades mit Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen auf die Gesundheit und Leistung sowie Wirksamkeit von Zusatzstoffen (Probiotika, Enzyme, andere Leistungsförderer) und deren Einfluß auf die Gesundheit von Mensch und Tier.

Das nächste Symposium ist bereits in Vorbereitung und wird am 26./27.09.2001 in Jena stattfinden (http://www.uni-jena.de/biologie/ieu/vit2001).

 Nachfolgend werden einige allgemein interessierende Aspekte aus der Vielfalt der Beiträge zusammengestellt.

In den Plenarvorträgen wurden neue Aspekte zu Stoffwechselwirkungen von Vitamin C, Carotinoiden, Vitamin D, Phytöstrogenen, Phospholipiden und konjugierten Linolsäuren bei Mensch und Tier sowie zum Einsatz antimikrobieller Zusatzstoffe in der Tierernährung und von ergogenen Substraten in der Sportlerernährung angesprochen.

So wurde am Beispiel normaler und pathologischer Catecholamin-produziernder Zellen die mögliche Beteiligung von Vitamin C an physiologischen, pathophysiologischen und therapeutischen Abläufen (speziell bei verschiedenen Hydroxylierungsreaktionen) gezeigt.

Weiterhin wurde über Lycopin, ein acyclisches Carotinoid ohne Provitamin-A-Wirksamkeit, das nur in wenigen Lebensmitteln wie z. B. Tomaten und Tomatenprodukten vorkommt, berichtet. Es weist unter den natürlichen Antioxidantien die höchste antioxidative Aktivität auf. Diese Eigenschaften machen Lycopin zu einem effektiven protektiven Inhaltsstoff pflanzlicher Lebensmittel gegenüber Herz-Kreislauf-Krankheiten, Katarakt und Krebs. Eine sechswöchige Supplementierung von 5 mg/d ergab, daß es aus verarbeiteten Lebensmittel besser verfügbar ist als aus rohen.

In einem anderen Beitrag wurde aufgezeigt, daß eine Unterversorgung mit Carotinoiden auch das Immunsystem beeinflußt (Verringerung der Lymphozyten- und Killerzell-Bildung sowie Verminderung der Sekretion der Interleukine IL-2 und  IL4). Der Verzehr von Tomatensaft (reich an Lycopin) konnte dieses Veränderungen beheben, andere Gemüsesäfte dagegen nicht.

In einem weiteren Vortrag wurde am Beispiel von Pferden die Regulation der Calciumhomöostase durch die Hormone Calcitriol, PTH und Calcitonin besprochen, die bei vielen Spezies gleich verläuft. Eine Ausnahme stellt allerdings der Vitamin D-unabhängige aktive Transport von Calcium im Darm von Saugferkeln dar, auch das Pferd regelt seinen Calciumhaushalt in anderer Weise als andere Haustierarten. So ist die Calciumkonzentration des Plasmas gesunder Pferde mit 3,0 mmol/l signifikant höher als bei anderen Haustierarten, was in den bedeutend niedrigeren Konzentrationen von Calcidiol und Calcitriol im Plasma begründet sein kann. Es wurde angenommen, daß Vitamin D bei Pferden für die Regulation des Calciumhaushaushalts keine große Bedeutung besitzt.

Für den Menschen bedeutsame Phytöstrogene sind Isoflavone und Lignane, die besonders in Sojabohnen und Leinsamen enthalten sind. Interessanterweise war  der Verzehr von Soja-basierenden Lebensmitteln mit einer geringeren Häufigkeit der Erkrankung an verschiedenen Krebsarten verbunden. Andererseits können hohe Aufnahmen an Phytöstrogenen auch beim Menschen nachteilige Effekte auslösen, wie sie bereits in Form von Fruchtbarkeitsstörungen bei Schafen und Rindern nach Verzehr von isoflavonhaltigen Weidepflanzen und bei Schweinen nach Zearaleneon-kontaminiertem Futter beobachtet wurden. Die Effekte sind allerdings abhängig von Dosis und Dauer der Östrogen-Aufnahme sowie von Geschlecht, Alter und Spezies. Die natürlich vorkommenden Östrogene sollten bei der Risiko-Abschätzung für den Menschen Berücksichtigung finden.

Weiterhin wurde über die Phospholipide als wichtige integrale Bestandteile von Membranen und Lipoproteinen berichtet. Viele Ernährungsfaktoren beeinflussen die  Phospholipide in Geweben und Membranen hinsichtlich des  Fettsäurenmusters und der Verteilung. Besonders das Verhältnis zwischen Phosphatidylcholin und Phosphatidylethanolamin scheint für Mensch und Tier von Bedeutung zu sein. Die vielfältigen Wirkungen der Phospholipide auf Cholesterinspiegel, Fettverdauung sowie prophylaktische Wirkung in der Tumorgenese standen zur Diskussion.

In einem weiteren Vortrag wurde festgestellt, daß die in den letzten Jahren berichteten Wirkungen konjugierter Linolsäuren (z.B. Herabsetzung des Körperfettgehaltes, Erhöhung der fettfreien Körpermasse und Veränderung des Fettsäurenmusters), die bei Nagern teilweise beeindruckend sind, bei Schweinen und besonders beim Menschen nicht so deutlich in Erscheinung treten. Trotzdem wurden einige übereinstimmende Effekte bei den meisten Spezies gefunden, wie Erhöhung aller CLA-Isomeren in den Körper-Lipiden, Beeinflussung der Fettspeicherung, Erhöhung des Anteils an gesättigten Fettsäuren in den Muskel-Lipiden und Fettgeweben, Verminderung der Arachidonsäure-Konzentration in Geweben und damit Beeinflussung des Eicosanoid-Stoffwechsels.

Zum Einsatz von Zusatzstoffen mit antimikrobieller Wirkung in der Tierernährung wurde im nachfolgenden Beitrag hervorgehoben, daß sich die in verschiedenen Bereichen mit unterschiedlichem Ziel eingesetzten Substanzen im gleichen Ökosystem gegenseitig beeinflussen. Deshalb ist auf eine umsichtige Verwendung dieser Substanzen in allen Einsatzgebieten, wie z.B. Medizin, Veterinärmedizin, tierische Ernährung, Pflanzenschutz, zu achten. Antimikrobielle Futterzusatzstoffe sind für die Verbesserung der Effizienz noch immer sehr effektiv, dagegen weisen die meisten alternativ eingesetzten Substanzen eine deutlich geringere Wirkung auf. Bei Verwendung antimikrobieller Additiva in der Tierernährung sind geeignete Messungen des Hygiene- und Ernährungsstatus einzubeziehen, um die Mikroorganismen-Population des Darmtraktes sowie das Immunsystem von Mensch und Tier kontrollieren zu können. Ein Umdenken bei der Erzeugung tierischer Lebensmittel wurde angeregt.

Die Verwendung ergogener Substanzen in der Sportlerernährung war Inhalt des letzten Plenarvortrages und hat u.a. zum Ziel, die Energiereserven zu vergrößern, das Muskelgewebe zu vermehren und sportbedingte Zellschäden zu reparieren. Neben Aminosäuren kommen vor allem L-Carnitin, Coenzym Q 10, Inosin und Kreatin nicht nur Leistungssport sondern auch im Breitensport zum Einsatz. Selbst Nichtsportler möchten ihre Leistungsfähigkeit durch diese Produkte erhöhen. Wissenschaftlich fundierte Belege für eine ergogene Wirkung liegen jedoch nur für wenige Substanzen vor, meist fehlt jeglicher objektive Hintergrund. Subjektive Erfahrungen einzelner Sportler können nicht als Richtschnur für eine generelle Empfehlung herangezogen werden.

Die Kurzvorträge und Poster bezogen sich auf alle oben genannten Schwerpunkte, berücksichtigen aber auch Grenzgebiete von Vitaminen, Zusatzstoffen und sekundären Pflanzenstoffen in Hinblick auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Mensch und Tier. Nachfolgend werden ausgewählte Aspekte angesprochen.

Zur Ermittlung der Verfügbarkeit der natürlich vorkommenden B-Vitamine Thiamin und Folsäure für den Menschen und monogastrische Tiere wurden zwei Techniken der Ileo-Rectal-Anastomose (End-zu-End und End-zu-Seit Technik) bei wachsenden Schweinen vorgestellt. Die Ergebnisse zeigten, daß die praecaecale Verdaulichkeit eine sehr geeignete Methode zur Bestimmung der Verfügbarkeit von natürlich vorkommendem Thiamin und Folsäure darstellt, daß aber nur die Technik der End-zu-End Ileo-Rectal-Anastomose genaue Ergebnisse für die Verfügbarkeit von B-Vitaminen in Lebensmitteln garantiert.

Ein spezielles Versuchsdesign zur Bestimmung der Bioverfügbarkeit von Vitamin B6 nach Verabreichung von angereicherten Lebensmitteln unter Berücksichtigung des zirkadianen Rhythmus der Vitamin B6-Konzentrationen in Plasma und Urin ohne B6-Applikation war geeignet, um aus der Bestimmung vor allem der 4-Pyridoxinsäure in Plasma, Urin und Getränken die relative Bioverfügbarkeit zu berechnen.

In Untersuchungen mit Sauen wurde gefunden, daß die Supplementierung mit Folsäure einen signifikanten Einfluß auf die Höhe der Folsäurekonzentration im Serum (45,85 ng/ml bzw. 61,66 ng/ml; p<0,05) hatte aber nicht auf die Homocysteinkonzentration (Kontrolle 16,94 µmol/l, Versuchsgruppe 15,15 µmol/l). In anderen Untersuchungen führte die Supplementierung des Sauenfutters mit 10 mg Folsäure/kg Futter während Trächtigkeit und Laktation zu keinem eindeutigen Effekt auf die Reproduktionsleistung im Vergleich zu einer unsupplementierten Kontrolle (0,62 mg Folsäure/kg Futter).

Die Analytik sowie die Stabilität verschiedener Derivate des Vitamin-B-Komplexes in Lebensmitteln und Getränken war Gegenstand mehrerer Arbeiten.

Die Ascorbinsäure (AA) aus schwarzem Johannisbeersaft scheint, gemessen an der renalen Exkretion von unveränderter AA, durch die im Fruchtsaft enthaltenen Polyphenole während der Darmpassage beim Menschen nicht zerstört zu werden.

Der Gehalt von AA in Broccoli variiert in Abhängigkeit von den Klimabedingungen, der Sorte und dem Entwicklungsstadium von 90-134 mg/100 g FM, wobei hohe Tagesmitteltemperaturen und hohe Globalstrahlung die Synthese von AA hemmen.

Hohe Vitamin-A-Gaben an Ponies erhöhten den Retinylestergehalt im Serum,  hatten aber keinen Einfluß auf die α-Tocopherol-, Cholesterin-, Triglycerid-, Phospholipid- und Proteinkonzentrationen im Serum und in den Lipoproteinfraktionen.

Die Vitamine A und E können aus den Vormägen von Kühen (mit Pansen- und Duode­nalfistel) nicht absorbiert werden.

Bei Verabreichung von fettreichen (Sojaöl) Rationen an Pferde stieg nach Lecithin-Zulage die Konzentration an Retinol im Plasma signifikant an, nicht aber die an α-Tocopherol und ß-Carotin.

Eine leistungsangepaßte Zufuhr von ß-Carotin führte bei Hochleistungskühen zur signifikanten Reduzierung des Zellzahlgehalts in der Rohmilch sowie zu einer Verbesserung von Besamungsindex und durchschnittlichen Besamungstag.

Hinsichtlich  der  Trächtigkeitsrate nach Erstbesamung der Sauen bzw. der Umrauscherquoten konnte ebenso kein positiver Einfluß der  Carotin­zulage  nachgewiesen  werden. Die Verluste im Saugferkelbereich reduzierten sich nicht. Die in anderen Studien beschriebene carotinbedingte Verbesserung der Gesundheit und Vitalität der Saugferkel war folglich nicht zu bestätigen

Rezessive weiße Kanarien sind im Gegensatz zu den Farb-Kanarien unfähig, Carotin zu verwerten. Auch ihre Retinolverwertung ist gering, so daß für einen üblichen Vitamin A-Gehalt in der Leber eine dreifach höhere Vitamin-A-Aufnahme erforderlich ist.

Die Konzentration an Carotinoiden in Muttermilch sank mit fortschreitender Laktation. Die dabei beobachteten Differenzen in den Carotinoid-Isomeren ließen einen unterschiedlichen Transfer vom Blut in die Milch vermuten.

Kaltgepreßter Saft wies einen höheren Gehalt an Carotinoiden als Saft aus blanchierter Rohware Das Pressen blanchierter Karotten führte dagegen zu höheren Saft- und Carotinoidausbeuten was vermutlich auf die unterschiedlichen Texturen zurückzuführen war.

Die Verfütterung einer erhöhten Dosis von Vitamin E (400 gegenüber 20 ppm α-Tocopherol) an Mastschweine in der Endmastphase erhöht die α-Tocopherolkonzentration im Gewebe und in der Rohwurst, wodurch sich die Oxidationsstabilität verbesserte. Sauerstoffarme Verpackung verbesserte die Farbhaltung der Rohwurst. Der beste Oxidationsschutz für Koteletts und Rohschinken besteht aus einer Kombination von Verpackung im Vakuum, Lagerung bei niedriger Temperatur,  Verkürzung der Lagerdauer sowie Erhöhung des Vitamin-E-Gehalts (Rangfolge der Effizienz).

Durch Zulagen bis zu 120 mg α-Tocopherol/kg Futter im Futter erhöhten sich die α-Tocopherolkonzentrationen im Eidotter hochsignifikant. Die Werte für die TBARS waren bei einem α-Tocopherolgehalt im Eidotter von 225 µg erhöht und bei 84 µg reduziert (p < 0.05). Der Vitamin-E- und/oder Se-Status kann von Hennen offensichtlich "erkannt" werden. Se-defizitäre und Vitamin-E-arm ernährte Hennen zeigten eine signifikante Präferenz für Se-reiches Futter, was sich in einer signifikant höheren Serum-Se-Konzentration manifestierte.

Legehennen, die vom Kükenalter bis zur Legephase bis zu 20.000 mg α-Tocopherylacetat je kg Futter erhielten, lagerten neben α-Tocopherol auch mehr Retinol in Dotter und Lunge ein, dagegen ging der Retinolgehalt im Dotter mit steigendem α-Tocopherolgehalt zurück, was mit einem möglichen prooxidativen Effekt extremer α-Tocopherolmengen erklärt wurde. Bei Geflügel scheinen sehr hohe Vitamin-E-Dosen auch nachteilige Wirkungen auf die Reproduktion zu haben. So führten 20.000 mg α-Tocopherylacetat/kg Futter an Legehennen zu signifikant erniedrigten Schlupfraten (30,7%) im Vergleich zur Kontrollgruppe (74,7%), deren Futtermischung bedarfsdeckende 19 mg α-Tocopherol/kg enthielt. Beim Vergleich mit der Literatur ergaben sich Hinweise auf eine Beeinflussung der Schilddrüsenhormon-Konzentrationen durch Vitamin-E-Überschuß, was möglicherweise durch eine Hemmung der Aktivität der hepatischen 5´-Monodejodase geschieht, welche für die Konversion von T4 zu T3 verantwortlich ist.

Von Sauen werden höhere Vitamin-E-Dosen toleriert. So hatten Gaben von 1 g DL-α-Tocopherylacetat je Tier und Tag keinen Einfluß auf die Reproduktionsleistung im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die 35 mg α-Tocopherol/kg Futter erhielt.

Öle aus einheimischen Ölsaaten können am besten zur Vitamin-E-Versorgung der Deutschen Bevölkerung beitragen. Die Verarbeitung hat nur einen geringen Effekt auf die spezifische Konzentration an Tocopherolen.

Für Frauen zeigte die Erfassung der postmenopausalen Daten, daß sich viele Risikofaktoren für die Entstehung von Atherosklerose offenbar hormonabhängig verändern. Frauen mit niedrigerem Estradiolspiegel wiesen erhöhte Vitamin-E-Konzentrationen auf. Es wurde erwogen, ob nicht in Zukunft alle Postmenopausedaten als Funktion der aktuellen Estradiolkonzentration ausgewertet werden sollten.

Während eines 100-km-Laufes mit geringer Intensität änderten sich bei 60 Freizeit-Sportlern trotz der großen Distanz die Konzentrationen der Vitamine E, B1, B2, und C im Plasma sowie verschiedene funktionelle Statusparameter (ETKA, EGRA und/oder ETK-AC, EGR-AC) nicht. Radsportler, die ein 4,5stündiges Ausdauertraining über eine Distanz von 135 km absolvierten, hatten gegenüber sechs untrainierten Vergleichsprobanden signifikant höhere Konzentrationen an Vitamin A und E sowie an Se im Serum. Die Ausdauerbelastung der Sportler erhöhte die Serum-Konzentration an Vitamin A, C, E und ß-Carotin sowie senkte den Selen- und Glutathionspiegel z.T. signifikant. Die Ausdauerbelastung schien eine „Aktivierung“ des antioxidativen Systems zu bewirken.

Spezifische Daten von Sportlern können mit einem computergestützten Programm („Ernährungs-Check“) ausgewertet werden, so daß der Sportler nicht nur eine Zusammenstellung anthropometrischer Daten und seines Ernährungsverhaltens, sondern auch sportartspezifische Ernährungshinweise und einen Ernährungsplan mit Austauschmöglichkeiten erhalten kann.

Die Gegenüberstellung von Vitaminversorgung (aus Materialbilanzen oder Erhebungen berechnet) und Ernährungsempfehlungen ergab außer für Folsäure fast immer einen ausreichenden bis sehr guten Versorgungsstand. Die Versorgung mit Vitamin E stieg in den letzten 7 Jahren leicht an, dagegen sank die Vitamin B12-Aufnahme geringfügig. Die Vitamindichte je 1000 kcal müßte bei den meisten Vitaminen erhöht werden. Basierend auf den Daten der dritten Querschnittsstudie 1994/95 des WHO MONICA Projektes und deren Follow-up 1997/98 in der Studienregion Augsburg hat der Anteil an Einnehmern von Präparaten zur Nahrungsergänzung (besonders Selen, ß-Carotin und Folsäure) deutlich zugenommen.

Basierend auf einem Untersuchungszeitraum von 4 Wochen wurde festgestellt, daß in Kindertagesstätten Neubrandenburgs (Mecklenburg-Vorpommern) mit Fern- und Mischküche die Versorgung mit Energie, Protein, Fett, Kohlenhydraten sowie mit verschiedenen Vitaminen und Mineralstoffen nicht ausreichend war. Zur Optimierung der Versorgung wurde ein Qualitäts­sicherungskonzept entwickelt.

Hinsichtlich sekundärer Pflanzeninhaltsstoffe wurde gezeigt, daß Menschen bemerkenswerte Mengen von Anthocyanen aus schwarzen Johannisbeere und Holunderbeeren als unmodifizierte Glycoside absorbieren und ausscheiden können, was für biologische Wirkungen Bedeutung haben kann. Diesbezüglich wurden auch neue Analysenmethoden und Methoden zur Stabiltiätsprüfung vorgestellt. Die höchste Stabilität unter den analysierten Anthocyanen wies Saft von schwarzen Johannisbeeren auf.

Grüner Tee ist eine reiche Quelle von antioxidativen Polyphenolen, wobei aber die Gesamtphenolgehalte, antioxidative Aktivität und Catechingehalte vom ersten bis fünften Aufguß um ca. 80 % sinken.

Im Rotwein und in verschiedenen Fruchtsäften unterliegen die Gesamtphenolgehalte und die antioxidative Kapazität deutlichen getränkesortenspezifischen Schwankungen. Die untersuchten Rotweine und  Säfte hemmten die kupferinduzierte LDL-Oxidation und verlängern die Lag-Phase der Reaktion in vitro.

Unter den Zusatzstoffen wurde dem Carnitin größere Aufmerksamkeit geschenkt. Bei Kühen wurden vor der Geburt wesentlich höhere Carnitin-Konzentrationen im Blut bestimmt als nach der Geburt. Kühe, die schon vor der Geburt im Energiedefizit waren, hatten bereits in den ersten Wochen nach der Geburt Anzeichen für eine unzureichende Carnitinversorgung. Acylcarnitin wies sensibel Belastungen des Energiestoffwechsels aus. Wiederkäuer können supplementiertes Carnitin erst postruminal absorbieren, wie an Schafen gezeigt wurde.

Bei Absetzferkeln erbrachte der Zusatz von 50 mg L-Carnitin je kg Futter in 35 Tagen keine Leistungsverbesserung.

Bei ausgewachsenen Ratten, die eine hyperlipidämische Diät erhielten, wurden keine Effekte auf den Lipid-Stoffwechsel durch L-Carnitin-Supplementation (500 mg/kg Futter) beobachtet. Die essentiellen Funktionen im Metabolismus wurden bereits durch intermediär synthetisiertes Carnitins gewährleistet.

Großes Interesse galt auch den konjugierten Fettsäuren (CLA). In einer placebo-kontrollierten Studie mit 30 Studenten bei reglementierten Kraftraining erbrachte die tägliche Substitution mit 12 g CLA eine Verbesserung in der Maximalkrafttests und ein Absinken des Serum-Cholesterin-Spiegels. Körpergewicht, aktive Körpermasse und Kaliperimetrie-Ergebnisse blieben unbeeinflußt. In einer anderen placebo-kontrollierten 6-Monate-Studie mit 21 Kraftsportlern führte dagegen die Einnahme von täglich 7 g CLA gegenüber Placebo-Öl zu keiner eindeutigen Beeinflussung der Körperzusammensetzung und Muskelkraft.

Bei Schweinen im Abschnitt 23,5 bis 114 kg führte die Gabe von Rationen mit 2 % CLA-Öl (Gesamt-CLA: 54,2%) gegenüber 2 % Pflanzenöl (Kontrolle) zu keiner Leistungsverbesserung aber der Muskelfleischanteil war mit  58,7 % in der CLA-Gruppe signifikant besser als in der Kontrollgruppe (57,2 %), die Rückenspeckdicke war tendentiell geringer.

Der CLA-Gehalt im Kuhmilchfett kann zwar durch CLA-Zusatz zum Futter erhöht werden, aber absorbierte CLA oder deren Derivate (konjugierte C20-Metabolite) inhibieren die Fettsynthese in der Milchdrüse, so daß der Milchfettgehalt sinkt.

Unter den Leistungsförderern wurden zu Probiotika, Antibiotika und Enzymen neue Ergebnisse vorgestellt. Der Zusatz des Probiotikums "109 B. cereus toyoi" Sporen/kg im Sauenfutter 14 Tage vor dem Abferkeln, im Ergänzungsfutter für Saugferkel und im Aufzuchtfutter bewirkte bei in vitro Ansätzen aus Digestaproben von Saugferkeln eine geringere Wachstumskapazität der Enterobakterien. Milchsäurebakterien zeigten in der Säugeperiode und zum Zeitpunkt des Absetzens ein höheres Wachstumsvermögen, während Enterokokken eine Woche nach Ergänzungsfutteraufnahme eine geringere Wachstumskapazität aufwiesen.

Bei Kälbern (Beginn mit 45 kg Lebendmasse) führten Milchsäurebakterien, ein sporenbildendes Bakterium sowie Hefekulturen zu keinen Verbesserungen der geprüften Leistungsmerkmale. In anderen Untersuchungen mit Kälbern erbrachte das Probioti­kums ToyoCerin (B. toyoi; 1 x 109 KBE/kg Futter) gegenüber unbe­handelten Kälbern bei unbeeinflußter Futterauf­nahme eine signifikant gesteigerte Zunahme (6 %) sowie eine tendentielle Senkung der Durchfallhäufigkeit in den ersten 56 Lebenstagen (um 12 %).

Bei Broilern verbesserten 50 bzw. 100 mg Toyocerin 1010/kg Broilerstarter- bzw. Broilermastfutters Schlachtmasse und Futteraufwand z.T. signifikant und senkten die Verlustrate. Toyocerin ist eine Alternative für herkömmliche Leistungsförderer.

Das Enzym Endo-1,4b-Xylanase allein oder kombiniert mit dem Antibiotikum Flavophospholipol hatte bei Legehennen keinen Einfluß auf die Leistungs- und Eiqualitätsparameter, die Verdaulichkeit von Rohnährstoffen und die Darmflora. Pathogenitätsfaktoren für Salmonella sp. konnten mittels PCR Technik in keiner Gruppe nachgewiesen werden. Der Nachweis des Betatoxin-Gens von Cl. perfringens, Typ C, gelang in nahezu allen geprüften DNA-Extrakten, am häufigsten jedoch in der Flavophospholipol-Gruppe.

Bei Schweinen bewirkte die Gabe eines Antibiotikums (40 mg Avilamycin je kg Futter) allein bzw. in Kombination mit einem Enzym (4000 U endo-1,4-b-Xylanase) eine Abnahme der gram-positiven Keimzahlen (Laktobazillen, Enterokokken). Die Xylanase allein hatte keinen signifikanten Einfluss auf die Darmflora. Die mikrobiellen Metaboliten NH3 und VFA wurden durch die Zusatzstoffe nicht gerichtet beeinflusst.

Der Zusatz des Enzymkomplexes ZY 38 (Energex) zu Broilerstarter- und Mastfutter mit 20 % Erbsen verbesserte die Körpermasse um 2,5 % und den Futteraufwand um 1,7 %. Der Einsatz wäre damit ökonomisch und ökologisch sinnvoll. Die Supplementation der verwendeten Enzymkomplexe zu leinhaltigen Rationen an adulte Legehennen ergab keine Vorteile.

Der Zusatz des Enzyms Xylanase zu Rationen auf Roggen/Weizen-Basis für Broiler bewirkte eine Verminderung der gallensäureresistenten Mikroflora, woraus sich möglicherweise positive Effekte auf die Fettresorption durch ein Reduzierung derjenigen Mikroflora, die Gallensäuren dekonjugiert, und dadurch eine bessere Fettverdaulichkeit erklären lassen.

Der Einsatz des Detoxifikationsmittels "Mycofix® Plus" bei männlichen Broilern, die mit Fusarientoxinen (21,2 mg/kg DON) belasteten Weizen erhielten, wirkte sich nachteilig auf die Leistungsparameter aus.

In einer Interventionsstudie mit zehn Frauen im Alter von 23 bis 29 Jahren bewirkte eine erhöhte Zufuhr an Phosphat (3,0 g P/d) zeitweilig Magen- und Darmbeschwerden. Die Serumwerte verschiedener Mengen- und Spurenelemente blieben im Versuchszeitraum nahezu konstant, es wurde keine Hyperphosphatämie beobachtet.

Symposiumsband:

Schubert, R.; Flachowsky, G.; Bitsch, R.; Jahreis, G. (Hrsg.): 7. Symposium "Vitamine und Zusatzstoffe in der Ernährung von Mensch und Tier", 23.-24.09.1999, Jena/Thüringen; Gebr. Frank KG Graphischer Betrieb, Gera 1999, 538 Seiten (ISBN 393480500-0)

Bestellung: Friedrich-Schiller-Universität, Biologisch-Pharmazeutische Fakultät, Institut für Ernährungswissenschaften, LS Ernährungsphysiologie, Dornburger Straße 24, D-07743 Jena, Germany, Tel.: 03641 949610, Fax: 03641 949612, e-Mail: b6jage@uni-jena.de

Preis: DM 50,00

  

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b) MS-WORD 6.0


 
 


verantwortlich: PD Dr. R. Schubert

Siehe auch 6. Symposium 1997, 8. Symposium 2001, 9. Symposium 2003

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