Geobotanik

 
   

Floristik und Vegetationskunde

Die Diversität der Pflanzen lässt sich nicht verstehen, ohne auf den Anpassungswert der Merkmale und die Einbettung der Arten in Ökosysteme einzugehen. Außer aktuell wirkenden Standortfaktoren wie Klima, Konkurrenz, Nährstoffversorgung etc. sind es auch historische Faktoren wie die Geschichte der Landnutzung, die die Pflanzenverbreitung und Ausbildung von Pflanzengesell­schaften bestimmen.

Seit vielen Jahren pflegen wir die Bearbeitung der Flora Thüringens. So konnten wir in den letzten Jahren einen Florenatlas und eine Flora Thüringens herausgeben. Diese Daten erlauben auch eine Bewertung der Dynamik in der Pflanzenverbreitung. Dies ist auch vor dem Hintergrund des Klimawandels von Interesse. Auch in anderen Weltgegenden beteiligen wir uns an der Inventarisierung der pflanzlichen Biodiversität.

Weiter interessieren uns Standorte mit besonderen Herausforderungen für Pflanzen wie natürliche und anthropogene salz- und metallbelastete Standorte.

 Aktuelle Forschungsfelder und laufende Projekte

  • Flora und Vegetation metallhaltiger Standorte in Mitteleuropa: Diversität, genetische Differenzierung und Schutz

  • Ausbreitung von Halophyten auf sekundären Standorten in Mitteldeutschland

  • Natürliche Sukzession und Renaturierung in Bergbaufolgelandschaften

  • Sukzession auf Kupferschieferhalden

  • Langzeitbeobachtung der Sukzession im Naturschutzgebiet „Leutratal“

  • Beiträge zur Flora von Ecuador, Chile und Kuba

  • Verbreitung von Arten der Roten Liste in Teilgebieten Thüringens

  • Untersuchungen zur Moosflora Mitteldeutschlands (http://www.zentralstelle-deutschland.de/)

  • Moosflora im Zeitzer Forst

  • Verbreitung ausgewählter Laub- und Lebermoose in Teilen Thüringens

  • Ausbreitung von Tortula latifolia im Saaletal

  • Bryoflora Georgiens und Kaukasiens

  • Wiederbesiedlung mit SO2 empfindlichen Rindenmoosen in Tälern Ostthüringens

 Abgeschlossene Projekte

  • Floristische Kartierung der Farn- und Blütenpflanzen in Thüringen
  • Erarbeitung einer neuen Flora von Thüringen

 Vegetationsentwicklung und Gefährdungsanalyse ausgewählter Pflanzenarten

 Die Gefährdung vieler Farn- und Blütenpflanzenarten durch Zerstörung oder Beeinträchtigung ihrer Standorte aber auch durch veränderte Landnutzung ist trotz eines wachsenden Problembewusstseins nach wie vor ein drängendes Problem. So gelten derzeit etwa 30 % der Arten der Flora Deutschlands als gefährdet. In Zusammenarbeit mit Naturschutzbehörden haben wir in mehreren Studien ausgewählte Pflanzenarten Mitteleuropas hinsichtlich ihrer Überlebensfähigkeit, ihrer genetischen Konstitution und reproduktiven Fitness analysiert und Möglichkeiten zu mittel- und langfristigem Erhalt der Populationen diskutiert.

 Folgende Arten wurden bzw. werden betrachtet:

 -Armeria maritima ssp. halleri var. hornburgensis und var. bottendorfensis (Hornburger und Bottendorfer
              Grasnelke)

-Clematis recta (Aufrechte Waldrebe)

            -Cornus mas (Kornelkirsche)

-Dianthus seguieri (Busch-Nelke)

-Marrubium peregrinum (Wander-Andorn)

            -Helianthemum apenninum (Apenninen-Sonnenröschen)

            -Peucedanum alsaticum (Elsässer Haarstrang)

            -Quercus pubescens (Flaum-Eiche)

            -Rhinanthus rumelicus (Drüsiger Klappertopf)

 

 Landnutzungssysteme und pflanzliche Biodiversität

 Die pflanzliche Vielfalt in Mitteleuropa ist Ergebnis von natürlichen Entwicklungen und der Landnutzung durch den Menschen. Das Verständnis von Mustern und Veränderungen, die sich aus dem Wechselspiel dieser Einflüsse ergeben, ist eine Voraussetzung für die Interpretation von Verbreitungsmustern und  mikroevolutionären Prozessen sowie für effektiven Naturschutz.

In mehreren Projekten erforschen wir die historische Entstehung der heimischen Pflanzenvielfalt. Außerdem beschäftigt uns die Frage, wie auch in Zukunft die Biodiversität heimischer Lebensräume erhalten werden kann, wenn sich die Landnutzung durch den Anbau von industriell genutzten Pflanzen, z. B. „Energiepflanzen“, tiefgreifend verändert.

 Aktuelle Forschungsfelder und laufende Projekte

 Historische Landnutzungssysteme und pflanzliche Biodiversität

  • Korrelation unterschiedlicher Raumeinheiten mit der Verbreitung von Pflanzenarten: Siedlungsräume, historische Landnutzungssysteme, Kulturlandschaftseinheiten, etc.
  • Einfluss historischer Landnutzungssysteme auf Chorologie und Sippenbildung: Prozesse, Ereignisse, Wechsel- wirkungen
    • (Hornungia petraea, Astragalus danicus, Himantoglossum hircinum)
  • Definition, Abgrenzung und Klassifikation von Landnutzungssystemen unter botanisch-ökologischen Gesichtspunkten
  • Ableitung von Bewertungskriterien und Artenschutzmaßnahmen für den Naturschutz

 Aktuelle und künftige Landnutzungssysteme und pflanzliche Biodiversität

·         Analyse und Bewertung der Phytodiversitätspotentiale von Standorten, deren Umgebung und Anbaukulturen: Realisierung des Teilprojektes „Landnutzungssysteme und pflanzliche Biodiversität“ im Forschungsverbund ELKE III („Extensive Landnutzungskonzepte als mögliche Kompensationsleistung in der Eingriffsregelung“)

·         Ableitung potentieller Begleitarten für neuartige Anbaukulturen der NaWaRos (Nachwachsenden Rohstoffe) inkl. des Energiepflanzenanbaus aus den pflanzlichen Biodiversitätspotentialen: Federführung im Projekt INA („Implementierung zusätzlicher Biodiversitätsleistungen in den NaWaRo-Anbau“; Antragsvorbereitung)

·         Beitrag zum Verbundprojekt Aqua@diva (Proexzellenzinitiative Thüringen): Wie gelangen Informationen über die pflanzliche Biodiversität in tiefer Bodenschichten und ins Grundwasser? – Entwicklung von DNA-basierten Bestimmungsverfahren für Wurzeln

 Bodensamenbanken

·         Entwicklung einer Methodik zur Analyse und Bewertung von Bodensamenbanken / Diasporenbanken für die Standortbewertung sowie die naturschutzrechtliche und baugesetzliche Eingriffsbewertung

·         Rekonstruktion historischer Landnutzungssysteme aus der Bodensamenbank

·         Beitrag der Bodensamenbanken zur inter- und intraspezifischen Biodiversität

·         Revitalisierung von Bodensamenbanken, insbesondere auf wasserbeeinflussten Standorten: Revitalisierung der Samenbank in Teichböden im Dreba-Plothener Teichgebiet

 

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