Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800
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Forschungskonzept
Das Ereignis Weimar-Jena
Der SFB 482 widmet sich jener Konstellation, die bis heute mit Zuschreibungen wie „Weimarer Klassik“, „Jenaer Frühromantik“ oder „Deutscher Idealismus“ verbunden ist.
Er tut dies aus historischer, ästhetischer und wissenschaftsgeschichtlicher Perspektive und bietet mit dem Leitbegriff „Ereignis Weimar-Jena“ einen transdisziplinären und innovativen Zugriff

(l.) Anna Amalia (von J.G. Ziesenis, 1773) / (r.) Großherzog Carl August
auf eine herausragende historische Konfiguration, der von der nationalen und internationalen Forschung inzwischen rezipiert und diskutiert wird. Inhaltlich verweist der Ereignis-Begriff auf die Besonderheiten der Residenzstadt Weimar und der Universitätsstadt Jena. Methodisch bezeichnet er die Schnittstelle, an der die verschiedenen fachspezifischen Zugangsweisen in eine Gesamtsicht der komplexen Konstellation überführt werden.

Was in der zu einem kulturell-ästhetischen Zentrum stilisierten „Doppelstadt“ Weimar-Jena gedacht und geschaffen, entwickelt und verfasst wurde, beeindruckte bereits die Zeitgenossen. Die Protagonisten des Ereignisses, vor allem natürlich Wieland, Herder, Goethe und Schiller aber auch kritische Philosophen wie Fichte, Schelling und Hegel und Wissenschaftler wie Ritter und Döbereiner fanden in der Weimar-Jenaer Provinz die Verhältnisse vor,

(l.) Friedrich von Schiller (von A. Graff,1794/95) / (r.) Johann Wolfgang von Goethe (von J.K. Stieler, 1828)
die ihnen für ihre Anliegen vorteilhaft erschienen. An erster Stelle stand dabei der intensive und freimütige, von der Herrschaft nur selten behinderte intellektuelle Austausch. Im Ereignisraum lässt sich eine Kommunikationsverdichtung feststellen, die eine wichtige Voraussetzung dafür bildete, dass sich hier für etwa ein halbes Jahrhundert ein herausragendes kulturelles Zentrum entwickeln konnte. Die dichten persönlichen Netzwerke der Akteure waren eingebettet in ein breit gefächertes Netz sozialer und ökonomischer Beziehungen, die sich noch heute in zahlreichen großen Briefsammlungen der Dichter und Denker, aber auch ihrer Frauen, vieler „Privatpersonen“ und vor allem der Verleger wieder finden. Sie spiegeln ein Kommunikations- und Wissensbedürfnis, das auch durch die Lektüre der massenhaft verbreiteten, zu gewichtigen Teilen im Ereignisraum entstandenen Fachbücher und Zeitschriften gestillt wurde.

(l.) Johann Gottfried Herder (von F. Rehberg, 1784) / (r.) Christoph Martin Wieland (von F.C.C. Jagemann, 1805)


Im Ereignis Weimar-Jena – so eine Ausgangsthese, die nun als zentrales Ergebnis der bisherigen Forschungen des SFB anzusehen ist – kulminierte die Aufklärung, weil hier deren Grundgedanken zusammengeführt und begründet, zum Teil neu formuliert und experimentell in die soziale und wissenschaftliche Praxis überführt wurden. Durch die vom SFB geleistete präzise Beschreibung von Netzwerken und Diskussionszirkeln, den hier entstandenen Weltbildern, Weltdeutungen sowie selbstreflexiven Wissenschaften und Künsten ist jetzt die Vergleichbarkeit mit anderen – im Kontext der Aufklärungsforschung bereits bearbeiteten – Orten möglich.

Weitere Informationen zu den Forschungszielen des SFB 482 finden Sie hier (PDF-Dokument)

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