Das Teilprojekt B2 untersucht die kirchenamtliche Struktur des Ereignisraums um 1800. Es verbindet personenspezifische mit institutionellen Fragen. Im Zentrum der Forschung stehen die Organisation, Ausbildung und Praxis von Theologen in den zentralen Wirkungsfeldern (Kirche, Schule, Universität). Als Ausgangspunkt wurde während der ersten Antragsphase des Teilprojektes (2001-2004) der oberste kirchliche Repräsentant des Fürstentums, Johann Gottfried Herder, gewählt. Über fast drei Jahrzehnte (1776-1803) stand er als Generalsuperintendent der Landeskirche vor. Nach dessen kirchenleitender Tätigkeit rückte die Predigtpraxis in den Vordergrund der Untersuchung. Die zweite Antragsphase (2004-2007) geht darin ebenfalls von Herder aus und kontextualisiert dessen Predigten innerhalb des Ereignisraums. zurück >>
Forschungsziele Die Verbindung der beiden Pole während der bisherigen Antragsphasen, dem kirchen-
leitendes Amt einerseits und der Predigt anderseits, zielt auf ein Gesamtbild der kirchenamtlichen Struktur eines lutherischen Kleinstaates. Neben kirchenstatistischen Erhebungen für das gesamte Fürstentum und amtsstrukturellen Untersuchungen zu den oberen kirchlichen Leitungsinstanzen wird die Frage nach inhaltlichen Vermittlungs-
prozessen in unterschiedliche soziale Kontexte gestellt.
Herders kirchenleitende Tätigkeit Für die kirchenleitende Tätigkeit des Generalsuperintendenten ließen sich unterschiedliche Amtsvollzüge ihren jeweiligen lokalen, regionalen und territorialen Bezügen unterscheiden. Zugleich wurde, deutlicher als in der Herder-Biografik bislang üblich, nach initiativen, reaktiven und administrativen Vorgängen gefragt. In dem Predigtamt wurde ein Bereich der amtlich-institutionellen Praxis gefunden, der sowohl inhaltliche Querverbindungen zu Herders Publizistik eröffnet, als auch strukturelle Vergleich innerhalb und außerhalb des Ereignisraums erlaubt.
Predigtamt im Ereignisraum Die Kontextualisierung der Herderschen Predigten bezieht sich innerhalb des Fürstentums auf die zweite große Stadtkirche, Jena, und hinterfragt die Doppelpoligkeit des Ereignisraums mit den prägenden Institution der Universität hier, dem Hof dort. Exemplarische Predigtanalysen des Weimarer Amtsnachfolgers, Röhr, zielen auf die Bestimmung lokaler bzw. epochaler Zeitspezifiken. Für Jena bietet die Person Marezolls die Möglichkeit, die institutionellen Bezüge zwischen der Universität beziehungsweise ihrer theologischen Fakultät und der städtischen Gemeinde in den Vordergrund treten zu lassen.
Ausblick Innerhalb des SFB konnte B2 an den materialen Vorarbeiten besonders der historischen Teilprojekte A1 und A2 anknüpfen und seinerseits einen Beitrag zur Erforschung der kircheninstitutionellen Struktur des Fürstentums leisten. Die Intensität der institutionengeschichtlichen und inhaltlichen Ergebnisse ist für die Zeit um 1800 weithin singulär. Zugleich ist sie anschlussfähig auf die neuerlich intensivierte kirchen- und theologiegeschichtliche Erforschung der Zeit um 1800.