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Erziehungswissenschaften in Jena
Das Jenaer Institut für Erziehungswissenschaften gehört zu den ältesten Stätten pädagogischer
Ausbildung und Forschung. Seine Wurzeln reichen bis in das 16. Jahrhundert zurück, in dem mit der Gründung des
'Akademischen Gymnasiums' (1548) bzw. der 'Hohen Schule' (1558) zur Ausbildung von Theologen und (Lateinschul-) Lehrern
pädagogisches Denken belegbar ist. Ende des 17. Jahrhunderts schuf Weigel in der Saalestadt die Voraussetzungen für das
Regelschulwesen. Die von ihm errichtete 'Kunst- und Tugendschule' (1689), Versuchsschule und pädagogisches Seminar zugleich,
gab ein Beispiel für diesen neuartigen Schultypus. Auch die philanthropische Erziehungsreform des 18. Jahrhunderts erhielt hier entscheidende Anstöße.
Untrennbar verbunden mit Jena und seinem Einfluss auf die deutsche und europäische Bildungswelt sind auch
Goethe und Schiller, dann Fichte, Hegel und Schelling. Die von ihnen für Literatur und Philosophie entworfenen Vorstellungen
hatten unmittelbaren Einfluss etwa auf Herbart und Fröbel.
An der Universiät wurde bereits in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts ein eigenes pädagogisches
Seminar durch Brzoska angedacht. Stoy und Rein, bedeutende Vertreter der für die Ausbildung der Lehrer des 19. Jahrhunderts
maßgebenden Richtung des Herbartianismus', bestimmten das Denken von Generationen pädagogischer Praktiker und Theoretiker
und förderten zugleich eine vielfältige Bildungs- und Erziehungslandschaft.
Das Institut genoss Anfang des 20. Jahrhunderts, auch durch seine Initiativen in der Erwachsenenbildung, der
wissenschaftlichen Weiterbildung und der Sozialpädagogik, weltweite Achtung. Es entwickelte sich zu einem Zentrum der
internationalen pädagogischen Reformbewegung. W. Flitner und H. Nohl, einflussreiche Vertreter der geisteswissenschaftlichen
Pädagogik, wirkten an dem Institut.
W. Flitner griff u.a. in seinen Schriften die von Rein in Jena begründete Tradition der Erwachsenenbildung auf
und entwickelte sie fort. Peter Petersen konzipierte für die Universitätsübungsschule den sogenannten 'Jena-Plan',
dem heute mit großem Erfolg im Ausland 'Jena-Plan-Schüler' folgen. Petersen gab der Reformpädagogik
eine eigene Prägung. Er wandte sich von der geisteswissenschaftlichen Pädagogik ab und betrieb 'pädagogische
Tatsachenforschung' als Versuch, empirische und hermeneutische Forschungsverfahren zu verbinden.
Neben Petersen wurden im Jahr 1923 auch zwei Frauen an die Universität Jena berufen: Mathilde
Vaerting übernahm einen zweiten Lehrstuhl für Pädagogik und wurde damit erste ordentliche Professorin der
Erziehungswissenschaft und zweite Professorin überhaupt in Deutschland; gleichzeitig wurde Anna Siemsen zur Honorarprofessorin ernannt.
Die Brüche und Spannungen des Nationalsozialismus und der kommunistischen Herrschaft ließen die
Pädagogik in Jena nicht unberührt; das Institut wurde politisch in Anspruch genommen. Nach der Abwicklung der Sektion
Erziehungswissenschaften im Jahre 1990 haben zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem ganzen Bundesgebiet
durch ihre Mitarbeit erziehungswissenschaftliche Forschung und Lehre an der Jenaer Universität unterstützt. Die Leitung des
Instituts lag von 1990 bis 1992 bei Prof. Dr. Andreas Flitner (Universität Tübingen und Honorarprofessor an der
Universität Jena) und bei Prof. Dr. Günther Scholz. Das Institut für Erziehungswissenschaften wurde offiziell am
08.11.1993 gegründet unter Leitung von Prof. Dr. habil. Peter Fauser als Direktor und Prof. Dr. Dr. habil. Michael Winkler
als stellvertretendem Direktor. Die weiteren Direktoren des Instituts sind:
- Frau Prof. Dr. habil. Martha Friedenthal-Haase (von Januar 1994 bis März 1996)
- Herr Prof. Dr. habil. Will Lütgert (April 1996 bis März 1998)
- Herr Prof. Dr. habil. Ewald Johannes Brunner (April 1998 bis März 2000)
- Herr Prof. Dr. Dr. habil. Michael Winkler (April 2000 bis März 2002)
- Herr Prof. Dr. Dr. habil. Ralf Koerrenz (von April 2002 bis März 2004),
- Herr Prof. Dr. Dr. habil. Michael Winkler (von April 2004 bis Januar 2005)
- Herr Prof. Dr. habil. Ewald Johannes Brunner (Januar 2005 bis März 2007)
- Herr Prof. Dr. habil. Roland Merten (von April 2007 bis März 2009) und
- Frau Prof. Dr. habil. Michaela Gläser-Zikuda (von April 2009 bis Mai 2012)
- Herr Prof. Dr. Andreas Frey (seit Juni 2012)
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