Die Pädagogen


Peter Petersen:
Pädagogisches Wirken, Gedankengut und Jena-Plan

Eine der historischen Leistungen von Peter Petersen liegt darin, dass er sich bemühte, die Pädagogik als (weitgehend) eigenständige und autonome Wissenschaft zu etablieren und sie theoretisch zu begründen. Die Erziehungswissenschaft von Petersen ist dennoch von vielen Richtungen beeinflusst. Um die Autonomie der Erziehungswissenschaft zu begründen, zieht Petersen den Aspekt heran, dass sie einen eigenen Gegenstandsbereich, und zwar den der Erziehung, betrachtet. Da sie aber eine Wirklichkeitswissenschaft ist, welche sich den Erkenntnisse der Nachbarwissenschaften bedient, um eigene Fragestellungen zu beantworten, bezeichnet er sie nur als "relativ" eigenständig.

Die Aufgaben der Erziehungswissenschaft sieht Petersen darin, dass sie die Erziehungsrealität als Ganzes innerhalb der Gesellschaft wissenschaftlich beschreibt, ordnet und ihren Sinnbezug aufzeigt. Für Petersen ist Erziehung etwas, was auf philosophische antworten zielt. Erziehung ist für Petersen sehr umfassend betrachtet eine genuine Funktion des Menschseins, die ihn durch das gesamte Leben begleitet. Erziehung dient aber im speziellen Sinne des absichtsvollen, geplanten und zielgerichteten Intervention der Charakterformung von Jüngeren durch Erwachsene, aber ohne zu indoktrinieren. Die Erwachsenen erziehen nach christlichen Vorbild.

Erziehung ist das Besondere und Sonderbare des Menschseins, was ihn von anderen Lebewesen unterscheidet und die besondere Stellung des Menschseins offenbart. Zu dem Besonderen am Menschsein zählt Petersen Güte, Liebe, Treue, Demut, Sich-Sorgen, Dienst, Kameradschaft, echtes Mitleid, Leid, Andacht, Ehrfurcht etc. Er bezeichnet dies die Vergeistigung, die sich im selbsttätigen Handeln des Kindes, aber auch des Erwachsenen, von innen heraus vollzieht, und meint damit im Kontext der Gemeinschaft bzw. der sittlichen Tugenden eine Humanisierung des Menschen. Dies stellt für Petersen das Wesen und das Ziel von Erziehung dar.

Bildung setzt Petersen nicht mit Erziehung gleich. Bildung bedeutet für ihn die Vermittlung von Wissen, das darüber hinaus ein natürlicher Lebensvorgang ist und sich im Rahmen des Unterrichts vollziehen kann. Erziehung hingegen zielt vielmehr auf den ganzen Menschen, auf die Persönlichkeit ab. Als ein Gemeinschaftsprozess, der auf Sittlichkeit zielt und vielmehr unbeabsichtigt und abgesehen in pädagogischen Situationen unbewusst abläuft.

Jena-Plan

Die Zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts waren geprägt von viele Reformen u.a. im schulischen Bereich. Petersen ist stark von der Wandervogel-Bewegung und den Landerziehungsheimen beeinflusst, daher basiert seine Lernmethode auf der Gemeinschaft der Lernenden.

Er fasst in der sogenannten „Lebensgemeinschaftsschule“ je drei Jahrgänge zu Stammgruppen zusammen: Durch das Bildungsgefälle sollte die Zusammenarbeit der Schüler untereinander gefördert werden. Der Grund war klar, denn ca. 50 % aller Schüler scheiterten 1-2mal während iher Schulpflichtzeit. Petersen sah ein Wochenarbeitsplan anstelle eines „Fetzenstundenplans“ für geeigneter.

Dieser Wochenarbeitsplan beruht auf den Urformen der Bildung:
- Gespräch
- Arbeit
- Spiel
- Feier

Alle diese Punkte sind im Wochenablauf und Schuljahr verankert. Im Fordergrund steht die Selbstbeurteilung der Schüler und die Beurteilung durch Mitschüler. In diesem Schulalltag sind auch die Eltern sehr stark integriert.

Petersens Rolle während der Nazizeit ist umstritten, da Jena-Plan als gemeinschaftsorientiertes Schulmodell gut in die völkische Erziehungsideologie passte („Du bist nichts, dein Volk ist alles“).

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