Die Pädagogen

 

Karl Volkmar Stoy (1815-1885)

Karl Volkmar Stoy wurde am 22. Januar 1815 in Pegau geboren. Er studierte Theologie, Philologie, Philosophie in Leipzig. Als Pädagoge war er einer der bedeutendsten Vertreter des Herbartianismus, sein zentrales Anliegen war die pädagogische Praxis zu verbessern.1839-1842 arbeitete als Lehrer an einer privaten Anstalt in Weinheim und ging im Oktober 1842 nach Jena. Dort übernahm er die private Knabenerziehungsanstalt, welche derzeit aus Alumnat/Internat, Elementarschule, Realschulzweig und Gymnasialzweig bestand.

Ende 1844 richtete er das pädagogische Seminar (Bildungseinrichtung) mit angeschlossener Übungsschule ein, das theoretische und praktische Lehrerausbildung miteinander verband. Er realisierte eine beständig sich entwickelnde Lehrerbildung, in der Hörsaal wie Schule gleichberechtigte Forschungs- und Bildungsstätten waren

1861 erschien sein größtes und bedeutendstes Werk “Encyklopädie, Methodologie und Literatur der Pädagogik”: entsprechend der sein ganzes Leben bestimmenden Idee der pädagogischen Bildung für das höhere Lehramt setzte er sich für eine Pädagogik auf wissenschaftlicher Grundlage ein.

Stoy erklärt Erziehung zum „Recht der Unmündigen“ und zur „Pflicht der Erwachsenen“; das Kind darf nicht als Mittel zu einem außer ihm liegenden Zweck dienen; es soll kein „abrichten“ sein, denn das hat nichts mit Erziehung zu tun; Erziehung soll „den Zweck verfolgen, welchen der Zögling, wenn er mündig wäre, selbst verfolgen würde“ - zwischen dem uneingeschränkten Gewährenlassen und der sog. „Abrichtung“ muss es eine „gesunde Mitte“ geben, d.h. die Befähigung des Zöglings zur Wahl seiner Lebenszwecke und deren Realisierung; Lehrer ist der geistige Vater des Schülers.

In seinen Betrachtungen leitet Stoy drei „pädagogische Hauptwissenschaften“ ab: historische Pädagogik, philosophische Pädagogik, praktische Pädagogik .

Laut Stoy entwirft und begründet die Philosophische Pädagogik die Ideale/Motive der Erziehung. Die historische Pädagogik nimmt vergangene und gegenwärtige Erziehungszustände in den Blick. Die praktische Pädagogik wird in „getheilte“ und „ungetheilte“ Erziehung sowie in Alumnate und Schulen besonderer Art (begründet durch die Verschiedenartigkeit der Kinder) klassifiziert. Außerdem widmet sich Stoy besonders der Volkschul- und Gymnasialpädagogik.

Das Gymnasium ist die höchste Schulform und soll zur weiteren Nutzung wissenschaftlicher Quellen und zur Leitung der Gesellschaft befähigen. Stoy diskutiert Aufnahmekriterien, um das Gymnasium vor der Mittelmäßigkeit zu bewahren: als aufnahmefähig gilt „ein für geistige Interessen angeregter, für ideelle Auffassungen des Lebens empfänglicher und zu selbständigem und streng wissenschaftlichem Denken wohl befähigter Kopf“.

In seiner Pädagogik setzt Stoy in erster Linie auf den Erzieher, diesem wird kein konkretes Konzept vorgegeben, sondern er soll in der Lage sein, sein Handeln zu bestimmen und bestenfalls Konzepte selbst entwickeln, umsetzen und ggf. immer wieder verändern - der lehrende Erzieher entscheidet sich zuerst für das Kind und nicht für ein Konzept.

1865/66 wird Stoy auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für Pädagogik nach Heidelberg berufen, während seine Jenenser Anstalten 1866/68 aufgelöst wurden.

1874 gab er Stellung in Heidelberg auf - kehrte als Honorarprofessor für Pädagogik nach Jena zurück, wo er das pädagogische Seminar erneut einrichtete.

1885 starb Stoy in Jena.

Auf Stoy geht auch die Einführung des Wandertages zurück: am 21. August 1853 wanderte er erstmals mit seiner gesamten Schulgemeinde von Jena bis zum Inselsberg (dort ein Gedenkstein, der noch heut daran erinnert).

Die Schule heute:

Am 9. Dezember 1844 gründete Karl Volkmar Stoy das Jenaer Pädagogische Seminar mit einer Volksschule als Übungsschule.

1858 wurde ein neues Schulgebäude der Seminarübungsschule - die “Johann-Friedrich-Schule” - eingeweiht.

Die “Stoyschen Erziehungsanstalten" und seine spätere Wirkungsstätte, die “Johann-Friedrich-Schule" befanden sich exakt auf dem Gelände der heutigen Schule.

Ein hinter der Turnhalle in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhundert aufgestelltes Denkmal wurde umgesetzt und steht heute auf dem Schulhof der Schule.

Seit dem 5. September 2002 trägt das Staatliche Berufsschulzentrum Wirtschaft und Verwaltung Jena den Namen des Universitätspädagogen Karl Volkmar Stoy.

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