Die Pädagogen

 

Erhard Weigel (1625-1699)

Erhard Weigel wurde am 16.12. 1625 in Weiden/Oberpfalz als Sohn des Tuchmachers Michael Weigel und seiner Frau Anna geboren. Er starb am 21.3. 1699 in Jena. In Folge der Rekatholisierung der Oberpfalz wandert Weigel mit seinen Eltern 1628 nach Wunsiedel aus, wo sein Vater ab 5.5. 1634 bis zu seinem Tod 1636 an der deutschen Schule lehrte.

Weigel besuchte die Lateinschule in Wunsiedel, ab 1644 das Gymnasium in Halle und nahm Privatstunden in Mathematik und Astronomie bei Bartholomäus Schrimpfer, in den Ferien 1645 in Wunsidel auch beim Archidiakon Johannes Elrode. Zum Wintersemester 1647 immatrikulierte er sich an der Universdität Leipzig. Am 9.11.1649 erwarb er das Bakkalaureat der Freien Künste, 1650 wurde er zum Magister der Philosophie promoviert, lehrte und disputierte anschließend in Leipzig.

1653 wurde er als Professor der Mathematik nach Jena berufen, wo er am 16.7. seine Antrittsvorlesung »Commentatio astronomica de cometa novo« hielt. Er befaßte sich aber auch mit philosophischen und theologischen. Fragen, was bald zu ernsten Auseinandersetzungen führte. Am 12.9. 1653 heiratete er die Witwe Elisabeth Hartmann.

1654 übernahm Weigel das Amt des Alumneninspektors und die Aufsicht über die Gebäude des Kollegiums. Im Herbst 1655 errichtete er ein Observatorium an der Vorderseite des Akademiegebäudes. Im Jahr 1657 bekleidete er das Rektorat der Universität Jena und wurde von Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar zum Fürstlich Sächsischen Hofmathematicus ernannt. Als solcher gründete er die »Pythagoreische Gesellschaft«. Die 1658 erschienene »Analysis Aristotelica« wurde in Jena mit Verkaufsverbot belegt. Weigel musste erklären, sich nicht mehr in andere Fächer einzumischen.

Der inzwischen von Weigel entworfene Himmelsglobus wurde im Januar 1661 auf dem Dach des herzöglichen Schlosses in Jena angebracht. 1661/62 wurde Weigel von Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar zum Oberbaudirektor ernannt. 1667 reiste Weigel nach Leipzig zur Beratung über die Kalenderreform. 1668-70 errichtete er sein berühmtes Wohnhaus, die »domus Weigeliana« mit Schulräumen, Fahrstuhl, Weinbrunnen und Planetarium.

1672 reiste er nach Nürnberg, 1675 wurde Weigel erneut Rektor und errichtete den »Pancosmus decupedalis« in der Sternwarte. Im November 1681 unterbreitet er dem Landtag in Dresden seine Vorschläge zur Förderung der Arithmetik, Astronomie und Musik in den Schulen. 1682 reiste Weigel nach Wittenberg und Leipzig.

Am 18.3.1683 starbt seine Frau Elisabeth. In den Jahren 1683-1686 unternahm er auf der Grundlage seiner an Comenius und Ratke orientierten Reformvorschläge den ersten Schulversuch im eigenen Haus. 1686 wurde er zum Pfalz - Sulzbachischen Rat ernannt. Am 27.5.1688 wurde Weigel schließlich zum Kaiserlichen Rat ernannt.

In seinem 1688-89 umgebauten Haus eröffnete er am 10.11.1689 die nach seinen Reformplänen konzipierte »Kunst- und Tugend-Schule«. 1695 wurde Weigel zum dritten Mal Rektor der Universität Jena.

1696 reiste Weigel über Kopenhagen, wo er am 4.10. dem König den Pancosmus übergab, nach Schweden. Von November 1696 bis Februar 1697 war er in Stockholm. Im März 1697 besuchte er auf der Rückreise nochmals Kopenhagen. Auf der letzten Reise erkrankt, starb Weigel in Jena am 21.3.1699 und wurde am 25.3. durch seinen Kollegen Johann Paul Hebenstreit begraben.

Wirken:

Weigels Schriften befassen sich mit Fragen der Mathematik, Philosophie, Methodologie, Astronomie (bes. 1650-1661), Zeitrechnung und Kalenderreform (bes. 1696-1699), Globenkunde und Technik (bes. 1669-1681), Geographie, Pädagogik (bes. 1681-1693) und Politik. In der Pädagogik und Philosophie wurde er von Descartes, Clauberg und Comenius beeinflußt, dessen christliche Pansophie Weigel mathematisch (»rechenschafftlich«) ausgestaltet.

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