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Nur manchmal rollen die Tränen

Dorothea Kromphardt, Thüringens einziger Klinikclown

Das ist Knuddel, der Klinikclown. Sehnsüchtig warten die kleinen Patienten auf der Onkologischen Station der Kinderklinik jeden Mittwoch, dass Dorothea Kromphardt ihnen mit Spiel und Spaß Lebensmut gibt.
Der Mittwoch ist für die vierjährige Friederike ein ganz besonderer Tag. Da muss die Mutti ihr eine rote Nase und rote Bäckchen schminken, da zieht sie sich ihr buntes Hemd mit den Blümchen an. Denn am Mittwoch kommt ihr Freund, der Clown Knuddel. Mit dem kann man so herrlich Spaß machen und lustige Spiele spielen.
Ihren Knuddel trifft die Vierjährige allerdings nicht im Kindergarten oder im Zirkus, sie spielt mit ihm auf der Krebsstation der Uni-Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. Friederike leidet an einem Tumor. Sie muss über Monate hinweg regelmäßig stationär in der Klinik „wohnen“.
„Wohnen“, so nennt Clown Knuddel den Aufenthalt auf der Station. Und er spricht auch nicht vom Tropf, sondern von dem „Auto“, das die Kinder hinter sich her ziehen. Hinter der lustigen Maske mit der großen Nase und den roten Haaren steckt Dorothea Kromphardt. „Wenn ich zu den Kindern gehe, muss es laut sein, es muss klatschen, quietschen, krachen und lachen.“ „Positives Randalieren“ nennt die 31-Jährige das. Und nachdenklicher: „Die Kinder haben hier viel Stress durch schmerzhafte Behandlungen, durch die Klinikumgebung, durch den Verzicht auf ihre Freunde. Aber es liegt nun mal in ihrem Naturell, laut zu sein, Blödsinn zu machen. Dabei helfe ich ihnen. Und ich helfe ihnen so, sich abzureagieren.“
Dorothea Kromphardt ist gelernte Physiotherapeutin. Schon damals war es ihr wichtig, den Menschen nicht als Nummer zu sehen. So machte sie unter den kritischen Augen der Klinikleitung in Straußberg orthopädisches Reiten mit den Kindern, und die bettlägerigen Rentner lehrte sie Rollstuhlfahren, damit sie selbstständig ins Freie konnten.
Als Clown in der U-Bahn
Weitere Stationen in ihrem Leben: Schauspielschule in Berlin, „Clownslehre“ bei Didier Dumerge aus Frankreich und Engagement im Landestheater in Rudolstadt. In Berlin erregte sie den Argwohn der DDR-Oberen, als sie sich im Clownskostüm in die U-Bahn setzte und durch die Stadt fuhr. „Das passte in keine Schablone, ich wollte sehen, wie die Leute reagieren.“ Spaß machen, das ist ihr Anliegen, die Leute aus ihrer Lethargie hervorholen. Und sie anzuregen, auch ernste Dinge einmal von der lustigen Seite zu sehen. Ein EU-Projekt machte es ihr möglich, seit Anfang Februar für ein Jahr an der Jenaer Kinderklinik als Clown zu arbeiten. Große Unterstützung fand sie dabei bei der Jenaer Elterninitiative für krebskranke Kinder.
„Zugegeben, anfangs gab es Stirnrunzeln“, erinnert sich der Chef der Kinderklinik Professor Felix Zintl. Was solle das wohl bringen? Doch wenn er heute sehe, wie die krebskranken Kinder die ganze Woche auf ihren „Knuddel“ warten, sei das doch eine richtige Entscheidung gewesen. Denn eine stabile Psyche könne auch viel zum Heilungsprozess beitragen.

Friederike steht mit ihrem „Auto“ ungeduldig auf dem Gang der Station. Wo bleibt denn ihr Knuddel nur?
Der ist schon da, doch er spricht im Spielzimmer erst einmal mit den Betreuerinnen Manuela Freund und Monika Schwarz die aktuelle Situation durch. In welches Zimmer darf ich gehen? Wo geht es nur mit Mundschutz? Wie geht es den Kindern? Und dann passiert es, über das lustige Clownsgesicht rollen Tränen. Sie hinterlassen äußerlich und innerlich eine deutliche Spur. „Martin (Name geändert) hat es geschafft. Er konnte die Krankheit nicht besiegen“, hatte Manuela Freund gesagt. Kein Lachen mehr, bedrücktes Schweigen.
Doch draußen wartet Friederike! Reiß’ dich zusammen, Clown! Knuddel greift seinen großen Koffer und schlurft über den Gang. „Was hast du mitgebracht? Was können wir spielen?“ jubelt Friederike. Und schon geht das große Wühlen los, die Kinderhände bringen Luftballons, einen Lachsack und viel mehr hervor. Die Krankheit ist vergessen. Was im Moment zählt, sind aus den Luftballons gebastelte Tiere. „Für meine Schwester Caroline möchte ich auch solch eine Zebragiraffe!“ ruft Friederike. „Klar, das knuddeln wir schon“, sagt der Clown.
Friederike schaut auf einen riesigen Luftballon. Darauf haben Kinder ihre Gedanken geschrieben. „Ich liebe dich Claun“, „echt cool“ und „You make the children happy“, ist dort zu lesen. Und alle sind zuversichtlich, dass Knuddel auch weiter ihr Gefährte bleibt.
Doch das ist nicht sicher. Das EU-Projekt läuft im Januar aus. Danach steht die Finanzierung auf der Kippe. Viel Unterstützung hat die Elterninitiative angekündigt, doch das wird nicht reichen. Und an eine „Planstelle“ als Clown ist in der Klinik vorerst nicht zu denken. Also sind Spenden gefragt für diesen ersten festen Klinikclown Thüringens.
„Ich gebe den Menschen nie auf“, hatte Dorothea Kromphardt gesagt. Und: „Ich kann den Tod zwar nicht aufhalten, doch ich kann dafür sorgen, dass es jetzt schön ist.“ Die Kinder der Krebsstation hoffen, dass ihr Clown bleibt. Auch Friederike, die jetzt mit ihm von Zimmer zu Zimmer zieht. Ulrich Krause

Unser Autor ist Redakteur der Thüringischen Landeszeitung.

Spendenkonto der Elterninitiative: Sparkasse Jena-Saale-Holzland, BLZ: 830 530 30, Konto-Nr. 1090, Kennwort „Klinikclown“