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Röntgendosis erheblich gesenkt

Radiologe erhielt wichtigen Forschungspreis von Fachgesellschaft

Die Strahlendosis bei Röntgenuntersuchungen kann bis zu 85 % reduziert werden. Das ergaben Untersuchungen des Jenaer Oberarztes Dr. Jens-Peter Heyne am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie. Er wurde für seine Arbeit „Reduktion der Strahlenexposition mittels Speicherfolienradiographie“ bei der 42. Jahrestagung der Vereinigung Deutscher Strahlenschutzärzte mit dem Hanns-Langendorff-Preis ausgezeichnet.
Bei Speicherfolien handelt es sich um digitale Medien, die den klassischen Röntgenfilm in der Radiologie zunehmend ersetzen. Bei seinen Studien an verschiedenen naturgetreuen Knochenphantomen und anatomischen Objekten kam Heyne zu dem Ergebnis, dass bei Schädelaufnahmen die Röntgendosis auf mindestens 56 % des bisher applizierten Wertes gesenkt werden kann, bei Handaufnahmen auf 52 %, bei Untersuchungen des Beckens auf 50-78 % und beim Röntgen der Lendenwirbelsäule auf 26-44 %. Zur Stellungskontrolle nach einem Knochenbruch z. B. reichten sogar 15-23 % der bisherigen Dosis.
„Eine geringere Strahlendosis führte beim konventionellen Röntgen zwangsläufig zu einer unterbelichteten, nicht verwertbaren Aufnahme“, erläutert Heyne. „Die digitale Aufnahme liefert dagegen durch die Optimierung der Grauwertzuteilung praktisch immer ein verwertbares Bild. Senkt man die Dosis, steigt sukzessive das Bildrauschen an.“ In vielen Fällen, so der Mediziner, könne man dieses Rauschen aber durchaus tolerieren, solange es eine eindeutige Diagnose zulasse.
Wieder verwendbare Folien
Er fertigte von seinen Studienobjekten zahlreiche Aufnahmeserien an und reduzierte dabei schrittweise die Strahlendosis. Die Bilder ließ er dann von fünf Röntgenärzten unabhängig voneinander begutachten. So konnte er konkrete niedrigere Belichtungswerte ableiten.
„Die Einschätzung hängt natürlich von der Erfahrung des Untersuchers mit dosisgeminderten Röntgenaufnahmen ab“, gibt Heyne zu bedenken. Außerdem müsse man die Dosis bei bestimmten Aufnahmen auch auf die Patientendicke individuell einstellen. Am Jenaer Uni-Klinikum wird die Speicherfolienradiographie bereits seit einigen Jahren genutzt. Bei dem Verfahren wird eine Speicherfolie mit Röntgenstrahlen belichtet, digital ausgelesen, gelöscht und wiederverwendet. Das Bild erscheint auf einem Monitor und kann im Bedarfsfall auf einen Laserfilm ausgedruckt werden.
Noch wird in der Praxis nicht mit den von Heyne ermittelten niedrigeren Werten gearbeitet. „Das ist erst einmal ein völlig neuer Ansatz, dem weitere Untersuchungen folgen müssen“, so der Röntgenspezialist. Aber da Strahlenmediziner verpflichtet sind, sich für den Strahlenschutz einzusetzen und mit so wenig Röntgenstrahlung wie nötig zu arbeiten, werde seine Idee auch in die Praxis Eingang finden, hofft Heyne. sul

Ansprechpartner:
OA Dr. Jens-Peter Heyne, Tel.: 03641/939425, Fax: 939181
E-Mail: Jens-Peter.Heyne@med.uni-jena.de

 

Tumorsupressor-Genen auf der Spur

Sonde findet zielsicher ihren genetischen Code

Wissenschaftler der Universität und der Fachhochschule Jena haben eine präzise Gensonde entwickelt, um die spezifischen Tumorsupressor-Gene p15 und p16 nachzuweisen. Diese Gene gehören zur „Standard-Ausrüstung“ der menschlichen Erbsubstanz und ermöglichen bei der natürlichen Zellteilung die Reparatur von genetischen Fehlern.
Sie können damit die Entstehung von Krebszellen – insbesondere des Blut- und des Hautkrebses – unterdrücken. Fehlen sie ganz oder teilweise, so steigt das Krebsrisiko eines Patienten erheblich. Die neue Gensonde soll aber zunächst nur in der Forschung, später auch bei der therapeutischen Nachbetreuung von Krebspatienten eingesetzt werden.
„Im Vergleich zu den bisherigen Nachweisverfahren funktioniert unsere Sonde sehr präzise, schnell und einfach“, erklärt Dr. Ferdinand von Eggeling vom Institut für Humangenetik und Anthropologie der Uni Jena. „Für eine Vorsorge-Reihenuntersuchung ist sie aber immer noch erheblich zu aufwändig. Da müssen wir wohl oder übel doch auf die Entwicklung leistungsfähiger Gen-Chips warten.“ Dennoch dient die neue Sonde schon jetzt als äußerst nützliches Instrument für die Forschung, etwa um den Zusammenhang zwischen dem Fehlen eines oder mehrerer Tumorsupressor-Gene und dem Krebsrisiko näher zu erforschen.
Farbenspiel unterm Mikroskop
Die Jenaer Gensonde wurde mit Hilfe eines molekulargenetischen Verfahrens, der so genannten Long-Distance PCR, hergestellt und ist genau 11 680 Basenpaare lang. Insgesamt besteht die menschliche Erbsubstanz aus rund drei Milliarden solcher Basenpaare, also einzelnen Buchstaben in der „Bauanleitung des Lebens“. In diesem verwirrenden genetischen Textgefüge dockt die Sonde präzise an dem gesuchten Tumorsupressor-Gen an und ist mit Hilfe von Fluoreszenz-Farbstoffen unter dem Mikroskop nachweisbar.
Von Eggeling: „Das geht dann am Ende relativ leicht: Wenn wir bei dem Nachweis-Verfahren, der so genannten Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung, keine farbigen Markierungen finden, dann fehlt mit Sicherheit das Tumorsupressor-Gen.“ Ein wesentlicher Vorteil der Jenaer Gensonde liegt somit darin, dass auch die Erbsubstanz mehrerer Zellen und sogar ganzer Gewebeschnitte in einem Arbeitsgang untersucht werden kann.
Für die Entwicklung zeichnen gemeinsam Dr. von Eggeling und Angela Bleichert verantwortlich, die über diese Forschung an der FH Jena ihre Diplomarbeit in Studiengang Biotechnologie verfasst hat. wh

Literatur: International Journal of Molecular Medicine, Juni 2001; 7(6):591-5

Ansprechpartner:
Dr. Ferdinand von Eggeling, Tel.: 03641/935526, Fax: 935582
E-Mail: FEGG@mti-n.mti.uni-jena.de