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Rückschlagspiel im Ballhaus

Aus den Tennis-Annalen des Universitätssportvereins

Hochschul-Tennis 1947: Zur Wiedereröffnung der Uni nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auch der Sport wieder aufgenommen. Netze waren damals aber nur gegen Zigaretten und Schnaps zu bekommen.
Vom 27. April 1901 gibt es ein Schriftstück im Archiv der Uni Jena, in dem die Großherzogliche Regierung in Weimar 260 Goldmark für Platzmiete und 26 Goldmark als einmaligen Zuschuss zur Anschaffung eines Netzes für studentisches Tennisspielen zur Verfügung stellt. Damit wurde erstmalig das „Tennisspielen der Studenten“ in Jena nachweislich staatlich gefördert – und somit im Jahre 2001 ein Jubiläum fällig.
Die Ursprünge des Tennissports an der Uni Jena gehen allerdings bis in das erste Jahrhundert nach ihrer Gründung zurück. Das 1670 errichtete Ballhaus diente einem Rückschlagspiel, welches zu den Vorläufern des Tennis zählte. Ausgehend von England, nahm der Tennissport in seiner heutigen Form in Deutschland gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts einen starken Aufschwung. In Jena existierten 1898 auf dem 2,5 Hektar großen Sportgelände des „Spielplatzvereins“ in der Oberaue bereits zwölf Tennisplätze. Diese wurden vor allem von Studenten, Professoren, Offizieren und Handwerkern genutzt.
Bombenhagel und Gemüsebeete
Im Sommersemester 1921 kann man im ersten Hochschulsportprogramm nachlesen, dass mittwochs von drei bis sechs Uhr Tennisspieler zwei Plätze kostenlos nutzen können. Der Anteil der tennisspielenden Studierenden betrug 1925 etwa 50 von 2 015 eingeschriebenen Kommilitonen. Zwischen der Universität und den Gast-Vereinen auf den Tennisplätzen herrschten bis 1934 relativ klar geregelte Beziehungen, die beiden Seiten eine sinnvolle Nutzung der Plätze ermöglichte. Gegen eine jährliche Pacht standen feste Trainingszeiten und das Tennishaus zur Verfügung.
Im Zweiten Weltkrieg wurde der Sport an der Universität peu à peu eingestellt, und die letzten Kriegstage brachten 1945 Bombenschäden auf den Tennisplätzen. Nach Kriegsende waren weitere Schäden durch Plünderungen und die Nutzung durch amerikanische und russische Besatzungssoldaten zu verzeichnen. Wie nach dem Ersten Weltkrieg diente ein Teil der Tennisplätze Kleingärtnern als Gemüsebeete.
Mit der Wiedereröffnung der Universität im Herbst 1945 suchten die ersten Studenten nach Möglichkeiten des Sporttreibens. Doch die Beschaffung der notwendigen Materialien für das Tennisspielen war nicht immer einfach. So schreibt der Platzwart Herrmann Bauer im Juli 1948: „Durch Kompensation von Schnaps und Zigaretten habe ich aus dem Westen Netze für den Tennisplatz herangeholt.“ Anfangs standen nur vier Plätze zur Verfügung. 1948 wurden die Gärten auf der Tennisanlage gekündigt, um dort fünf weitere Tennisplätze wieder herrichten zu können. Im Juni 1948 gab es dann an der Universität das erste Sportfest, bei dem an drei Tagen Studenten die verschiedensten Wettkämpfe u.a. auch im Tennis organisierten.
Kein Pflichtsport
Mit Einführung neuer Studienpläne 1951 wurde für die Studierenden aller Fakultäten der Universität der obligatorische Sport, der bereits zwischen 1925 und 1945 in Jena existierte, wieder eingeführt. Der Studentensport war eine staatliche Institution und direkt dem Prorektor unterstellt. In den Pflichtstundenplänen war Tennis nicht verankert. Als freiwilliger Studentensport in der HSG konnte er betrieben werden, was aber nicht automatisch zu einer Anerkennung als Pflichtsportnachweis führte.
Im Studentensport blieb Tennis deshalb eine Randerscheinung. Beim Ausbau des wahl-obligatorischen Sports in Jena fand Tennis keine Berücksichtigung, was sicher auch mit den fehlenden Möglichkeiten eines ganzjährigen Übungsbetriebes zusammenhing. Erst mit der Abschaffung des Pflichtsports im November 1989 wurde dem Tennis im Hochschulsport ein angemessener Platz zugewiesen, und als erster offizieller Tennislehrer des Hochschulsports übernahm Wilhelm Tell den Aufbau von entsprechenden Übungsgruppen.
Nach der Wende machte die Universität wieder stärker von ihren Entfaltungsmöglichkeiten Gebrauch. Außer dem Hochschulsport, der, seiner Tradition folgend, wieder Tennis für Studenten und Mitarbeiter anbot, kam jetzt auch die Sportlehrerausbildung hinzu, in die der Direktor des Instituts für Sportwissenschaft Prof. Dr. Werner Schmidt 1993 das Tennisspiel als Ausbildungsfach einführte.
Verheerendes Hochwasser
Ein eklatanter Einschnitt kam mit dem Jahrhundert-Hochwasser 1994. Die Schäden an den ohnehin mangelhaft aufgebauten Tennisplätzen waren so groß, dass eine grundhafte Erneuerung notwendig wurde. Durch weitsichtige Verhandlungen des damaligen Präsidenten des Universitätssportvereins, Prof. Dr. Lutz Wenke, mit der Universität und in enger Zusammenarbeit mit dem Hochschulsport gelang es, „Hochwassergelder“, also Förder-, Universitäts-, Studentenwerks- und Vereinsmittel so geschickt zu bündeln, dass innerhalb von wenigen Jahren alle Plätze völlig neu gebaut werden konnten.
Heute auch Kunstrasen
Das Tennishaus wurde komplett rekonstruiert, drei Studentenwohnungen im Dachgeschoss ausgebaut und das gesamte Umfeld unter hohem Zeit- und Geldaufwand der Vereinsmitglieder neu und pflegeleicht gestaltet. Der Hochschulsport hatte im Rahmen der schrittweisen Umgestaltung des Universitätssportzentrums auch zwei Kunstrasen-Tennisplätze bauen lassen, womit sich die Trainingsbedingungen besonders für die vielen Breitensportler deutlich erweitert haben. Heute hat die Tennisabteilung des Universitätssportvereins rund 400 Mitglieder.

Hans-Georg Kremer