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Engagement: für die Menschlichkeit

Adolf Muschg trägt zur poetischen Begriffsklärung bei

Der Schweizer Muschg in Jena. Man kennt ihn hier. Zu DDR-Zeiten durfte er schon einmal lesen. Sein Roman „Albissers Grund“, im aufgeregten Biermann-Jahr 1976 bei Volk und Welt erschienen, war damals in vieler Leser Munde. Das Problem: Das Opfer ist schuld, wenn der Täter ein „honoriger“ Mann ist. Eine solche Fabel elektrisierte ein eingesperrtes und ideologisch traktiertes Publikum. Muschg hatte damit besonders beim Ost-Leser einen Nerv getroffen.
Ambivalenz des Begriffs
Nach einem Vierteljahrhundert kehrt Adolf Muschg also wieder in Jena ein, gerufen vom Collegium Europaeum Jenense und der Kultur-Stiftung der Deutschen Bank. Und der bekannte Schweizer Autor (zuletzt präsent mit seinem viel diskutierten achten Roman „Sutters Glück“), Literaturwissenschaftler (mit einem klugen Buch über Gottfried Keller) und inzwischen Emeritus der ETH Zürich, sprach übers Engagement in der Literatur.
Das zumeist diktaturerfahrene Publikum im vollbesetzten Hörsaal wollte wissen, was dazu einer aus heutigen Schweizer Landen zu vermelden hat. Und Muschg vollzog – historisch belegt – die Ambivalenzen des Begriffs Engagement nach und verwies auf dessen mehrfache Relativität und suspektes Changement: Wer engagiert sich wann warum zu welchem Zwecke und mit welcher Absicht für/gegen wen oder was...? Engagement an sich ist also ein untauglicher und allenfalls demagogischer Begriff, weil sich Hasskämpfer ebenso fanatisch zu engagieren vermögen wie verstiegene Idealisten. Im „DDR-Leseland“ wusste man primär zu unterscheiden, wofür oder wogegen einer schrieb.
Muschg benutzt für seine Engagement-Theorie als Kronzeugen den „sentimentalischen“ Idealisten Friedrich Schiller mit seinen denkwürdigen Briefen „Über die ästhetische Erziehung des Menschengeschlechtes“ und Ansichten über die Geburt des „Neuen Menschen“, 1793 geschrieben, als man unter der Parole „Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit!“ auch die erste Menschenvernichtungsmaschine flottieren ließ. Der ideale Mensch erwies sich wieder einmal als gefährliche Kopfgeburt. Das Barbarentum dauerte auf höherer Stufe fort, und Schiller fragte ziemlich ratlos nach: „Woran liegt es, dass wir immer noch Barbaren sind?“ Was, Herr Professor, hätte er wohl erst nach Auschwitz und Gulag gesagt? – Die Frage blieb ungestellt. Bei manchen Schweizern sei zudem Weißwäscherei angesagt. Die mehrfachen existenziellen Täter-Verstrickungen der diktaturgeschädigten Deutschen lägen allenfalls in deren Phantasiebereich.
Wie also schreiben in einer Gesellschaft, die neuerdings weitgehend am Spaß orientiert ist? Muschg kommt zu dem Schluss: Engagement für das Menschliche sei (leider!) allweil vonnöten, falls man den vielfachen Formen der Barbarei entgegenzuwirken denke. ek

 

Schmuck aus der Vorzeit

In Fachkreisen gelten diese Funde als kleine Sensation: Die mehr als 2 000 Jahre alte Schnalle des „Holsteinischen Gürtels“ (re.) sowie Teile eines altmärkischen Kettenplattenschmucks aus dem 4. Jh. v. Chr. haben Prof. Dr. Peter Ettel und sein Team bei Ausgrabungen im mecklenburgischen Mühlen-Eichsen gefunden. Dort erschließen die Forscher eine Begräbnisstätte aus der vorrömischen Eisenzeit. Da schriftliche Zeugnisse aus jenen fernen Tagen nicht überliefert sind, gewähren vor allem diese Grabbeigaben Anhaltspunkte über den damaligen Stand der Kultur in Nord-Mittel-Europa. Nach aufwändiger Restauration durch Diplom-Restauratorin Hildegund Storch (Foto) und ihre Kollegen waren sie im Juni und Juli in einer Ausstellung an der Uni Jena erstmals öffentlich zu sehen. wh

 

Barenboim spielt in Jena

Der Star-Dirigent und Weltklasse-Pianist Daniel Barenboim gastiert bei den 4. Wilhelm-Furtwängler-Tagen vom 8. bis 11. November an der Uni Jena. Barenboim begleitet den Violinisten Gernot Süßmuth, der im übrigen als Konzertmeister der zweiten Geigen in Barenboims Staatskapelle Berlin musiziert, durch Furtwänglers d-moll-Sonate. Weitere Höhepunkte des Programms sind der Abend mit dem Cellisten und Dirigenten David Geringas – er spielt mit der Jenaer Philharmonie Werke von Stamitz, Boccherini, Danzi, Pfitzner und Krzystof Meyer – sowie Furtwänglers Symphonisches Konzert für Klavier und Orchester mit der Staatskapelle Weimar unter George Alexander Albrecht und mit András Schiff am Flügel. Die Furtwängler-Tage werden von Sebastian Krahnert, dem Leiter des Bereichs Musik an der Uni Jena, organisiert. Auf der wissenschaftlichen Agenda steht diesmal der „deutsche Klang“; gemeint sind die hörbaren Klangeigentümlichkeiten bei Traditionsorchestern. Infos im Internet unter: www.uni-jena.de/kultur/furtwaengler