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Ein Medien- und Zeitdiagnostiker

Lothar Späth zum Honorarprofessor in Jena ernannt

Zum Honorarprofessor für Medien und Zeitdiagnostik wurde Dr. Lothar Späth, der Vorstandsvorsitzende der Jenoptik AG, am 12. Juni an der Friedrich-Schiller-Universität ernannt. Späth wird damit regelmäßig Lehrverpflichtungen, vor allem im Bereich Medienwissenschaft, übernehmen und seine theoretische wie praktische Medienkompetenz an die Studenten vermitteln. Weil die Jenaer Medienwissenschaft interdisziplinär in der Philosophischen Fakultät und der Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften organisiert ist, bekam Lothar Späth die Honorarprofessur als erster in Jena gleichzeitig in zwei Fakultäten. Bereits seit vergangenem Jahr hält er als Gastdozent regelmäßig Lehrveranstaltungen ab.
Grand mit Vieren: Der neue Honorarprofessor Lothar Späth (2.v.l.) im Kreise der Professoren (v.l.n.r.) Karl Schmitt, Karl-Ulrich Meyn und Kurt Müller.
„Wir sehen ihn als einen wichtigen Partner im Dialog zwischen wissenschaftlicher Forschung und Lehre und gesellschaftlicher Praxis“, erläuterte Prof. Dr. Kurt Müller, der Dekan der Philosophischen Fakultät, als Laudator bei der akademischen Feier in der bis auf den letzten Platz gefüllten Aula. Späth hat schon in seiner Zeit als baden-württembergischer Ministerpräsident (1978-91) aus der Diagnose aktueller Entwicklungstendenzen das enorme Zukunftspotenzial der Neuen Medien erkannt und richtungsweisende Entscheidungen getroffen.
Strukturpolitische Weitsicht
„Als einer der ersten überhaupt hat er den Wandel zur Mediengesellschaft mit seiner sozialen, politischen und natürlich auch wirtschaftlichen Bedeutung bereits Mitte der 80er Jahre erkannt“, erklärte der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Karl Schmitt, Dekan der Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften. „Und Lothar Späth hat natürlich die richtigen Konsequenzen daraus gezogen.“
Mit der gebührenden Vehemenz setzte er sich für den Ausbau der Mediennetze und -industrien in Deutschland ein. „Diese strukturpolitische Weitsicht möchten wir nun gemeinsam für unseren jungen medienwissenschaftlichen Studiengang fruchtbar machen“, so Kurt Müller. Bildungspolitisch initiierte der gebürtige Sigmaringer Späth u. a. die Gründung der inzwischen international reputierten Medienhochschule Karlsruhe und der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Inzwischen gibt es deutschlandweit an 50 Universitäten mehr als 200 medienwissenschaftliche Lehrstühle; allein 30 davon sind an den vier Thüringer Universitäten bereits installiert oder geplant.
Zahlreiche Bücher
Auch die Idee zur Fusion von Südwestfunk und Süddeutschem Rundfunk zum neustrukturierten Südwestrundfunk stammt aus dem Späthschen „Brainpool“. Im Privatfernsehen ist der alerte Vordenker und Manager seit 1998 mit seiner Talkshow „Späth am Abend“ auf n-tv eine feste Größe. „Wie kaum ein anderer kennt er die Medienstrukturen von innen heraus und beherrscht die hohe Kunst, Zeittendenzen in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Medien frühzeitig wahrzunehmen und Entwicklungslinien zusammenzudenken“, so Karl Schmitt.
Einen Niederschlag findet diese „zeitdiagnostische Kompetenz“ nicht zuletzt in zahlreichen Büchern, in denen Späth stets auch Handlungsalternativen und -leitbilder vorstellt und diskutiert. Dabei leite ihn eine aus bodenständigem schwäbischem Protestantismus genährte Mischung von „realitätsnahem Optimismus“ und „materialistischer Bewährungsfreude“, urteilte ein Gutachter an der Jenaer Universität. So zum Beispiel auch in der bereits 1985 erschienenen Monographie „Wende in die Zukunft: Die Bundesrepublik auf dem Weg in die Informationsgesellschaft“, mit der Späth ein heute weitgehend eingetroffenes Szenario entwirft.
Als Autor und Redner zeichnet ihn zudem eine hohe Vermittlungskompetenz aus. Er bewege sich stets auf sicherem empirischem Fundament, bewahre durchaus eine kritische Distanz zu den eigenen Hypothesen und behalte stets den Blick auf komplexe, größere Zusammenhänge gerichtet, schilderte Müller in der Laudatio. Dabei bleibe er in seiner Sprache anregend, dialogisch orientiert und gut verständlich, fürchte allerdings auch nicht die inhaltliche Kontroverse. Kurt Müller: „Damit hat er sich als exzellenter Didaktiker wie auch als Vorbild einer konstruktiven Streitkultur profiliert.“ – Ein Vorbild also nicht nur für Studenten, meint Müller, sondern auch für seine nunmehrigen Hochschullehrer-Kollegen.
Fortsetzung alter Traditionen
Dass die Jenaer Universität mit der Berufung Lothar Späths nicht zuletzt auch an eine lange Tradition anknüpft, betonte Dekan Prof. Dr. Karl Schmitt. Denn schließlich hätten schon Abbe und Zeiß das fruchtbare Zusammenwirken von Wissenschaft und Wirtschaft für die Entfaltung innovativer Schubkräfte in Jena und Thüringen vorexerziert. „Was damals wie heute für die optische Industrie gilt, möchten wir nun auch für den Medienbereich umsetzen“, so Schmitt. wh