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Internationales Graduiertenkolleg gestartet

„Konflikt und Kooperation zwischen sozialen Gruppen“

Prof. Dr. Rainer K. Silbereisen Engagiert sich für die europaweite Nachwuchsförderung: Entwicklungspsychologe Prof. Dr. Rainer K. Silbereisen.
Gemeinsam mit Partnern an der britischen University of Kent at Canterbury und der belgischen Universität Louvain-La-Neuve haben Psychologen der Friedrich-Schiller-Universität ein europäisches Graduiertenkolleg eingerichtet. Unter dem Thema „Konflikt und Kooperation zwischen sozialen Gruppen“ untersuchen zunächst 15 ausgewählte Nachwuchswissenschaftler die Mechanismen, wie soziale Diskriminierung von Minderheiten, also etwa Fremdenfeindlichkeit, oder Konflikte zwischen jung und alt in gesellschaftlichen Gruppen entstehen. Andererseits analysieren sie, welche Faktoren Toleranz, Integration und multikulturelle Vielfalt fördern.

Es ist das erste internationale Graduiertenkolleg in Thüringen überhaupt und soll von der Deutschen Forschungsgemeinschaft zunächst für die kommenden drei Jahre mit über einer Million Mark finanziert werden. Bei der Eröffnungskonferenz am 22. Juni erörterten international führende Psychologen aus den beteiligten Ländern sowie aus Israel und den USA, wie Gruppenbeziehungen identitätsstiftend wirken und welche Rolle das Vertrauen in soziale und politische Institutionen für einen entwickelten Bürgersinn spielt.

Neu an diesem Graduiertenkolleg ist die Verknüpfung von sozial- und entwicklungspsychologischen Fragestellungen. „Wir untersuchen zum Beispiel, ob die Bedingungen, unter denen latent fremdenfeindliche Einstellungen in manchen sozialen Gruppen entstehen, sich in Abhängigkeit vom Alter ändern oder aber stets die gleichen sind“, erläutert Prof. Dr. Rainer K. Silbereisen, der Sprecher des neuen Kollegs. Welche frühen Erfahrungen im Leben eines Menschen führen dazu, dass er später dazu neigt, soziale Minderheiten auszugrenzen? Wie und wodurch verändern sich diese Verhaltensweisen mit zunehmendem Alter? – „Soziale Diskriminierung ist kein typisch deutsches Phänomen“, bemerkt die Jenaer Sozialpsychologin Prof. Dr. Amélie Mummendey, „ob und inwieweit ihre Mechanismen vergleichbar sind, wird unser Projekt vielleicht beantworten.“

Das britisch-belgisch-deutsche Team sucht dabei nicht zuletzt nach grundsätzlichen Abläufen menschlichen Sozialverhaltens gegenüber Fremden. Eine positive Fragestellung lautet etwa, warum internationale Konzernfusionen trotz verschiedener Firmenkulturen durchaus erfolgreich sein können.
Für diese Forschungsaufgabe bringt die junge multinationale Forschergruppe selbst eine hohe Mobilität mit. Jeder Teilnehmer hat die Chance, mehrere Workshops, Kolloquien und mindestens zwei Sommerakademien an den jeweils anderen beiden Standorten des Graduiertenkollegs zu absolvieren. Bereits für kommenden September ist die erste Sommerakademie geplant. Dabei können die jungen Psychologen ihre Dissertationsprojekte präsentieren und gemeinsam mit eingeladenen internationalen Experten diskutieren.

Daran, dass die Messlatte ziemlich hoch angelegt ist, lässt Sprecher Rainer K. Silbereisen keinen Zweifel: „Wir betreiben dieses Kolleg als ein ,center of excellence’, damit sich eine junge, international konkurrenzfähige Forschergeneration in der europäischen Psychologie etabliert.“ wh