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Juristen lächeln im Reform-Gewitter

Lob und Kritik für Politiker beim Fakultätentag

Beherrscht die Kunst, „dicke Bretter zu bohren“: Prof. Peter M. Huber, Vorsitzender des Juristen-Fakultätentages, kann sich nach langwierigen Verhandlungen über die beschlossene Ausbildungsreform freuen.
Mit Freude und Genugtuung reagierte der Vorsitzende des Deutschen Juristen-Fakultätentages, Prof. Dr. Peter M. Huber, auf die nunmehr beschlossene Reform der Juristenausbildung. Die Dekane der 51 rechtswissenschaftlichen Fakultäten an deutschen Universitäten tagten am 14./15. Juni in Jena. „Nach langwierigen, aber sehr konstruktiven Gesprächen haben wir die politisch Verantwortlichen mit unserem Reformansatz überzeugt“, sagte Huber. „Der Beschluss der Justizministerkonferenz war ein Durchbruch.“
Zugleich forderte der Jenaer Rechtswissenschaftler, nun bei den Details der Umsetzung ebenfalls auf die „Stimme der Praxis“ zu hören. Dabei müsse der Qualitätsaspekt in der deutschen Juristenausbildung das Maß der Dinge sein. Mit aller Schärfe kritisierte der Deutsche Juristen-Fakultätentag indes die durch Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn initiierte Dienstrechtsreform. Huber: „Das mag für Naturwissenschaftler und Ingenieure sinnvoll sein, geht aber in unserem Fach auf Kosten des akademischen Nachwuchses.“

Nach dem Willen der Justizministerkonferenz wie auch des Fakultätentages wird die Juristenausbildung künftig stärker berufs- und praxisorientiert sein. „Nur zehn Prozent unserer Absolventen streben eine Tätigkeit im Justizdienst an“, erläutert Huber, „die ,Befähigung zum Richteramt’ als Ausbildungsziel ist daher als Generallinie längst obsolet geworden.“ Statt dessen sollten sich die deutschen Jura-Fakultäten stärker um die Profilbildung spezifischer, praxisrelevanter Ausbildungsinhalte, etwa im Wirtschafts-, Umwelt- oder Medienrecht, bemühen, empfahlen die Justizminister. „Darum kümmern wir uns längst, die ,Reform von unten’ ist seit einigen Jahren an unseren Universitäten in vollem Gang“, so Peter Huber, der selbst an der Uni Jena Staats- und Verwaltungsrecht lehrt und als Spezialist für EU-Recht gilt. Durch die aktuellen Beschlüsse sieht er die Anstrengungen seiner akademischen Kollegen in vollem Umfang bestätigt.

Allerdings gelte es nun, bei den Reformanstrengungen nicht die Qualität der Ausbildung aus dem Auge zu verlieren. Huber: „Noch immer leiden unsere Jura-Fakultäten unter einer Überlast an Studenten und einer zunehmend dramatischen Unterfinanzierung.“ Korrekturleistungen im Rahmen der Ausbildung könnten zum Teil nur noch gegen Entgelt erbracht werden, Zugänge zu Fachdatenbanken mussten an einigen Universitäten bereits gekappt werden. Das heiße aber nicht, dass man den Nachwuchs in Scharen vergraulen dürfe. „Vielmehr müssen wir dringend die Betreuungsrelation zwischen Lernenden und Lehrenden verbessern“, forderte der Rechtswissenschaftler.

Die Dienstrechtsreform der Bundeswissenschaftsministerin wirke in diesem Kontext eher kontraproduktiv, so Huber. „Wir sind gegen eine Abschaffung der Habilitation“, erklärte der Jenaer Rechtsgelehrte. „Das System der Juniorprofessuren wird in unserem Fach zu einer drastischen Senkung des Niveaus führen.“

Zugleich mache die sich schon abzeichnende Senkung der Einstiegsgehälter für Professoren die Hochschullehrerlaufbahn unattraktiv. Huber: „Wir brauchen aber exzellente Juristen an den Hochschulen selbst, denn wer soll sonst künftig die Ausbildung der Nachwuchskräfte für die Praxis gewährleisten?“

Das angestrebte Bewertungssystem nach „leistungsgerechten“ Kriterien empfindet der Deutsche Juristen-Fakultätentag als eine „bewusste Deformation von Forschung und Lehre“. Huber: „Wissenschaftliche Leistungen können – zumal in der Rechtwissenschaft – nicht von Erbsenzählern mit dem Rechenschieber gemessen werden.“ wh