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Steht der Osten „auf der Kippe“?

Neuer SFB untersucht Folgen des Systemumbruchs

Soziologe Rudi Schmidt, ein kritischer Transformations-Forscher.
Einen neuen Sonderforschungsbereich hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) für die Uni Jena genehmigt. Das Großforschungsvorhaben ist perspektivisch auf zehn bis zwölf Jahre angelegt und untersucht die Auswirkungen – insbesondere die Langzeitfolgen – des Gesellschaftswandels in Ostdeutschland nach der politischen Wende. Für die erste, dreijährige Bewilligungsphase stellt die DFG insgesamt rund sechs Millionen Mark bereit. Der SFB 1811 mit dem Titel „Gesellschaftliche Entwicklungen nach dem Systemumbruch. Diskontinuität, Tradition und Strukturbildung“ wird gemeinsam mit der Uni Halle-Wittenberg getragen.
Verhängnisvolle Irrtümer
„Lange Zeit glaubte man, das westdeutsche Sozialsystem werde nach der politischen Vereinigung der beiden Teilstaaten binnen kürzester Zeit auf Ostdeutschland eins zu eins übertragbar sein und entsprechend funktionieren“, erläutert der Soziologe Prof. Dr. Rudi Schmidt als Sprecher des neuen SFB. „Das war aber ein verhängnisvoller Irrtum.“ Vielmehr werde nun offenkundig, dass viele der neuen staatlichen und gesellschaftlichen Institutionen in Ostdeutschland bei weitem nicht dieselbe Akzeptanz genießen wie im Westen. Schmidt: „Besonders deutlich wird das etwa bei den Gewerkschaften, Arbeitgeber-Verbänden oder bei Wohlfahrtseinrichtungen.“
Schmidt und seine Forscherkollegen in Jena und Halle werden nun in einem umfassenden Ansatz die abgelaufenen Transformationsprozesse analysieren, den Ist-Stand bewerten und Prognosen für die Zukunft treffen. „Klar ist, dass diese Transformationsprozesse sehr lange dauern und dass es eine völlig deckungsgleiche Übernahme des westdeutschen Systems auf absehbare Zeit nicht geben wird“, so Schmidt weiter, „vermutlich werden wir in manchen Bereichen einen ,Dritten Weg’ haben.“
Alte Führungseliten
Soziologen, Politikwissenschaftler, Ökonomen, Juristen und Historiker arbeiten bei diesem grundlegenden Forschungsansatz in drei Schwerpunkten interdisziplinär zusammen: Der erste Projektbereich „Struktur und Handlungsorientierung von Führungsgruppen“ befasst sich mit den Funktionseliten in Ostdeutschland, die sich zum großen Teil noch aus dem alten Führungspersonal der ehemaligen DDR rekrutieren. „Das ist ganz wesentlich für die Akzeptanz in der Bevölkerung“, so Schmidt, „allerdings wird es hier innerhalb dieses Jahrzehnts einen Generationenumbruch geben, weil die meisten dieser Führungskräfte dann das Rentenalter erreichen.“
Der zweite Projektbereich ist ganz dem Themenfeld „Beschäftigung und Arbeitsmarkt“ gewidmet; Schmidt: „Wir müssen nicht das alte Schlagwort von den ,blühenden Landschaften’ bemühen, um zu erkennen, dass die arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen längst nicht die erhoffte Wirkung erzielt haben.“ Vielmehr klaffe inzwischen die Ost-West-Schere wieder weiter auseinander als noch zu Ende der 90er Jahre. Im dritten Projektbereich geht es um „Akteure und Institutionen im sozialen Sektor“, womit z. B. das Gesundheitswesen, das Umfeld von Familie und Erziehung, aber auch die politische Kultur und das bürgerschaftliche Engagement gemeint sind.
Wesentlich für die Vergabe des neuen Sonderforschungsbereichs nach Jena war die erfolgreiche Arbeit einer Wissenschaftler-Gruppe um Prof. Rudi Schmidt und Prof. Burkart Lutz (Halle) für die „Kommission zur Erforschung des sozialen und politischen Wandels in den Neuen Bundesländern“ (KPSW) von 1992-96. „Wir haben aber bereits damals festgestellt, dass damit der wissenschaftliche Erkenntnisbedarf bei weitem noch nicht gedeckt ist, sondern dass wir die gesellschaftlichen Umbrüche weiter begleiten müssen“, erläutert Schmidt. Für die Uni Jena bedeutet der „warme Regen“ aus Bonn einen erheblichen Renommee-Gewinn und rund 20 neue Wissenschaftlerstellen. wh

 

7,1 Millionen Mark für „Ereignis Weimar – Jena“

Prof. Dr. Klaus Manger ist stolz auf seine Arbeit.
Um drei weitere Jahre hat die DFG den Sonderforschungsbereich 482 „Ereignis Weimar – Jena. Kultur um 1800“ verlängert. Damit fließen rund 7,1 Mio. Mark an Fördermitteln an die Uni Jena sowie ihre Projektpartner in Halle und Weimar; daraus werden 27 Wissenschaftlerstellen finanziert. „Die DFG-Gutachter haben uns bescheinigt, dass wir in den ersten drei Jahren eine gute Arbeit geleistet haben“, freut sich der Germanist Prof. Dr. Klaus Manger. Die Zahl der Teilprojekte werde sogar von 14 auf 19 ausgedehnt. In dem Großprojekt arbeiten Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften transdisziplinär zusammen.
Sie untersuchen die regionale Kulturverdichtung im Ereignisraum Weimar – Jena um 1800, die einen epochalen Einschnitt im europäischen Geistesleben in Gang setzte. Im Mittelpunkt des Interesses stehen die Kulmination der Aufklärung mit ihren Auswirkungen auf die Philosophie und die Künste, der Umbruch von weltordnenden zu weltentwerfenden Vorstellungen und der Wandel von der Naturgeschichte zu den Naturwissenschaften.
Neue Teilprojekte befassen sich mit Geschichtsphilosophie und Skeptizismus, Festkultur, intellektuellen Frauenpersönlichkeiten, Schauspielmusiken und der Medizingeschichte um 1800. Außerdem ergänzen Vorhaben über Herder und den Kulturtransfer mit Spanien das Programm. wh

 

Walter präsidiert Fachgesellschaft

Zum neuen Vorsitzenden der Gesellschaft für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte (GSWG) ist Prof. Dr. Rolf Walter (48) gewählt worden. Das Votum fiel beim Kongress in Aachen mit großer Mehrheit für den Jenaer Wissenschaftler aus, der als erster Professor einer ostdeutschen Universität dieses Amt für die nächsten vier Jahre ausüben wird; dem Vorstand gehört er bereits seit 1993 an. Die 1961 gegründete GSWG ist der führende Fachverband und die mitgliederstärkste Interessenvertretung der Wirtschafts- und Sozialhistoriker in Deutschland.
Der gebürtige Schwabe Walter kam unmittelbar nach der Wende 1991 an die Uni Jena auf den Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Zuletzt machte er mit Buchpublikationen über die wirtschaftliche Rolle deutscher Bankhäuser bei der Eroberung Südamerikas im 15./16. Jahrhundert und durch die von ihm herausgegebene und mitverfasste Zeiss-Unternehmensgeschichte überregional auf sich aufmerksam. Er gehört dem Beirat des renommierten Frankfurter Instituts für bankhistorische Forschung an und ist Mitverfasser des Standardwerks „Deutsche Börsengeschichte“. wh

 

Was darf der Papst lehren?

Ockham-Forschungsstelle arbeitet in Jena weiter

Die 1999 aus Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Heidelberg eingerichtete Ockham-Forschungsstelle ist im April an die Friedrich-Schiller-Universität Jena umgezogen, wo ihr Leiter, Prof. Dr. Volker Leppin, seit einem Jahr den Lehrstuhl für Kirchengeschichte innehat. „Damit erhält die facettenreiche mediävistische Forschungslandschaft in Jena eine wichtige theologische Ergänzung“, betont Leppin.
Die Forschungsstelle beschäftigt sich mit dem Werk des englischen Theologen und Philosophen Wilhelm von Ockham (ca. 1285-1347), einem sehr „lebendigen“ Denker des späten Mittelalters. Berühmt und bis heute wirkungsvoll ist seine sprachphilosophisch orientierte Lehre von den Allgemeinbegriffen, aber auch in der Theologie und der politischen Theorie hat er neue Akzente gesetzt.
Seine kirchenpolitischen Grundgedanken hat er in einem umfassenden Werk, dem „Dialogus“, niedergelegt. Darin finden sich zwei Traktate, deren Edition und Kommentierung die Jenaer Forschungsstelle auf Grundlage der bisherigen Vorarbeiten zum Abschluss bringen soll.
„Es handelt sich dabei um zwei Schriften, in denen Ockham sich mit der Lehre des damals amtierenden Papstes Johannes XII. auseinandersetzt, der erklärt hatte, Heilige würden nicht unmittelbar nach ihrem Tod zur seligen Schau Gottes gelangen,“ erläutert Volker Leppin. Ein nur scheinbar abseitiges Thema, wie der Theologe meint, denn „es führt mitten hinein in Fragen von Politik, Kirche und Frömmigkeit des späten Mittelalters: Darf ein Papst Dinge lehren, die nicht nur der bisherigen Kirchenlehre, sondern auch der allgemeinen Frömmigkeit mit ihrer heiligen Verehrung widersprechen?“
Die Herausgabe dieser Traktate ist ein Teilprojekt der von einem international besetzten Gremium in Angriff genommenen Gesamtedition des „Dialogus“ unter der Leitung der British Academy. sul

 

Sport trotz Handicaps!

Medizinerin ist Verbands-Vizepräsidentin

Zur Vizepräsidentin des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) ist die Sportmedizinerin Prof. Dr. Johanna Hübscher gewählt worden. Sie gehört damit für die nächsten vier Jahre dem achtköpfigen Vorstand der 320 000 Mitglieder starken Organisation an. Dem DBS – als Pendant zum Deutschen Sportbund – sind 3 450 Vereine in 17 Landesverbänden angeschlossen; er zählt damit zu den weltweit größten Behindertensport-Verbänden.
„Es geht hier nicht nur um ein sportpolitisches Mandat, sondern um eine Aufgabe mit enormer Breitenwirkung“, sagte Hübscher in einer ersten Reaktion. Die Aktivitäten des DBS gliedern sich in die klassischen Felder des Breiten- und Leistungssports sowie den Rehabilitationssport. Besonders letzterer liegt der Sportmedizinerin am Herzen. Denn die Krankheitsverläufe bei vielen progressiven Erkrankungen wie Multipler Sklerose, Rheuma oder Osteoporose lassen sich durch spezifische sportliche Betätigung verzögern oder abmildern; bei Zivilisationskrankheiten, etwa des Herz-Kreislauf-Systems und des Stoffwechsels, oder bei Wirbelsäulenerkrankungen ist der Rehabilitationssport bereits anerkannter Bestandteil der Therapie.
„Leider fangen viele Patienten erst nach einem Krankheitsereignis mit dem Sport an“, berichtet sie. „Trotzdem ist es dafür nie zu spät. Reha-Sport steigert die Lebensqualität erheblich. Manche Patienten gewinnen auf diese Weise sogar annähernd ihre alte Leistungsfähigkeit zurück.“
Aber auch Menschen mit bestehenden Handicaps sind vom Sport nicht ausgeschlossen. Hübscher: „Viele von ihnen finden im Sport eine neue Herausforderung und schöpfen darüber mehr Lebensmut.“ Den Spitzenathleten, die etwa bei Weltmeisterschaften oder den Paralympics antreten, zollt die Sportmedizinerin hohen Respekt: „Sie sind großartige Vorbilder für uns alle, weil sie beweisen, was erreichbar ist – sogar mit Handicap –, wenn man sich nicht aufgibt, wenn man an sich glaubt.“ wh

 

Stiftungs-Experte im Bundesbeirat

In den Beirat des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen ist der Jura-Professor Dr. Olaf Werner (61, Foto) gewählt worden. Der Beirat berät den Vorstand des Bundesverbandes, der als Dachorganisation für rund 4 500 gemeinnützige Stiftungen in der Bundesrepublik dient. Werner leitet seit 1999 dort auch den „Gesprächskreis Stiftungsrecht“. Er ist langjähriges Vorstandsmitglied der Ernst-Abbe-Stiftung und gehört zu den Initiatoren der Kulturstiftung Jena. Bundesweit sorgte er zuletzt für Aufsehen mit seinem Vorschlag, die sowjetische Beutekunst zunächst in eine gemeinsame deutsch-russische Kunststiftung zu überführen, um sie konservatorisch zu sichern, „sonst gibt es bald kaum noch etwas, über dessen Eigentumsverhältnisse man sich noch völkerrechtlich verständigen könnte.“ wh

 

Observierte Mäuse in sechs Gehegen

Feldstation Remderoda nahm Betrieb auf – Ökologen studieren Verhaltensmuster

Mensch und Maus: Prof. Dr. Stefan Halle und eines seiner Studienobjekte auf dem Gelände der neueröffneten Feldstation. Im Hintergrund die durch Blechzäune unterteilten Gehege.
Die Feldstation Remderoda des Instituts für Ökologie hat ihren Betrieb aufgenommen. Auf dem ehemaligen Gutshof westlich von Jena unternehmen Wissenschaftler und Studenten in sechs Gehegen und in Laborräumen verschiedene Experimente zum Verhalten von Feldmäusen.
„Die Mäuse leben in den Gehegen ganz in ihrem natürlichen Lebensraum“, betont Prof. Dr. Stefan Halle. Auf Flächen von je 50 x 50 Metern finden drei bis vier Mäusefamilien, bestehend aus je zehn bis 15 Tieren, Futter und Nistmaterial. Wie in freier Natur werden sie auch von Raubvögeln bedroht. „Nur die Wiesel sperren wir durch einen stabilen Metallzaun aus“, erklärt Halle, „die würden durch ihr aggressives Verhalten jeden Versuch sofort beenden.“
Das Leben der Mäuse wird sorgfältig überwacht: Mit speziellen Mikrochips markiert, werden die Kleinsäuger regelmäßig eingefangen, gewogen und auf ihren Reproduktionsstatus hin untersucht. Außerdem registrieren die Forscher die Bewegung ihrer Studienobjekte mit Hilfe so genannter Passage Counter. Insgesamt 15 dieser kleinen Röhren sind in jedem Gehege verteilt: Wann immer eine Maus hindurch läuft, wird das registriert. „Wir haben die Tiere hier ganz unter Kontrolle“, sagt Halle. „Unsere Arbeit ist dabei ein Mittelding zwischen Freiland- und Laborstudien “, erläutert er und nennt die Vorteile der Gehege: „Im Freiland verliert man schnell den Überblick über die Population. Aber hier kennen wir jede Maus“.
In diesem Jahr wollen die Ökologen herausfinden, wie sich Ein- und Auswanderung auf die Population auswirken. Diese Migration wird von den Wissenschaftlern durch gezieltes Umsetzen der Mäuse von einem Gehege ins nächste gesteuert. „Dadurch, dass wir sechs Gehege haben, sind unsere Versuche auch statistisch abgesichert, da wir die Hälfte immer als Kontrollgehege nutzen können“, so Halle.
Die Daten können direkt vor Ort in Arbeitsräumen im ehemaligen Gutshaus weiterverarbeitet werden. Außerdem gibt es auf dem Gelände eine Wohnung für das Forschungsteam. „Das ist nötig, weil rund um die Uhr in Schichten gearbeitet wird“, erklärt Stefan Halle. sul

 

Prof. Jentzsch im Vorstand

der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft

In den Vorstand der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft (DGG) wurde der Jenaer Prof. Dr. Gerhard Jentzsch (54) für die nächsten sechs Jahre gewählt. Er ist damit zunächst designierter Vorsitzender dieser Fachgesellschaft bis 2003, danach für je zwei Jahre Vorsitzender und Stellvertreter; im Februar 2003 wird er auch Gastgeber für den DGG-Jahreskongress an der Friedrich-Schiller-Universität sein.
Die 1922 in Leipzig gegründete DGG hat heute rund 900 Mitglieder. Sie gibt gemeinsam mit der britischen Royal Astronomical Society und der European Geophysical Society das monatliche Fachblatt „Geophysical Journal International“ heraus, richtet regelmäßig wissenschaftliche Kolloquien und Weiterbildungsveranstaltungen aus und stellt Empfehlungen für das Studium der Geophysik zusammen.
Der gebürtige Sachse Gerhard Jentzsch kam 1996 über die Stationen Bonn und Clausthal-Zellerfeld (Harz) auf den Lehrstuhl für Angewandte Geophysik an die Universität Jena. Er gilt als ausgewiesener Erdbeben- und Vulkanforscher und untersucht unter anderem die Schwarmbebengebiete Vogtland und Ostthüringen, aber auch die Vulkane Galeras (Kolumbien) und Merapi (Indonesien). In den vergangenen Jahren setzte sich Jentzsch vehement für den Ausbau des Geodynamischen Observatoriums Moxa der Uni Jena zu einem modernen seismologischen Forschungszentrum ein. wh

 

Jenaer Hautarzt im Verband aktiv

Prof. Dr. Peter Elsner (45), Direktor der Universitäts-Hautklinik Jena, ist bei der 41. Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) in deren Vorstand gewählt worden. Die DDG ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft der deutschsprachigen Dermatologen mit 2 800 Mitgliedern aus 42 Nationen. Ihre Aufgabe ist es, die wissenschaftliche und praktische Dermatologie und Allergologie zu fördern, höchste Qualität in der Patientenversorgung und Forschung zu sichern und wissenschaftliche Kongresse und Publikationen zur ständigen Fortbildung ihrer Mitglieder zu organisieren. Außerdem bildet die fachliche Beratung der Bevölkerung und öffentlicher Einrichtungen in allen Fragen der Hautgesundheit einen gewichtigen Arbeitsschwerpunkt der DDG. wh

 

Matthias Starck ist „Managing Editor“

Neuer Mitherausgeber der englischsprachigen Fachzeitschrift „Zoology“ ist der Jenaer Privatdozent Dr. Matthias Starck. „Zoology“ erscheint vierteljährlich im Jenaer Urban & Fischer Verlag und wendet sich an ein internationales Publikum. Als eine der wenigen Publikationen ihrer Art spannt sie thematisch den weiten Bogen von der Zell- und Molekularbiologie bis hin zur Biologie gesamter Organismen. Unter den vier gleichberechtigten Herausgebern Thomas Bosch (ehemals Jena, jetzt Kiel), Kiyokazu Agata (Okayama/Japan) und A. Richard Palmer (Edmonton/Kanada) hat Starck die Aufgabe des „Managing Editors“ inne. Der 42-jährige Wissenschaftler hat sich an der Uni Jena auf die Fachgebiete der funktionellen Morphologie, Physiologie und Entwicklungsbiologie von Wirbeltieren spezialisiert. Überregional bekannt wurde er u. a. durch seine Arbeit über die Verdauungsmechanismen von Riesenschlangen. wh

Weitere Infos: www.urbanfischer.de/journals/zoology

 

Neue Wirkstoffe gegen chronische Entzündungen?

Prof. Wetzker koordiniert internationales Projekt

Viereinhalb Millionen Mark stellen die Europäische Union und der Schweizer Nationalfonds für ein multinationales Forschungsprojekt zur Verfügung, das die Entstehungsprozesse von chronischen Entzündungen im Detail aufklären soll. Danach würde eine effektive Heilung von Krankheiten wie Rheuma, Allergien und Multipler Sklerose in greifbare Nähe rücken. Das Vorhaben, an dem Mediziner, Biologen, Biochemiker und Pharmakologen aus Jena, Genf, Fribourg (CH), London, Madrid und Turin beteiligt sind, wird von dem Jenaer Prof. Dr. Reinhard Wetzker koordiniert.
„Das physiologische Prinzip, nach dem diese chronischen Entzündungsprozesse ablaufen, berührt fast immer die so genannten Phagozyten – das sind Fresszellen –, die aus dem Ruder gelaufen sind und sogar gesunde Zellen angreifen“, erläutert Wetzker. Dabei haben diese Fresszellen normalerweise eine sehr sinnvolle Funktion im menschlichen Organismus: Sie bilden die vorderste Frontlinie gegen eingedrungene Bakterien und bekämpfen Infektionen. „Deshalb kann eine Therapie sich nicht grundsätzlich gegen die Phagozyten richten“, so Wetzker, „sondern wir müssen versuchen, die gestörten Regulationsmechanismen in den Griff zu bekommen.“
Eine Schlüsselrolle spielt dabei ein spezielles Enzym, die so genannte Phosphoinositid-3-Kinase g (PI3Kg), die Wetzkers Arbeitsgruppe vor sechs Jahren weltweit erstmals isoliert und beschrieben hat. Nun gilt die gemeinsame Anstrengung dem Ziel, die genauen Wirkprozesse dieses Enzyms auf molekularer Ebene aufzuklären und einen Arzneiwirkstoff zu finden, mit dessen Hilfe sich die körpereigene Produktion des Enzyms regulieren lässt. wh