Schlaglichter
  Uni Home I Referat Öffentlichkeitsarbeit I

Editorial
Inhalt
Themen
Forschung
Studium und Lehre
Essay
Rubriken
Impressum

Ablösefrei an die Saale

Frank Daumann lehrt Sportökonomie

In seinem neuen Fachgebiet sieht der 36-jährige Prof. Dr. Frank Daumann (Foto) angesichts der „zunehmenden Ökonomisierung des Sports“ eine sinnvolle Kombination, „nicht nur, wenn wir an Bundesliga-Vereine und die Champions League denken.“ Denn der dynamische Wirtschaftswissenschaftler schaut über das reine Management von Sportvereinen weit hinaus. Ihn interessiert zum Beispiel auch, wie Fun-Sportarten im Freizeitbereich etabliert werden oder welche volkswirtschaftlichen Zusammenhänge es zwischen Präventions- bzw. Reha-Sport und dem Gesundheits- und Sozialsystem gibt.
„Jahresumsätze in mehrstelliger Millionenhöhe sind heute – in Zeiten der Fernsehvermarktung von Sportrechten – bei deutschen Profi-Vereinen eher die Regel“, so Daumann, „dennoch ist ein professionelles Management nach betriebswirtschaftlichen Methoden eher die Ausnahme.“ Fußball-Manager wie Uli Hoeneß, Reiner Calmund oder Michael Meier betrachtet er als Glücksfälle, vor allem in unteren Ligen und anderen Sportarten vermisst er ähnlich kompetente Persönlichkeiten.
„Da wird mein neues Fachgebiet an der Uni Jena vielleicht ein bisschen Abhilfe schaffen können“, weist er auf künftige Betätigungsfelder seiner Studenten hin. Grundsätzlich positiv eingestellt, kennt Daumann auch die Probleme durch die Ökonomisierung des Sports: etwa die Verantwortungsstrukturen in den Vereinen, die drohende Polarisierung der Ligen zwischen reichen und armen Vereinen oder die Gefahr einer Übersättigung der Zuschauer mit Sport im Fernsehen. Seine wissenschaftliche Ausbildung hat Frank Daumann mit einem BWL-Studium und anschließender Promotion und Habilitation an der Universität Bayreuth absolviert. In Jena fühlt sich der gebürtige Franke schon sehr wohl. „Das ist eine sehr sympathische Stadt mit dynamischen Menschen und einem breiten Sportangebot“, weiß der passionierte Squasher und Skifahrer, „auch wenn der traditionsreiche FC gerade abgestiegen ist.“ wh

 

Die Rhythmik der Algen

Maria Mittag neue Professorin für Botanik

Warum leuchtet das Meer vor allem nachts? – Eine Frage, der Dr. Maria Mittag (Foto), neuberufene Professorin für Allgemeine Botanik, während eines Forschungsaufenthaltes in Harvard nachging. Dort untersuchte sie die Proteine, die bei der Meeresalge Gonyaulax polyedra für das Leuchten verantwortlich sind. Sie werden nur nachts synthetisiert, unterliegen also dem Tag-Nacht-Rhythmus, der so genannten circadianen Rhythmik.
Inzwischen hat die 39-jährige, die an der Universität Erlangen-Nürnberg promovierte, ihre Untersuchungen auch auf andere Organismen ausgeweitet und will Näheres über den Zusammenhang von circadianer Rhythmik und Entwicklungsvorgängen herausfinden, wobei ihr die Grünalgen Chlamydomonas und Volvox als Modell dienen. Später will sie diesen Zusammenhang auch bei höheren Pflanzen wie Arabidopsis untersuchen.
Algen, so meint die Biologin, die sich in München habilitierte und dort zuletzt wissenschaftliche Oberassistentin war, sind ideale Studienobjekte, weil sie leicht zu kultivieren sind und ökologisch eine sehr wichtige Rolle spielen. Weil dennoch relativ wenig über die Molekularbiologie der Algen bekannt ist, möchte sie in Jena einen neuen DFG-Schwerpunkt initiieren, der Algen als Modell für molekulare Mechanismen zum Thema hat.
Die Stadt an der Saale hat sie vor allem wegen der hier herrschenden Aufbruchstimmung angezogen. Sie schätzt sowohl das attraktive wissenschaftliche Umfeld in der Botanik als auch die Nähe zu Biotechnologie-Firmen. So lehnte sie im Juni zugunsten ihrer Jenaer C 3-Professur den Ruf auf einen Lehrstuhl an der TU Darmstadt ab. Aber auch für die Freizeit sieht die gebürtige Fränkin in Jena einen guten Standort: Kann sie doch in den umliegenden Bergen ihrer Wanderleidenschaft frönen. sul

 

Den Wandel fest im Blick

Prof. Birgit Pfau-Effinger für Soziologie berufen

Als Soziologieprofessorin mit dem Schwerpunkt Gesellschaftsvergleich ist Birgit Pfau-Effinger (Foto) neu nach Jena berufen worden. Die gebürtige Westfalin und Wahl-Dresdnerin hat sich spezialisiert auf die Analyse der Veränderungsprozesse in Europa seit dem Ende des ,Kalten Krieges’. In der Leitung des groß angelegten COST A13-Programms der Europäischen Union über „Sich verändernde Arbeitsmärkte, Wohlfahrtspolitik und Bürgerschaft“ ist sie die einzige deutsche Repräsentantin.
„Für die Betroffenen bedeutet es eine erhebliche Umstellung, wenn plötzlich vieles Altvertraute verschwindet und die bewährten Konstanten im Leben – Arbeit, Familie, kulturelle Grundlagen – in Frage gestellt werden.“ Deshalb vollzieht sich der Wandel nicht durch eine 1:1-Übertragung des neuen Systems. So hat sich zum Beispiel in Ostdeutschland die alte Vorstellung von Kindheit und Familie recht weitgehend erhalten. Nach wie vor sind viele Mütter erwerbstätig, und die Kinder werden von klein auf in öffentlichen Einrichtungen betreut. „Im Westen arbeiten Frauen, sobald erst einmal Nachwuchs da ist, höchstens in Teilzeit weiter“, bemerkt die Professorin, selbst Mutter einer elfjährigen Tochter.
Studiert hat Birgit Pfau-Effinger an den Unis in Göttingen und Bremen, wo sie 1987 über Veränderungen von Erwerbsverläufen in der Krise promovierte und sich vor drei Jahren auch habilitierte; Thema: „Kultur oder Institutionen? Kulturelle und wohlfahrtsstaatliche Kontextbedingungen der Erwerbsbeteiligung von Frauen im europäischen Vergleich“.
In den 90er Jahren war sie dann längere Zeit als Gastprofessorin in Tampere (Finnland), wo sie auch ideale Bedingungen für ihre sportliche Freizeit fand. „Das Rennrudern habe ich inzwischen aufgegeben“, lacht sie, „aber Reiten, Fitness-Training und Volleyball funktionieren auch hier ganz gut.“ wh