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E-Commerce: Wer muss zahlen?

200 Experten diskutierten Fragen der Besteuerung

Der Intershop-Tower: Fast sieht er aus wie ein Stapel Kleingeld. Die Jenaer Firma stellt e-Commerce-Software her.
Die Besteuerung jener Unternehmen, die ihr Geld im Internet verdienen, wirft nach Meinung des Jenaer Steuerexperten Prof. Dr. Kurt-Dieter Koschmieder eine Reihe von Problemen auf. „Ausschlaggebend für die Besteuerung ist die Frage, wo bei einem solchen Unternehmen der Gewinn entsteht“, gibt der Jenaer Professor für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre/Wirtschaftsprüfung zu bedenken.
Globales Geschäftsfeld
Wenn die Firma ihr Hauptgeschäftsfeld zwar in Deutschland habe, die zentralen Server des Unternehmens jedoch in einem Niedrigsteuerland stehen, sei es schwierig, den Unternehmenssitz zu definieren, erläutert Koschmieder weiter. Im neuen Zeitalter des Internets sei es daher wichtig, sich international über die Besteuerung der e-Commerce-Firmen zu verständigen. Auf der Fachtagung „Jenaer Steueroptik“, die Anfang Mai an der Friedrich-Schiller-Universität stattfand, diskutierten Wissenschaftler, Steuerberater und Verwaltungsmitarbeiter unter anderem dieses aktuelle Thema.
„Besonders wichtig war uns dabei der praktische Bezug“, betont Kurt-Dieter Koschmieder, der zusammen mit der Steuerrechtlerin Prof. Monika Jachmann die Tagung ausrichtete. „Wir wollten bei dem Treffen zeitnah Antworten geben auf die aktuellen Fragen und all jenen, die in der Praxis damit zu tun haben, konkrete Handlungsempfehlungen anbieten.“
So wurden beispielsweise spezifische Fragen der Unternehmensbesteuerung wie Ausschüttungs- und Verlustrechnungsstrategien im Übergang auf das neue Halbeinkünfteverfahren bei Kapitalgesellschaften und ihren Anteilseignern sowie die Buchwertübertragung und Gewerbesteuer-Ermäßigung bei Personengesellschaften erörtert.
Gläserner Steuerpflichtiger
Einen weiteren Schwerpunkt der Tagung bildeten die neuen Möglichkeiten der Finanzverwaltungen, auf elektronische Daten der Unternehmen zuzugreifen. Professor Koschmieder erklärt: „Die Standard-Software, die dazu in Zukunft bei Betriebsprüfungen eingesetzt werden soll, erlaubt es, alle Daten über Warenein- und -ausgänge zueinander in Bezug zu setzen und mit Daten von Lieferanten und Kunden zu vergleichen. „Damit wird einer Gewinnverschiebung, auch über Grenzen hinweg, Einhalt geboten.“ Diesem Vorteil der Finanzbehörden haben die Steuerexperten aber die verfassungsrechtlichen Bedenken einer solchen Zugriffsmöglichkeit gegenübergestellt und in einer Podiumsdiskussion mit dem Titel „Der gläserne Steuerpflichtige“ kontrovers erörtert.
Die Tagung „Jenaer Steueroptik“ wird von Kurt-Dieter Koschmieder regelmäßig in Zusammenarbeit mit der Steuerberaterkammer Thüringen und der Arthur Andersen Wirtschaftsprüfungs-/Steuerberatungsgesellschaft ausgerichtet. In diesem Jahr kamen rund 200 Teilnehmer. sul

 

Insolvenzrechts-Reform

Wie sollen nach einem Konkurs die Ansprüche der Gläubiger befriedigt, wie möglicherweise die Weiterbeschäftigung der Mitarbeiter gesichert werden? Eine Schlüsselrolle dabei kommt dem gerichtlich eingesetzten Insolvenzverwalter zu. Seine Stellung stand am 6. Juli im Mittelpunkt des 2. Wirtschaftsrechtlichen Forums in Jena. Besonders für die Neuen Länder hat die Insolvenzordnung essentielle Bedeutung. „Im ersten Halbjahr 2001 gab es hier über 5 000 Insolvenzen“, berichtet Veranstalter Prof. Dr. Walter Bayer.
Kritiker bemängeln, dass schon bei der Wahl des Insolvenzverwalters die Gläubiger -Stimmrechte nach der Höhe der Forderungen gewichtet werden. „Dabei darf man nicht übersehen, dass die Banken ihre Forderungen zumeist schon anderweitig abgesichert haben“, bemerkt Bayer. Umstritten ist auch, ob es bei der Bestellung des Insolvenzverwalters eine hinreichende Konkurrenz zwischen geeigneten Anwaltskanzleien gibt. Möglicherweise werde dafür aber die anstehende Novelle des Insolvenzrechts eindeutigere Kriterien vorstellen, hofft der Jurist. wh