Der Erfurter Humanismus als gruppenspezifisches Netzwerk.
Helius Eobanus Hessus und seine Korrespondenzpartner

Briefedition mit Kommentar; paradigmatische Auswertung von

Widmungs- und Geleitschreiben



Eobanus Hessus (1488-1540) war das Haupt des jüngeren Erfurter Humanistenkreises. Durch seine Aktivitäten bestimmte er das intellektuelle Klima in der Stadt maßgeblich mit. Diese blieb für ihn auch dann das geistige Zentrum, wenn er zeitweise Rufen an andere Wirkungsstätten folgte. In seinem Briefwechsel spiegelt sich das Bemühen der Humanisten, ihre Ideale gegen andere gesellschaftliche Gruppierungen durchzusetzen. Ebenso wird darin das Beziehungsgeflecht deutlich, in das Eoban eingebunden war. Besondere Spezifika des Erfurter Humanismus werden sich erst auf der Grundlage einer kritischen Edition seiner Korrespondenz herausarbeiten lassen, die eine wertvolle zeitgeschichtliche Quelle darstellt.

Besonders aufschlußreich für die Standortbestimmung des Dichters in der vor- und nachreformatorischen res publica (litterarum) ist die Auswertung von Widmungs- und Geleitschreiben, die häufig programmatische Äußerungen enthalten. Aus den Dedikationen lassen sich u. a. Einblicke in das zeitgenössische Mäzenatentum gewinnen. Die Beiträgertexte, die Eoban zu Werken anderer oder andere zu den Werken Eobans verfaßten, werfen ein Licht auf die Zusammensetzung von Interessengemeinschaften, die mit diesem publizistischen Medium die öffentliche Meinung zu lenken suchten.

Die Briefedition erfolgt in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Harry Vredeveld (Department of Germanic Languages and Literatures, Ohio State University, Columbus (OH), U.S.A.