Kommentiertes Vorlesungsverzeichnis

Wintersemester 2008/2009




V         Einführung in die Mittellateinische Philologie                                                     Mi. 12-14 Uhr

Prof. Dr. Gerlinde Huber-Rebenich                                                                UHG, SR 221

[modularisiertes Magistergrundstudium Mittel-/Neulatein: P 1; B.A. Altertumswissenschaften: MNLat 200; B.A. Mittel-/Neulatein (Ergänzungsfach): MNLat 200]

Die Vorlesung dient dazu, Studierenden der Mittel- und Neulateinischen Philologie, aber auch Altertumswissenschaftlern und Mediävisten aus anderen Fachbereichen die Vielgestaltigkeit des lateinischen Mittelalters zu erschließen. Themenschwerpunkte bilden die Geschichte der Schrift und des Buches, die Entwicklung der Sprache, typische Literaturgattungen und Versformen sowie die hermeneutischen Methoden der Textauslegung. Ein abschließender Blick gilt dem Urteil der Nachwelt über das Mittellatein und der Geschichte des Faches.

Literatur: U. Kindermann, Einführung in die lateinische Literatur des mittelalterlichen Europa, Turnhout 1998.

 

 

PS       Einführung in die Mittellateinische Philologie                                                     Fr. 8-10 Uhr

            Prof. Dr. Gerlinde Huber-Rebenich                                                                UHG, SR 163

[modularisiertes Magistergrundstudium Mittel-/Neulatein: P 1; B.A. Altertumswissenschaften: MNLat 200; B.A. Mittel-/Neulatein (Ergänzungsfach): MNLat 200]

Im Proseminar werden die in der Vorlesung vermittelten Kenntnisse durch gemeinsame Lektüre und Aufgabenstellungen vertieft und der Umgang mit den wichtigsten Arbeitsinstrumentarien eingeübt.

 

 

Ü         Einführung in die lateinische Sprache des Mittelalters                                       Do. 16-18 Uhr

            Prof. Dr. Gerlinde Huber-Rebenich                                                                UHG, SR 163

[modularisiertes Magistergrundstudium Mittel-/Neulatein: P 6; B.A. Altertumswissenschaften: MNLat 311; B.A. Mittel-/Neulatein (Ergänzungsfach): MNLat 330]

Das klassische Latein erfuhr auf dem Weg in und durch das Mittelalter mannigfache Veränderungen. Formenlehre, Orthographie und Syntax sind davon ebenso betroffen wie die Semantik einzelner Wörter. Wichtige Faktoren, die diesen Prozess beeinflussten, sind das Vordringen des Christentums mit seiner an der Bibel orientierten Sprache und die Entwicklung hin zu den Volkssprachen. Anhand der Lektüre von Texten aus verschiedenen Jahrhunderten und verschiedenen geographischen Räumen soll ein Überblick über die wichtigsten Etappen der Sprachentwicklung vermittelt und zugleich der Frage nachgegangen werden, welche äußeren (sozialen, geistesgeschichtlichen, politischen, ...) Einflüsse die jeweilige Veränderung bedingten oder begünstigten.

Literatur: P. Stotz, Handbuch zur lateinischen Sprache des Mittelalters, 5 Bde. (= Handbuch der Altertumswissenschaft Abt. 2, Teil 5, Bd. 1-5), München 1996-2004 (zur Einführung: v.a. Bd. 1: Einleitung).

 

 

Ü         Paläographie IV: Humanistenschrift und früher Buchdruck                               Mi. 16-18 Uhr

            Prof. Dr. Gerlinde Huber-Rebenich                                                                 UHG, HS 235

[modularisiertes Magistergrundstudium Mittel-/Neulatein: P4; B.A. Altertumswissenschaften und B.A. Mittel-/Neulatein (Ergänzungsfach): MNLat 300]

Mangelnde Standardisierung und schlechte Leserlichkeit der gotischen Schriftarten ließen den Wunsch nach einer Schriftreform aufkommen, die von namhaften Humanisten wie Coluccio Salutati und Francesco Poggio Bracciolini mitgetragen wurde. Als Vorbild diente die karolingische Minuskel. Das Ziel der Übung besteht darin, die Entwicklung der humanistischen Schrift anhand ausgewählter Beispiele aus Tafelwerken nachzuvollziehen und einzelne Schreiberhände kennenzulernen. Neben der handschriftlichen Buchproduktion wird auch der frühe Buchdruck in den Blick genommen.

Literatur: A. de la Mare, The Handwriting of Italian Humanists, vol. I, fasc. I, Oxford 1973; O. Mazal, Paläographie und Paläotypie. Zur Geschichte der Schrift im Zeitalter der Inkunabeln, Wiesbaden 1984.

 

 

HpS     Hagiographie / Martins-Viten                                                                          Do. 12-14 Uhr

            Prof. Dr. Gerlinde Huber-Rebenich                                                                UHG, SR 163

[Für Studierende der Studiengänge M.A. Griechische und lateinische Philologie (Antike bis Humanismus), M.A. Mittelalterstudien und M.A. Literatur-Kunst-Kultur: MNLat 820]

Die Hagiographie hält das Leben und Wirken von Heiligen für die Nachwelt fest, um dieser ein Vorbild für die rechte christliche Lebensführung an die Hand zu geben. Dabei treten historische Fakten oft hinter den exemplarischen und ideologischen Charakter der Lebensbeschreibung zurück, und mit dem Wandel der historischen und gesellschaftlichen Verhältnisse ändern sich auch die Vorstellungen von Heiligkeit. Die christliche Hagiographie ist formal keine homogene literarische Gattung. Sie steht ebenso in Beziehung zur antiken Prosabiographie wie zu epischen Formen des Heldenpreises. Ein bedeutender Heiliger der Westkirche, dessen Leben und Taten in Spätantike und Frühmittelalter immer wieder neue Bearbeiter fand, ist Martin von Tours (gest. 397). Sein erster Biograph war sein Zeitgenosse Sulpicius Severus, dem Paulinus v. Périgueux, Venantius Fortunatus, Gregor v. Tours und Alkuin nachfolgten.

Ausgehend von der Martins-Vita des Sulpicius Severus sollen im Seminar die verschiedenen Bearbeitungen im Hinblick auf ihre literarische Gestaltung und ihre Aussageabsicht miteinander verglichen werden. Begleitend dazu wird im angeleiteten Selbststudium (für M.A.-Studierende verpflichtend) ein allgemeiner Überblick über verschiedene Formen der abendländischen Hagiographie vermittelt.

Textausgabe: Sulpice Sévère, Vie de Saint Martin. Introd., texte et trad. par Jacques Fontaine, 3 Bde. (Sources chrétiennes 133-135), Paris 1967-1969.

Literatur: W. Berschin, Biographie und Epochenstil im lateinischen Mittelalter, 5 Bde., Stuttgart 1986-2004; D. von der Nahmer, Die lateinische Heiligenvita. Eine Einführung in die lateinische Hagiographie, Darmstadt 1994; M. van Uytfanghe, Artikel ‚Heiligenverehrung II (Hagiographie)’, in: RAC 14 (1988), 150-183; M. Vielberg, Der Mönchsbischof von Tours im ‚Martinellus’, Berlin / NewYork 2006.

Für Studierende der Studiengänge M.A. Griechische und lateinische Philologie (Antike bis Humanismus), M.A. Mittelalterstudien und M.A. Literatur-Kunst-Kultur:

Eingangsklausur (im Rahmen der 1. Sitzung): Vorausgesetzt wird

-         die Kenntnis der Martins-Vita des Sulpicius Severus; die Teilnehmer sollen in der Lage sein, den Inhalt markanter Episoden zu referieren;

-         die Lektüre des Martins-Kapitels in Berschin, Biographie und Epochenstil, Bd. 1, S. 195-211 (incl. der dort mit Übersetzung abgedruckten lateinischen Auszüge);

-         die Lektüre der Artikel ‚Hagiographie’ (Abschnitte A u. B I) und ‚Martin v. Tours’, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 4, Sp. 1840-1845 und Bd. 6, Sp. 344 f.;

-         die Lektüre der Artikel zu den Martins-Biographen Sulpicius Severus, Paulinus v. Périgueux, Venantius Fortunatus und Gregor v. Tours in: S. Döpp / W. Geerlings (Hgg.), Lexikon der antiken christlichen Literatur, 3., vollst. neu bearb. u. erw. Aufl., Freiburg u.a. 2002 (11998).

Begleitende Tutorien: Sa, 13.12.08, 10.00-15.00 Uhr und 7.2.09, 10.00-15.00 Uhr; jeweils Arbeitsraum ThULB, Ebene 2]