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Die Gartenlandschaft Thüringens verdient im bundesdeutschen und europäischen
Kontext besonderes Interesse. In den thüringischen Staaten übertrug ein
komplexes System von Residenzen und nachgeordneten Satellitenstaaten, die im
17. Jahrhundert durch Erbteilung entstanden waren, auf engem Raum die
verschiedensten Herrschaftsideale der europäischen Großmächte auf die lokalen
Gegebenheiten. Eine besondere Rolle spielte dabei das Anlegen englischer
Landschaftsparks (Gotha, Wilhelmstal, Meiningen, Weimar) – zum Teil deutlich
früher als in den anderen deutschen Territorien. Mit diesem Paradigmenwechsel
ging ein neues Herrschaftsbild einher: Der Souverän verstand sich nicht mehr als
Territorialherr, der einem Gebiet seinen gestalterischen Willen aufzwang
(Regulierung und Domestizierung der Natur durch den französischen
Formalgarten), sondern buchstäblich als ein ‚Landes-Vater‘. Das Staatsgebiet war
eine Landschaft, die es zu verschönern und zu veredeln galt.
Diese ‚Landesverschönerung‘ verdichtete sich exemplarisch im englischen Park,
der seinerseits in die Umgebung ausgriff und diese einbezog. Darüber hinaus
verband der Landschaftsgarten in Thüringen als Ausdruck einer weltoffenen
Gesinnung politische Ideale mit einem auf ethischen Werten beruhenden
Naturbegriff. Aus dieser Synthese entstand ein in Europa einzigartiges
Herrschaftsideal: Den politisch, militärisch und wirtschaftlich überlegenen
Großmächten suchte man eine eigene Identität, ein spezifisch auf die
Kleinstaaten abgestimmtes Gegenmodell höfischer Repräsentation entgegen zu
setzen.
Das DFG-Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, die wichtigsten thüringischen Gärten
daraufhin zu befragen, mit welchen gestalterischen Mitteln sie welches
Herrschaftsverständnis vermittelten. In der Forschung wird der Übergang vom
französischen Formal- zum englischen Landschaftsgarten häufig als eine
‚Gartenrevolution‘ bezeichnet, in der sich die geistige Emanzipation des
Bürgertums und eine allgemeine Liberalisierung der Gesellschaft widerspiegeln.
Dagegen arbeitet das Projekt mit der These, dass die sog. Gartenrevolution in
den thüringischen Staaten – je nach Auftraggeber – ganz unterschiedliche Ziele
verfolgte. Teils stand sie tatsächlich für Reformen, teils war sie aber auch ein
Instrument, um die bestehenden Herrschaftsstrukturen zu konservieren.
Ergänzt wird die Arbeit des Projekts wissenschaftliche Arbeiten von
Magistranden und Doktoranden sowie von den Mitarbeitern des
Kunstgeschichtlichen Instituts
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