DFG-PROJEKT GARTEN-RÄUME, POLITISCHE RÄUME. DIE GARTENKUNST IN THÜRINGEN
1750-1900
 
Die Gartenlandschaft Thüringens verdient im bundesdeutschen und europäischen Kontext besonderes Interesse. In den thüringischen Staaten übertrug ein komplexes System von Residenzen und nachgeordneten Satellitenstaaten, die im 17. Jahrhundert durch Erbteilung entstanden waren, auf engem Raum die verschiedensten Herrschaftsideale der europäischen Großmächte auf die lokalen Gegebenheiten. Eine besondere Rolle spielte dabei das Anlegen englischer Landschaftsparks (Gotha, Wilhelmstal, Meiningen, Weimar) – zum Teil deutlich früher als in den anderen deutschen Territorien. Mit diesem Paradigmenwechsel ging ein neues Herrschaftsbild einher: Der Souverän verstand sich nicht mehr als Territorialherr, der einem Gebiet seinen gestalterischen Willen aufzwang (Regulierung und Domestizierung der Natur durch den französischen Formalgarten), sondern buchstäblich als ein ‚Landes-Vater‘. Das Staatsgebiet war eine Landschaft, die es zu verschönern und zu veredeln galt.

Diese ‚Landesverschönerung‘ verdichtete sich exemplarisch im englischen Park, der seinerseits in die Umgebung ausgriff und diese einbezog. Darüber hinaus verband der Landschaftsgarten in Thüringen als Ausdruck einer weltoffenen Gesinnung politische Ideale mit einem auf ethischen Werten beruhenden Naturbegriff. Aus dieser Synthese entstand ein in Europa einzigartiges Herrschaftsideal: Den politisch, militärisch und wirtschaftlich überlegenen Großmächten suchte man eine eigene Identität, ein spezifisch auf die Kleinstaaten abgestimmtes Gegenmodell höfischer Repräsentation entgegen zu setzen.

Das DFG-Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, die wichtigsten thüringischen Gärten daraufhin zu befragen, mit welchen gestalterischen Mitteln sie welches Herrschaftsverständnis vermittelten. In der Forschung wird der Übergang vom französischen Formal- zum englischen Landschaftsgarten häufig als eine ‚Gartenrevolution‘ bezeichnet, in der sich die geistige Emanzipation des Bürgertums und eine allgemeine Liberalisierung der Gesellschaft widerspiegeln. Dagegen arbeitet das Projekt mit der These, dass die sog. Gartenrevolution in den thüringischen Staaten – je nach Auftraggeber – ganz unterschiedliche Ziele verfolgte. Teils stand sie tatsächlich für Reformen, teils war sie aber auch ein Instrument, um die bestehenden Herrschaftsstrukturen zu konservieren.

Ergänzt wird die Arbeit des Projekts wissenschaftliche Arbeiten von Magistranden und Doktoranden sowie von den Mitarbeitern des Kunstgeschichtlichen Instituts