Herzlich Willkommen auf den Internetseiten des Lehrstuhls für Geschichte und Ästhetik der Medien · Prof. Dr. Karl Sierek
Filmreihe im Schillerhof SS2012

Die Hochschulzeitung Unique berichtet
Der Mann aus Pécs
Der
ungarische Regisseur Béla Tarr ist mit seinen sperrigen Filmen ein
Geheimtipp für Cinephile in Europa. Eine Filmreihe des Lehrstuhls für
Geschichte und Ästhetik der Medien im Schillerhof war angetreten, ihn
in Jena bekannt zu machen.
Dauerregen,
bedrohliches Wetter, der Himmel verfinstert sich und die Wolken ballen
sich am Horizont zusammen. Ein unheilvoller, mit jedem Tag stärker
werdender Wind pfeift um die Fenster, und nur ein einsamer Bauer, der
zusammen mit seiner Tochter in einer zerfallenen Hütte im Nirgendwo
haust, scheint diesen Naturgewalten zu trotzen. Hinter der Hütte
erstreckt sich die Ebene, von Nebel umzogen – eine sich endlos
ausdehnende Landschaft, die keinen Anfang und kein Ende kennt, ein
öder, sich scheinbar ewig erstreckender Raum, dem die Menschen
schutzlos ausgeliefert sind. Der Herbst war lang und dunkel, doch oben
beschriebene Bilder läuten nicht das Ende unserer Welt ein. Sie
entspringen dem Kopf des ungarischen Regisseurs Béla Tarr, des wohl
radikalsten Exponenten einer Filmschule, die sich ihre eigene Ästhetik
fernab des Mainstreams und Massengeschmacks erschaffen hat.
Béla
Tarr, 1955 im südungarischen Pécs geboren und mit Filmen wie
Sátántangó, Die Werckmeisterschen Harmonien und Der Mann aus London zu
internationaler Bekanntheit gelangt, galt unter Filmkennern bisher eher
als Geheimtipp. Dies änderte sich schlagartig im Februar des letzten
Jahres, als sein Film A torinói ló (Das Turiner Pferd) auf der
Berlinale mit dem Silbernen Bären und dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnet
wurde. Der Film, der das Schicksal eines Bauern und seiner Tochter im
Angesicht einer zunehmend lebensfeindlichen Umwelt schildert, erlebte
Mitte März nun auch seinen bundesweiten Start und erntete in sämtlichen
Medien überwiegend positive Kritiken. Er gilt als das bisher radikalste
Werk des Autorenfilmers und markiert gleichzeitig den Gipfel- und
Endpunkt im Oeuvre eines Regisseurs, der immerhin auf eine mehr als
drei Dekaden umspannende Karriere zurückblicken kann. Doch nun ist
Schluss: Tarr hat sein Werk für abgeschlossen erklärt und will sich
fortan ganz der Tätigkeit als Produzent sowie der Gründung einer
Filmschule in Kroatien verschreiben.
Zeitgleich mit einer großen
Retrospektive, die im Winter im Pariser Centre Pompidou lief, waren im
Wintersemester 2011/2012 – initiiert und organisiert vom Lehrstuhl für
Geschichte und Ästhetik der Medien der FSU Jena – im Kino im
Schillerhof einige der wichtigsten Werke Béla Tarrs (Verdammnis, Die
Werckmeisterschen Harmonien, Der Mann aus London) zu sehen, doch auch
Filme anderer Regisseure, die mit Tarr in Zusammenhang stehen. Miklós
Jancsó, Altmeister und gewissermaßen Neuerfinder des ungarischen Kinos,
machte in den 60er Jahren nicht nur durch eine Reihe von
Historienfilmen auf sich aufmerksam, sondern übte mit seinen langen,
sich über mehrere Minuten hinziehenden und minutiös choreographierten
Plansequenzen auch wesentlichen Einfluss auf Stil und Ästhetik Béla
Tarrs. Neben Jancsós Filmen Die Männer in der Todesschanze und Roter
Psalm (Goldene Palme in Cannes 1972) stellten insbesondere die Filme
Glut und Fate (Verhängnis) des ungarischstämmigen Autorenfilmers Fred
Kelemen, seines Zeichens Kamera-Mann Béla Tarrs, eine wahre Rarität
dar, sind die Filme in deutschen Kinos doch selten zu sehen. Abgerundet
wurde die Filmreihe schließlich von einem spannenden Vortrag András
Bálint Kovács’, künstlerischer Assistent Béla Tarrs sowie Mitbegründer
des Filmwissenschaftlichen Instituts der ELTE Universität Budapest, der
den Zuschauern interessante Einblicke in Béla Tarrs Leben, Wirken,
Arbeitsweise und Filme verriet.
von Silvia Petzoldt und Christian Wehmeier
Quelle
Forschungssemester
2012 Karl Sierek
Forschung:
Projektarbeiten
und Recherchen an der Université de
Montréal zum laufenden
Projekt
Bildanimismus auf Einladung des Département de littérature comparée.
Vorträge:
Jean Mitry between phenomenology and film analysis.
2012,
April 12th, Department of Visual and Environmental Studies, Harvard University
Animisme de l’image. Pour une histoire de la théorie d’un concept
mouvant.
2012,
19 avril, Département de littérature comparée, Université de
Montréal.
Mitry à Montréal.
Für
Ende April 2012 vorgesehen im Département d'histoire de l'art et
d'études cinématographiques, Université de
Montréal.
Prüfungen
und Betreuung der Abschlußarbeiten sind selbstverständlich auch während
des Forschungssemesters gewährleistet. Sprechstunde nach Anmeldung.