Kalmyken – ein buddhistisches Volk in Europa
Bilder der Ausstellung in der Goethe-Gallerie vom 26.04. – 07.05.2004









Eine anerkannte und populäre Vertreterin des Volkes in der Gegenwart ist dir Duma-Abgeordnete Alexandra Buratajewa. Sie hat die Vergangenheit ihres unter Stalin deportierten Volkes in einem Film mit dem Titel „Operation Ulusy“ verarbeitet und bekannt gemacht. Die Uraufführung in Deutschland fand in Jena anlässlich dieser Ausstellung an der Friedrich-Schiller-Universität statt.

Alexandra Buratajewa im Gespräch mit MDR-Regisseur und Dr. Johannes Kitzmann vom Max-Planck-Institut
Kalmücken – ein buddhistisches Volk in Europa
Völkerkundliche Ausstellung bis 7. Mai in Goethe Galerie
„Kalmücken – Ein buddhistisches Volk in Europa„ lautet der Titel einer
Ausstellung vom 26. April bis 7. Mai in der Goethe Galerie. „Die Präsentation
will einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten und ist in ihrer Form bisher
einmalig„, erläutert Lidija Wartmann-Buratajewa ein wichtiges Anliegen. Die an
der Friedrich-Schiller-Universität tätige Diplom-Bibliothekarin lebt seit 1978
in Jena und ist Vertreterin der Kalmückischen Staatsuniversität in Deutschland.
In ihrer Rolle als Botschafterin des westmongolischen Volkes hat sie gemeinsam
mit Studenten die Ausstellung konzipiert.
Die Kalmücken sind ein von viel Flucht geprägtes Volk: Ihre historischen Wurzeln
liegen in der Mongolei, doch ihre richtige Heimat ist Russland und damit Europa.
Ab 1608 wanderten die Kalmücken nach Russland bis in das Steppengebiet der
unteren Wolga und erhielten 1618 von Zar Michail Fjodorowitsch eine Urkunde über
die „gnädige Aufnahme in die russische Staatsbürgerschaft„. 1630 überschritten
sie die Wolga. Die Hauptfunktion der Nachkommen Dschingis Khans bestand darin,
die südlichen Grenzen Russlands zu überwachen.
Die Einmischung der zaristischen Regierung in die inneren Angelegenheiten der
Kalmücken, insbesondere aber die territoriale Einengung, führte 1771 zur
erneuten Flucht von 170.000 Kalmücken in die Dsungarei.
1935 gründete die sowjetische Regierung eine eigene Republik für die Kalmücken,
die Kalmückische ASSR (Autonome Sozialistische Sowjetrepublik).
1943 schließlich löste die Regierung diese Republik auf und deportierte die
Kalmücken nach Sibirien, wobei bis zu 40 Prozent der Angehörigen dieses Volkes
ums Leben gekommen sind. Nicht weniger verheerend waren die materiellen und
kulturellen Verluste. Erst 1958 wurde die autonome Sowjetrepublik der Kalmücken
wieder hergestellt.
Erst am 19. November 1993 bekamen die Kalmücken die offizielle Bescheinigung
über ihre Deportation und Rehabilitation. Am 5. April 1994 wurde die alte
sowjetische Verfassung durch eine Neue, das „Gesetzbuch der Steppe„, ersetzt.
Die Kalmückische Republik ist Mitglied der Russischen Föderation. Auf einer
Fläche von 75.900 km2 (vergleichbar mit der Größe Bayerns) leben 330.000
Einwohner, davon 180.000 in ländlichen Gebieten. Die Hauptstadt ist Elista
(90.000 Einwohner), die „Stadt auf dem Sand„.
Etwa 45 Prozent der Bevölkerung sind Kalmücken, 37 Prozent Russen, knapp 2
Prozent Deutsche. Als einziges Volk aus der Gruppe der Mongolen hängen die
Kalmücken dem Buddhismus an. Die Literatur des Volkes umfasst Mythen, Gedichte,
Gesetzessammlungen und historische Darstellungen. Bisher nur wenig entwickelt
ist die ökonomische Basis der Republik. An Rohstoffen verfügt Kalmücken über
Erdöl- und Erdgasquellen, die aber noch kaum erschlossen sind.
Eine anerkannte und populäre Vertreterin des Volkes in der Gegenwart ist die
Duma-Ab-geordnete Alexandra Buratajewa. Sie hat die Vergangenheit ihres unter
Stalin deportierten Volkes in einem Film mit dem Titel „Operation Ulusy„
verarbeitet und bekannt gemacht. Die Uraufführung in Deutschland fand in Jena
anlässlich dieser Ausstellung an der Friedrich-Schiller-Universität statt.
Quelle: Goethegallerie Mai 2004