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Der Wandel der Bedingungen, unter denen heute Berufstätigkeit stattfindet, ebenso wie die ökonomische Globalisierung führen zu neuen entwicklungspsychologischen Fragen. Besonders steht dabei das bessere Verständnis unternehmerischer Aktivitäten im Vordergrund. Während es aus dem Bereich der Betriebs- und Volkswirtschaft eine Vielzahl von Studien zu finanziellen und organisatorischen Aspekten des Unternehmertums gibt, fehlen Analysen über Vorläufer unternehmerischer Eigenschaften (beispielsweise dem Drang nach Unabhängigkeit oder der Kreativität, mit der nach neuen Marktnischen gesucht wird). Sozialisationsbedingungen für solches Verhalten sind heute noch praktisch unbekannt. Der unternehmerische Erfolg ist natürlich mit dem Kontext verbunden, also etwa damit, wo ein Unternehmen ist, in welcher Branche es gegründet wurde, oder der marktwirtschaftlichen Expertise der Gründers. Darüber hinaus können jedoch weitere Faktoren mit unternehmerischem Erfolg verbunden sein. Die Persönlichkeit des Unternehmensgründers, seine Motivation oder Besonderheiten der Herkunftsfamilie sind solche Merkmale, an die zu denken ist. Das Ziel des Projekts ist, psychologische Charakteristika erfolgreicher Unternehmer in Ostdeutschland zu erforschen. In der ersten Phase des Projekts wurden etwa 140 Unternehmer mit kleinen oder mittleren Betrieben mittels Fragebögen befragt. Erste Ergebnisse zeigen, daß der unternehmerische Erfolg in Beziehung stand mit der Risikobereitschaft des Betreffenden. In einem zweiten Schritt wurden 60 Unternehmer in unser Labor eingeladen, um über deren Streßbewältigungsstrategien Daten zu erheben.
Dazu wurden den Teilnehmern anhand einer Computersimulation Entscheidungen abverlangt, wie sie in einem Unternehmen typisch sind. Eine prospektive Längsschnittstudie, die nicht Teil des derzeitigen Projekts ist, wird auf der Grundlage der Ergebnisse aus den ersten beiden Projektphasen geplant. Sie wird sich auf die Entwicklung unternehmerischer Fähigkeiten und Charakteristiken richten.
Zusätzlich zu den Daten über die Unternehmer, die im Projekt "Handlungs, und Motivationssysteme der Entrepreneurship" im Laufe des Jahres 1997 erhoben wurden, sind 1998 zwei weitere Stichproben gezogen wurden, teils finanziert aus kompetitiv vergebenen Mitteln zur Nachwuchsförderung der Friedrich-Schiller-Universität. Zum einen wurden im Rahmen eines Seminars in der forschungsorientierten Vertiefung Entwicklungspsychologie unter der Leitung von Dr. Eva Schmitt-Rodermund durch eine Befragung an Jenaer Schulen Daten von 320 etwa 16jährigen Schülern zum Thema der beruflichen Entwicklung durchgeführt. Die Jungen und Mädchen, die gerade in die 10. Schulklasse überwechselten, berichteten über ihre beruflichen Pläne. Außerdem beantworteten sie Fragebögen zu Persönlichkeit und Familieninteraktion. Dieselben Fragebögen beantworteten Studierende verschiedener Fachrichtungen. Auch diese Datenerhebung ist in Form eines Studienprojektes, hier im Empiriepraktikum, durchgeführt worden.
Ziel war, Korrelate frühen unternehmerischen Interesses bei den Schülern und Studenten festzustellen. Die Ergebnisse entsprechen etwa den Befunden bei Unternehmern: eine autoritative Erziehung, d.h. zugleich Regeln setzender und warmer Erziehungsstil, verhilft zu besserer Selbstwirksamkeit und stärkerer Leistungsorientierung. Diese beiden Persönlichkeitsmerkmale gehen mit Interesse an unternehmerischem Tun und Fähigkeiten etwa in der Führung anderer selbst schon in jungen Jahren einher, dürften also letztlich zu späteren unternehmerischen Aktivitäten beitragen.
In Zusammenarbeit mit dem Büro für Existenzgründer BEX in Jena wurde im Sommer 2002 eine weitere Stichprobe gezogen. Finanziert durch das Arbeitsamt werden Arbeitslose in Kursen für eine Existenz als Unternehmer fit gemacht. Weit über 1000 Personen haben in den letzten Jahren an diesen Kursen teilgenommen. Die Teilnehmer an den Kursen der Jahre 1999 bis 2001 wurden mittels Telefoninterviews befragt, soweit sie noch auffindbar waren. Etwa 400 Männer und Frauen nahmen an der Befragung teil. Davon waren aber keineswegs alle erfolgreiche Existenzgründer. Zwar hatten sich die meisten selbständig gemacht, mussten aber inzwischen teilweise wieder aufgeben. Neue Auswertungen sollen zeigen, inwieweit das Ergebnis der Bemühungen von Arbeitsamt und BEX nur bei bestimmten Personen positiv war. Anzunehmen ist, dass insbesondere solche Arbeitslose Erfolg mit der Gründung hatten, die hinsichtlich ihrer Persönlichkeitseigenschaften und ihrer Biografie ohnehin "unternehmerischer" waren als andere. Zu erwarten ist, dass auch hier Leistungsorientierung, Risikofreude, und internale Kontrolle zu Erfolgen verhelfen. Diese Frage wird derzeit in zwei Diplomarbeiten
bearbeitet.
Handout
- Schmitt-Rodermund, E. & Vondracek, F. W. (2002). Occupational dreams, choices, and aspirations: Adolescents' entrepreneurial prospects and orientations. Journal of Adolescence, 25, 65-78.
- Schmitt-Rodermund, E. (in press). Pathways to successful entrepreneurship: Parenting, personality, competence, and interests. Journal of Vocational Behavior.
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Projektleiter
E. Schmitt-Rodermund und Silbereisen, R. K.
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