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IPSY - Evaluation eines suchtpräventiven Lebenskompetenzprogramms

Im Jugendalter steigt die Prävalenz von Problemverhaltensweisen wie der Gebrauch legaler Substanzen (z.B. Alkohol, Zigaretten) an. Forschungsergebnisse zeigen, dass Prävention durch Life-Skills-Programme möglich ist. Diese weltweit anerkannten und angewandten Programme kombinieren verschiedene Präventionsstrategien und basieren auf der Vermittlung allgemeiner und substanzspezifischer Lebenskompetenzen (z.B. nein sagen gegenüber einem Angebot von Substanzen durch Freunde) sowie der Wissensvermittlung durch interaktive Techniken und Übungen im Schulunterricht (z.B. Rollenspiele). Lebenskompetenzen sollen es Kindern und Jugendlichen ermöglichen, mit den Aufgaben und Herausforderungen ihres täglichen Lebens kompetent umzugehen. Verbunden mit substanzspezifischen Komponenten wirken Lebenskompetenzenprogramme suchtpräventiv (Einstiegsalter hinauszögern und jugendtypischen Anstieg im Konsum verringern).

Das Lebenskompetenzprogramm IPSY (Information + Psychosoziale Kompetenz = Schutz) wurde für die 5. Klasse entwickelt. Beim Pilottest am Gymnasium Friedericianum Rudolstadt wurden 15 IPSY-Unterrichtseinheiten (10x90min, 5x45min) durch Lehrer oder ältere Peers vermittelt. Die Evaluation bestätigte die Effizienz von IPSY hinsichtlich der Beeinflussung von Lebenskompetenzen, Wissen sowie des Konsums von Alkohol und Zigaretten, insbesondere dann, wenn es durch Lehrer vermittelt wurde verglichen mit Schülern, die nicht am Programm teilgenommen haben oder bei denen IPSY durch ältere Schüler vermittelt wurde.

Zusätzlich zum Basisprogramm für Klasse 5 existiert jeweils ein Aufbautraining für die Klassenstufen 6 und 7, um die in der fünften Klasse erlernten Kompetenzen zu festigen und zu erweitern.

Das auf der Pilotstudie aufbauende groß angelegte Projekt hat zum Ziel, das Programm in Zusammenarbeit mit dem Thüringer Kultusministerium in 20 Regelschulen und 20 Gymnasien Thüringens zu implementieren. Begleitend wird eine Evaluationsstudie bei 23 Schulen differentielle Interventionseffekte analysieren (z.B. untersuchen, ob Jugendliche mit vs. ohne frühen Verhaltensauffälligkeiten in unterschiedlichem Ausmaß von IPSY profitieren). Darüber hinaus sollen Hypothesen getestet werden, die die Vermittlungsmechanismen der Wirksamkeit derartiger Programme betreffen. Die Ergebnisse der großen Evaluationsstudie zeigen, dass das IPSY-Basisprogramm sehr positive Effekte auf die kurz- und langfristige Entwicklung der beteiligten Schüler hat. Demnach konnte bei IPSY-Schülern der alterstypische Konsumanstieg hinsichtlich des Rauchens und Alkoholtrinkens eingedämmt sowie die Distanz zu zukünftigem Konsum erhöht werden. Bei Schülern, welche schon rauchen bzw. trinken, konnte die tägliche Konsummenge bzw. -häufigkeit gesenkt werden. Weiterhin konnten durch IPSY Widerstandsfähigkeiten gegenüber Peerdruck, Selbstwert und die Schulbindung gefördert bzw. positiv beeinflusst werden. Das IPSY-Programm hat sowohl in Gymnasien als auch in Regelschulen gleichermaßen positive Effekte erbracht und wird sowohl von den implementierenden Lehrern als auch von den Schülern sehr gut akzeptiert. Die Evaluationsstudie ist mit einer Studie zur Erforschung der Entwicklung von Risikoverhalten bei Jugendlichen gekoppelt.

Auch im internationalen Kontext hat sich das IPSY-Programm bereits bewährt. Die Erprobung und Evaluation im italienischen Raum führte zu fast identischen Ergebnissen wie in der deutschen Studie.

Derzeit wird zusätzlich eine Intensivstudie zum IPSY-Programm durchgeführt, in welcher es insbesondere um die Erforschung der Wirkmechanismen des Programms geht. Basierend auf den Daten der Intensivstudie wird Dipl.-Psych. Victoria Wenzel, Mitarbeiterin in der Nachwuchsgruppe Prävention + Entwicklungsförderung, ihre Dissertation erstellen. Weiterhin wird zurzeit in Zusammenarbeit mit dem Thüringer Kultusministerium ein Konzept erarbeitet, welches die Einspeisung des IPSY-Unterrichts in das normale Curriculum vorsieht. Zudem ist für 2008 die Publikation des Programms geplant.

Die Entwicklung und Pilottestung des IPSY-Programms wurden durch den Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie finanziert. Die Durchführung der darauf aufbauenden Evaluationsstudie (Mittel für Kopier-, Material-, Post- und Telefonkosten, Incentives für Schüler, Finanzierung der Lehrertrainings, Reisekosten sowie Mittel für studentische Hilfskräfte und die externe Dateneingabe) wurde durch die Philip Morris GmbH (vermittelt über das Kultusministerium des Landes Thüringen) unterstützt. Die Philip Morris GmbH hat demnach auf die Planung und Durchführung der Studie, Datenanalysen, Befunde sowie Publikation keinen Einfluss genommen, d.h. die Finanzierung ist mit keinen Auflagen verbunden. Weiterhin wurde die Studie (insbesondere hinsichtlich Personalkosten) durch "Mittel zur Förderung exzellenter wissenschaftlicher Forschung" (Hochschul- und Wissenschaftsprogramm) des Landes Thüringen finanziert (Forschungsgruppe "Entwicklungsförderung und Prävention", Leiterin Dr. K. Weichold).

Flyer

Handout

Veröffentlichungen

  • Weichold, K., Brambosch, A. & Silbereisen, R. K. (2011 online first). Do girls profit more? Gender-specific effectiveness of a life skills program against alcohol consumption in early adolescence. Journal of Early Adolescence, DOI:10.1177/0272431610384489.
  • Spaeth, M., Weichold, K., Silbereisen, R. K. & Wiesner, M. (2010). Examining the differential effectiveness of a life-skills program (IPSY) on alcohol use trajectories in early adolescence. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 78, 334-348.
  • Wenzel, V., Weichold, K. & Silbereisen, R. K. (2009). The life skills program IPSY: Positive influences on school bonding and prevention of substance misuse. Journal of Adolescence, 32, 1391-1401.
  • Weichold, K. (2008). Alkoholprävention durch Lebenskompetenzenprogramme. In P. Tossmann & N. H. Weber (Eds.), Alkoholprävention in Erziehung und Unterricht (pp. 102-114). 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Herbholzheim: Centaurus-Verlag.
  • Weichold, K. (2007). Prevention against substance misuse: Life Skills and Positive Youth Development. In R. K. Silbereisen & R. M. Lerner (Eds.), Approaches to positive youth development. Thousand Oaks: Sage.
  • Wenzel, V., Weichold, K. & Silbereisen, R. K. (2007). Schultypspezifische Wirksamkeit eines Lebenskompetenzprogramms. Sucht, 53(6), 335-346.
Projektleiter
K. Weichold und Silbereisen, R. K.


Webmanager: jacqueline.von.lipinski@uni-jena.de, Last updated: Mittwoch, 25. Mai 2011 10:30:45