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TimeWise - Suchtprävention durch die Förderung positiven Freizeitverhaltens

TimeWise ist ein Programm zur Förderung allgemeiner Lebenskompetenzen bei Jugendlichen, welches inhaltlich die Veränderung des Freizeitverhaltens bei Jugendlichen fokussiert. Freizeitverhalten ist allgemein bedeutsam für die positive Entwicklung junger Menschen, im Besonderen aber für die Entwicklung von Substanzkonsummustern. So ist hoher Konsum von Alkohol oder Drogen mit unspezifischen Freizeitaktivitäten, wie dem Besuch von Diskotheken oder "Rumhängen" aus Langeweile verbunden. Dem gegenüber kann strukturierte Freizeit (z.B. Sport) gegen die Entwicklung missbrauchender oder süchtiger Konsummuster schützen.

TimeWise wurde in den USA entwickelt und erfolgreich evaluiert (Caldwell & Smith, Pennsylvania State University). Das Programm soll in verschiedenen Ländern (u.a. Südafrika, Australien und Deutschland) durchgeführt und evaluiert werden. In die deutsche Studie wurden die 7. Klassen von sechs Gymnasien einbezogen. In drei Schulen wurde TimeWise durch die Lehrer im Unterricht über 6 Stunden vermittelt und die Effekte im Prä-Post-Design untersucht. In drei weiteren Schulen wurde eine Entwicklungsstudie durchgeführt zur Identifikation der Risikofaktoren im Freizeitbereich, die den größten Einfluss auf Substanzkonsum bei Jugendlichen haben. Auch hier wurden über den Zeitraum eines Jahres Fragebögen erhoben, um Verhaltensänderungen festzuhalten.

Die Befunde der Pilotstudie an Gymnasien zeigten, dass TimeWise zwar im deutschen Schulkontext durchführbar war, jedoch von den Schülern wenig akzeptiert wurde. Die Schüler gaben an, schon in vielfältige fordernde Freizeitaktivitäten eingebunden zu sein und die Inhalte des Programms schon zu kennen. Die Ergebnisevaluation zeigte (auch in der Follow-up-Erhebung 2004/2005), dass das Programm bei Gymnasiasten kaum Faktoren im Freizeitbereich verändern konnte und damit auch den Substanzkonsum der Jugendlichen nicht positiv beeinflusste.

Im Regelschulkontext werden stärkere Interventionseffekte erwartet. Diese Annahme wurde durch Befunde einer Vorerhebung im Herbst 2006 unterstützt, in der sich zeigte, dass das Bewusstsein für Freizeitmöglichkeiten bei Regelschülern geringer und unstrukturiertes Freizeitverhalten häufiger ist als bei Gymnasiasten. Regelschüler haben somit mehr Bedarf, ihre Freizeitkompetenzen zu optimieren, und könnten von einem Trainingsprogramm wie TimeWise stärker profitieren. Im Frühjahr 2007 wurden fünf Regelschulen für eine erneute Evaluation rekrutiert. Innerhalb jeder Schule wird TimeWise in einer 7. Klasse durchgeführt, wobei die Parallelklasse die Vergleichsgruppe darstellt. TimeWise war in Regelschulen gut durchführbar und die Akzeptanz der Regelschüler war wesentlich höher im Vergleich zu den Gymnasiasten. Die Mehrheit gab an, dass TimeWise interessant und nützlich ist. Die Schüler hatten nach eigenen Angaben gelernt, wie sie z. B. mit Langeweile besser umgehen und wie sie ihre Freizeit sinnvoll planen können. Die Auswertung der Daten des Prä-Post-Designs zeigte wenige positive Effekte auf Freizeitkompetenzen und Alkoholkonsum. Insgesamt sind die Interventionseffekte in Regelschulen deutlicher als in Gymnasien, die amerikanischen Befunde konnten jedoch nicht repliziert werden. Zusätzliche Moderatoranalysen zeigten, dass die von den Jugendlichen wahrgenommenen Ressourcen in ihrer unmittelbaren Umgebung die Wirksamkeit von TimeWise im Regelschulkontext beeinflussen. So profitieren Regelschüler mit ressourcenarmem Umfeld stärker von der Intervention und berichten z.B. über reduzierten Peereinfluss im Vergleich zu Schülern, die TimeWise nicht absolvierten.

Die Studie wird finanziert über eine Förderung durch LUBOM Thüringen (Förderung zum Zwecke der Gleichbehandlung von Frauen in Forschung und Lehre; Leitung Dr. Karina Weichold), des Weiteren über Mittel des CADS (Leitung Prof. Rainer K. Silbereisen) sowie der Forschungsgruppe Prävention und Gesundheitsförderung (Leitung Dr. Karina Weichold).

Handout

Veröffentlichungen

  • Weichold, K. & Silbereisen, R. K. (2007). Positive Jugendentwicklung und Prävention. In B. Röhrle (Ed.), Prävention und Gesundheitsförderung für Kinder und Jugendliche (S. 103-126). Tübingen: DGTV-Verlag.
  • Caldwell, L. L., Weichold, K., & Smith, E. A. (2006). Peer influence, substance use and leisure: A cross-cultural comparison. Sucht - German Journal for Addiction Research and Practice, 52(4), 261-267.
Projektleiter
K. Weichold und Silbereisen, R. K.


Webmanager: jacqueline.von.lipinski@uni-jena.de, Last updated: Donnerstag, 22. November 2007 11:17:55