Uterussarkom (Bösartiger Tumor der Gebärmutter)

Übersicht 

Das Uterussarkom ist ein seltene Krebsform der Gebärmutter. Symptome können Blutungen und Schmerzen sein. Die Diagnostik ist nur mit der Histologie endgültig zuverlässig. Je nach Größe und Verbreitung des Tumors kommen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten in Frage, von der Hormontherapie bis zur Operation. Die Heilungschancen sind ebenfalls stark abhängig von Größe, Ort und Verbreitung des Tumors. 


Was ist ein Uterussarkom? 

Beim Uterussarkom, einer sehr seltenen Krebsform der Frau, entstehen (bösartige) Krebszellen in der Muskulatur oder dem Bindegewebsanteil der Schleimhaut der Gebärmutter (Uterus). 
Eine bösartige (sarkomatöse) Entartung von gutartigen Myomen ist selten und kommt in weniger als 1% der Fälle vor. Zudem wird sie fast ausschließlich bei Frauen in oder nach den Wechseljahren (postmenopausal) beobachtet. Genetische Abnormalitäten werden in ca. 50% aller Myome festgestellt. 
Die Häufigkeit (Inzidenz) des Uterussarkoms liegt bei 0,67 pro 100 000 Frauen im Alter über 20 Jahren. 


Welche Beschwerden verursacht die Erkrankung? 

Die Beschwerden sind denen von gutartigen Myomen ähnlich. Am häufigsten wird eine abnormale Blutung aus der Gebärmutter bemerkt - häufig nach den Wechseljahren. Es können auch Schmerzen im Unterbauch und ein Tumor im Becken bestehen. Die Ursachen solcher Symptome müssen dringend durch einen Arzt abgeklärt werden. 


Gibt es Risikofaktoren? 

Gutartige Muskelzellgeschwulste, sogenannte Myome, die bei jeder dritten Frau ab 35 Jahren vorkommen, können selten (weniger als 1% der Fälle) zu bösartigen Tumoren entarten. Während 1000 Frauen an gutartigen Myomen erkranken, erkrankt eine Frau an einem malignen Uterussarkom. Dies wird fast immer nur bei Frauen nach den Wechseljahren beobachtet . 
Liegen in einem Uterus mehrere Myome vor und ist nur einer der Tumoren sarkomatös verändert, so ist dies immer der größte. 
Die bösartige Geschwulst entsteht aber häufiger von selbst. Die Sarkome oder die Karzinosarkome der Unterusschleimhaut sind ebenso selten wie die Sarkome der Gebärmuttermuskulatur und verursachen identische Symptome. 


Wie wird ein Uterussarkom festgestellt? 

Ein Abstrich vom Gebärmutterhals, wie er bei der gynäkologischen Untersuchung entnommen wird, ist bei einem Sarkom der Gebärmutter oft unauffällig. Die bösartigen Zellen befinden sich im Inneren der Gebärmutter. Sie werden daher beim Abstrich nicht erreicht. 

Bei der gynäkologischen Tastuntersuchung werden Größe und Unregelmäßigkeiten der Gebärmutter getastet. Dabei kann ein knotiger Tumor der Gebärmutter ab einer bestimmten Größe gefunden werden. Zuverlässiger und genauer ist die Diagnose mit einer Ultraschalluntersuchung. Man kann aber bei den hierbei festgestellten Knoten nicht sicher zwischen gut- und bösartig unterscheiden. Zusätzlich durchgeführte Schnittbildverfahren können keine sichere Diagnose liefern. Eine Spiegelung der Gebärmutterhöhle (Hysteroskopie) und eine Ausschabung führen nur beim Sarkom der Uterusschleimhaut zur richtigen Diagnose, jedoch nicht bei dem in der Gebärmutterwand liegenden Sarkom, das von der Muskulatur ausgeht. 

Endgültige Sicherheit bekommt man erst durch Gebärmutterentfernung mit der durchgeführten feingeweblichen Untersuchung und der Beurteilung am Paraffin- eingebetteten Material (Histologie). Der oft auch schon während der Operation durchgeführte sogenannte Schnellschnitt ist nicht immer zuverlässig. 

Wenn ein Uterussarkom gefunden worden ist, werden eventuell weitere Untersuchungen durchgeführt, um festzustellen, ob der Krebs sich von der Gebärmutter aus in andere Körperteile ausgebreitet hat (diese Untersuchungen werden auch Staging = "Ermittlung der Stadieneinteilung" genannt). Zu diesen Untersuchungen gehören die Computertomographie, eine MRT-Untersuchung oder eine Blasen- oder Darmspiegelung. Um eine Therapie festzulegen, muß der Arzt das Stadium der Erkrankung kennen. 


Wie wird die Ausdehnung der Erkrankung eingeteilt? 

Die Behandlung richtet sich nach der Stadieneinteilung. Folgende Stadien nach FIGO (Fed. Int. Gynecol. Oncol.) oder TNM werden beim Uterussarkom unterschieden: 

  • Stadium I:Tumor ist begrenzt auf den Gebärmutterkörper. 
  • Stadium II:Tumor breitet sich auf den Gebärmutterhals aus. 
  • Stadium III: Tumor breitet sich jenseits der Gebärmutter, aber noch innerhalb des kleinen Beckens aus. 
  • Stadium IV:Tumor wächst in die Harnblase oder den Darm und/oder überschreitet die Grenzen des kleinen Beckens. 
  • Rezidiv:Ein Rezidiv bedeutet, dass Krebs nach einer Therapie wieder aufgetreten ist, ein sogenannter Rückfall. 

Wie wird ein Uterussarkom behandelt? 

Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten: 

  • Operation 
  • Strahlentherapie (hochdosierte Röntgenstrahlen oder andere hochenergetische Strahlen werden zum Abtöten der Krebszellen und zum Verkleinern der Tumore eingesetzt), 
  • Chemotherapie (Medikamente werden zur Abtötung der Krebszellen eingesetzt, entweder als Tablette eingenommen oder als Infusion über die Blutgefäße verabreicht. Chemotherapie wird auch "systemische Therapie" genannt, denn die Medikamente gelangen in den Blutkreislauf, wandern durch den Körper und können Krebszellen außerhalb der Gebärmutter zerstören). 
  • Hormontherapie (weibliche Hormone werden zur Abtötung der Krebszellen eingesetzt). 


Die Standardbehandlung ist die Operation. Dabei wird die Gebärmutter mitsamt beiden Eierstöcken und den Lymphknoten im kleinen Becken und entlang der Bauch- Hauptschlagader entfernt. Dies kann über einen Bauchschnitt oder mittels Bauchspiegelung geschehen. Eine Begutachtung des gesamten Bauchraumes mit Probenentnahme (Biopsien) vor allem von verdächtigen Bereichen ist zwingend. 

Nach der Operation können, abhängig vom Stadium der Erkrankung, eine Chemotherapie und/oder eine Bestrahlung folgen. Im Stadium I oder II besteht kein Standardverfahren. Derzeit werden sowohl die Chemotherapie sowie auch die Bestrahlung des ganzen Beckens über die Haut empfohlen. 

Im Stadium III und IV wird derzeit die Behandlung im Rahmen einer klinischen Studie über den Einsatz einer Chemotherapie empfohlen. (Standardtherapien haben sich etabliert aufgrund ihrer erwiesenen Wirksamkeit in früheren Studien. Einige Standardbehandlungen haben mehr Nebenwirkungen als erwünscht und nicht alle Patienten werden mit einer Standardtherapie geheilt. Um bessere und individuellere Behandlungsmethoden für Krebspatienten herauszufinden, gibt es klinische Studien, die auf den neuesten Erkenntnissen basieren. Wenn Sie mehr über klinische Studien erfahren wollen, fragen Sie bitte Ihren Arzt.) 

Bei fortgeschrittenem Stadium und Rezidiven (der Krebs ist erneut aufgetreten) kann man mit dem Chemotherapeutikum Ifosfamid ein teilweises Ansprechen ereichen. Um Symptome wie Schmerzen, Übelkeit oder Darmfunktionsstörungen zu lindern, kann man auch eine Bestrahlung durchführen. 


Wie sind die Heilungschancen der Erkrankung? 

Die Heilungschancen und die Wahl der Behandlungsmethode hängen vom Stadium des Sarkoms (d.h. ob die Erkrankung auf die Gebärmutter beschränkt ist oder ob sie sich auf andere Regionen ausgedehnt hat), von der Wachstumsgeschwindigkeit der Krebszellen, und vom allgemeinen Gesundheitszustand der Patientin ab. Patientinnen mit langsam wachsenden Sarkomen haben eine 5-Jahres- Überlebensrate von 65%, verglichen mit 17% für Patientinnen mit schnell wachsenden Tumoren. Das heißt, nach 5 Jahren leben von 100 erkrankten Patientinnen noch 65 bzw. 17. 
Die Überlebensraten sind auch abhängig vom Grad des Einwachsens in die Muskulatur. So beträgt die 5-Jahres-Überlebensrate für den oberflächlichen Schleimhautbefall 80%, bei Infiltration von weniger als 1/3 der Muskelwand 48%, zwischen 1/3 und 2/3 50% und bei mehr als 2/3 Infiltrationstiefe nur noch nahezu 0%. 


Was ist nach einer solchen Erkrankung zu beachten? 

Nach einer Krebserkrankung bleiben die Patientinnen unter engmaschiger Kontrolle. Die klinische Untersuchung erfolgt während der ersten beiden Jahre nach der ersten Behandlung in dreimonatigen Intervallen. Dabei wird ein Wiederauftreten im Bereich des Beckens ausgeschlossen. Weiterhin kann so eine Fernmetastasierung (Absiedelung des Tumors in andere Organe, z.B. Lunge oder Knochen, durch Ausbreitung auf dem Blutweg) rechtzeitig erkannt werden.